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Lern- und leistungsschwache Jugendliche bereiten sich ab der achten Klasse auf die Ausbildung vor

Projekt eröffnet Hauptschülern bessere Chancen

Emmerthal (cb). Um lern- und leistungsschwache Hauptschüler schon frühzeitig besser auf die Ausbildung vorzubereiten, beteiligt sich die Johann-Comenius-Schule Emmerthal mit finanzieller Unterstützung des Landes und der Bundesagentur für Arbeit an einem landkreisweit einmaligen Projekt. Mit Erfolg, wie gestern alle Beteiligten eine positive Zwischenbilanz zogen. Schon jetzt zeige sich, dass einige der 14 beteiligten Schüler berechtigte Aussichten auf eine Lehrstelle im nächsten Jahr hätten, so Konrektor Rudolf Langer. „Unser Ziel ist es, möglichst alle mit Hauptschulabschluss zu entlassen“, sagte er und fügte hinzu: „Wir sind auf einem guten Weg.“

veröffentlicht am 15.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:21 Uhr

Als Fachverkäuferin sammelt Denise erste Erfahrungen – und
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Neun Prozent der Jugendlichen verlassen die Hauptschule ohne Abschluss, teilweise knapp unter zehn Prozent sind es nur, die direkt nach der Schule den Übergang in die Ausbildung schaffen. „Diese beiden Entwicklungen bereiten Sorgen“, wie Thorsten Tünnermann, Teamleiter Berufsberatung bei der Arbeitsagentur, weiter erläutert. Reagieren, „bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“, müsse man – und dazu dient das Projekt mit dem Namen „Vertiefte Berufsorientierung und Praxisbegleitung an Hauptschulen“. Insgesamt 22 Schulen in Niedersachsen nehmen daran zwischen August 2008 und Juli 2010 teil, wobei die Kosten von knapp 1,7 Millionen Euro vom Land und der Bundesagentur für Arbeit getragen werden.

Ein präventives Projekt – und deshalb setzt es bereits in der achten Klasse an. Mit den 14 Jugendlichen ist es gut ein Drittel des Jahrgangs der Emmerthaler Hauptschule, bei denen Lehrer wie Eltern Sorge hatten, dass sie das Ziel nicht erreichen könnten. Sie wurden in einer Praxisklasse zusammengefasst, in der sie bis zum Ende der neunten Klasse von einem Praxisbegleiter unterstützt werden. Zwei Tage wöchentlich arbeiten sie in einem heimischen Betrieb, sammeln erste praktische Erfahrungen. Das Stundenplanprofil wurde angepasst. Der Unterricht wird in den Kernfächern Deutsch und Mathe verstärkt, was „durchaus den Wünschen aus der Wirtschaft entspricht“, so Konrektor Langer. Außerdem ergänzen und intensivieren der Klassenlehrer Thorsten Kleiner und Praxisbegleiter Jörg Strelow vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft die Unterrichtsinhalte des Themenbereiches Berufsorientierung. Und nebenbei geht es um Tugenden wie Pünktlichkeit, Ordnung und Einsatzfreude.

Auch Firmen sammeln positive Erfahrungen

Bis auf einen Schüler hat es bei den Jugendlichen gut geklappt, wie sich die Beteiligten freuen. Die Fehlzeiten seien massiv zurückgegangen, und „mit den Noten geht es bergauf“, so Klassenlehrer Kleiner. Überraschende Erfahrung auch für die Projektverantwortlichen: Jugendliche, die in der Schule nicht so motiviert seien, würden in den Betrieben positiv auffallen.

Die Reaktionen der Hauptschüler sind ebenfalls überwiegend positiv. „Ein bisschen schwergefallen“ sei ihm zwar die Umstellung, so berichtet der 16-jährige Tobias, der sich schon vorher hat vorstellen können, den Beruf des Dachdeckers zu erlernen. Jetzt sammelte er praktische Erfahrungen bei der Emmerthaler Firma Griese, durfte beispielsweise beim Gerüstaufbau helfen und Ziegel anreichen. „Das macht Spaß“, sagt Tobias, der nun in diesem Beruf seine Ausbildung anstrebt. Dachdeckermeister Stephan Stallmann kann ihn dazu nur ermutigen. „Sehr motiviert“, urteilt er über den 16-Jährigen – und macht deutlich, dass auch die Firmen von dem Projekt Vorteile haben. Dass die Projektbeteiligten flexibel reagieren, davon profitieren die Schüler. Die 14-jährige Denise stellte fest, dass die Arbeit als Floristin ihr nicht so gut lag – sie wechselte zum Supermarkt Neukauf. Und fand mehr Freude, im Beruf der Fachverkäuferin Einblicke zu bekommen.

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