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Karten zeigen Überschwemmungsgebiete für drei Gewässer im Bereich der Gemeinde Aerzen auf

Pläne zum Hochwasserschutz stoßen auf Kritik

Aerzen (cb). Das jüngste Unwetter mit dem Starkregen in der vergangenen Woche lag erst wenige Tage zurück, entsprechend groß war das Interesse an den Plänen für die Überschwemmungsgebiete von drei Bachläufen im Bereich der Gemeinde Aerzen. Und: Sie sind umstritten – sowohl bei den Einwohnern als auch in der Politik. Teils heftige Kritik gab es an der im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erstellten Karte, auf der die Überschwemmungsgebiete im Falle eines Hochwassers, wie es statistisch einmal im Jahrhundert vorkommt, berechnet und eingezeichnet sind. Dies gilt für die Humme sowie den Grieße- und Beberbach. Von Hochwasser bedrohte Einwohner vermissen mangelnde Schutzmaßnahmen oder stellten mögliche Fehler in der Darstellung fest, Politiker sorgen sich vor allem um die Folgen dieser Festsetzungen. „Auf die Bürger, die dort wohnen, kommt einiges zu“, warnte Friedel-Curt Redeker als Vorsitzender des Bauausschusses, der sich gemeinsam mit allen Ortsräten mit dem Thema befasste, vor möglichen Einschränkungen. Hinzu komme, dass die Landwirtschaft im Bereich der Überschwemmungsgebiete Auflagen bekomme. „Dabei handelt es sich jedoch um die Flächen mit den höchsten Ertragsbedingungen“, meinte Redeker, der selbst Landwirt ist.

veröffentlicht am 14.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 20:21 Uhr

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Sachverstand vor Ort war nicht gefragt

Was aber in der Sitzung von fast allen kritisiert wurde: Die Planer hätten nicht den Sachverstand vor Ort in Aerzen einbezogen, außerdem die Verwaltung zu kurzfristig mit dem Ergebnis überrascht. Noch in dieser Woche soll die Stellungnahme der Gemeinde vorliegen. „Uns ist es wichtig, dass die Anregungen der Bürger darin aufgenommen werden“, betonte Bürgermeister Bernhard Wagner in der gut besuchten Sitzung.

Detlef Wenke, Bauamtsleiter im Rathaus, stellte in Aussicht, dass im weiteren Verfahren die Einwohner, Firmen und besonders die Anlieger an den Bächen noch Gelegenheit bekommen würden, ihre Bedenken und Anregungen vorzubringen. Die Überschwemmungsgebiete würden nämlich erst in einem weiteren Schritt durch die Untere Wasserbehörde des Landkreises festgesetzt. Der Entwurf werde zunächst öffentlich ausgelegt, anschließend könnten Stellungnahmen abgegeben werden.

Wenke stellte die Gründe vor, die besonders nach dem Elbehochwasser dazu geführt hätten, die entsprechenden Gesetze zu ändern. Ziel sei es, Rückhalteflächen für die Gewässer zu erhalten und so weit wie möglich zurückzugewinnen. Mögliche Konsequenzen für die Überschwemmungsgebiete: Abgesehen von Ausnahmen, dürften dort beispielsweise keine neuen Baugebiete ausgewiesen, Grünland nicht mehr in Ackerland umgewandelt werden, so Wenke. Der Bauamtsleiter bat ebenso wie der Bürgermeister die betroffenen Einwohner darum, das Kartenwerk auf mögliche Fehler in den Blick zu nehmen. Beispielsweise waren im Ortskern von Selxen kaum Überschwemmungsgebiete ausgewiesen, „obwohl wir wissen, was dort bei Starkregen los ist“, so Wenke. Offene Fragen sah er auch im Bereich Aerzen selbst.

Vorrang für Rückhaltebecken

Das Dilemma der Karten machte Grupenhagens Ortsbürgermeister Friedrich Beckmeier deutlich. Darin werde nur aufgezeigt, wohin sich die Bäche bei Hochwasser ausbreiten würden. „Die meisten Einwohner interessiert aber, dass ihr Haus nicht unter Wasser steht“, so Beckmeier. „Daran ändert der Plan nichts – er bringt nur Einschränkungen.“ Er setzte sich deshalb für Regenrückhaltebecken im Oberlauf der Bäche ein, wie es auch in Grupenhagen geplant ist. Trotz seiner Kritik am bisherigen Verfahren wollte Bürgermeister Wagner die Pläne nicht ganz in Abrede stellen, bildeten sie schließlich auch die Grundlage für Hochwasserschutzkonzepte. Dabei griff er die Kritik eines Einwohners aus Königsförde auf, der weitere Neubaugebiete in früheren Jahren für eine Verschärfung der heutigen Hochwassersituation verantwortlich machte. Genau solche Punkte sollten künftig durch die festgesetzten Überschwemmungsgebiete ausgeschlossen werden. „Der Plan ist auf die Zukunft gerichtet“, sagte der Bürgermeister. Eine Botschaft sei für ihn aber wichtig, um als Gemeinde den Hochwasserschutz verbessern zu können, so Wagner: „Dafür brauchen wir finanzielle Hilfe von Bund und Land.“

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