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Teichwirtschaft Lehmann boomt

Petri heil in Reinerbeck

REINERBECK. 20 Männer, ein Teich – und Stille. Nur die Vögel zwitschern an diesem Tag, der für viele der Männer schon früh begonnen hat. „Die ersten Angler waren schon um 4 Uhr hier, um garantiert einen Platz zu haben, obwohl wir erst um 7 Uhr öffnen“, sagt Eduard Lehmann.

veröffentlicht am 18.05.2018 um 10:08 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 16:48 Uhr

Die Teichwirtschaft Lehmann befindet sich zwischen den Feldern hinter Reinerbeck: Der 3000 Quadratmeter große Teich ist das Herzstück der Anlage. Foto: kk
Karen Klages

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Karen Klages Reporterin zur Autorenseite
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Lehmann gehört die Teichanlage bei Reinerbeck, die beliebtes Ausflugsziel vieler Angler ist. „Heute musste ich auch schon wieder zwei Leute wegschicken.“ Mehr als 20 Leute gleichzeitig können hier nicht angeln. Einer von ihnen, die heute ihre Ruten ausgeworfen haben, ist Tyler. Der Neunjährige ist fast jede Woche hier; nimmt die 40 Minuten Fahrt von Bakede zusammen mit seinem Vater gerne in Kauf. „Es ist sehr nett hier“, sagt Tyler, der auf der seit 2014 eröffneten Teichanlage den Rekord hält: Eine 7,5 Kilogramm schwere Forelle hat er einst hier rausgezogen. „Ich wusste sofort: Da hängt ein ganz großer Fisch an der Angel“, erinnert sich Lehmann, als er Tyler über die Platten rutschen sah. Ins Wasser gefallen ist hier noch kein Angler, nur Lehmann selbst hat es einmal erwischt. „Und ein Handy hat auch schon mal im Teich gelegen, das hat aber gleich wieder funktioniert“, erinnert sich der 53-Jährige.

Mit seiner Teichwirtschaft zwischen den Feldern Reinerbecks hat Eduard Lehmann sein Hobby zum Beruf gemacht. Ein Geheimtipp ist die am 31. August 2014 geöffnete Teichanlage längst nicht mehr. An manch schönen Sommertagen musste Eddy, wie viele ihn nennen, schon ein Dutzend Angler wegschicken. Auf einen Kaffee dürfen bei Eddy aber alle noch bleiben. Eine kleine Hütte samt angeschlossener Räucherkammer stehen in der Mitte der 8000 Quadratmeter großen Teichanlage. Der Angelteich selbst, in dem Lehmann für jeden Angler drei Kilogramm Fisch aussetzt, ist 3000 Quadratmeter groß. In sieben Zuchtteichen und einem Quarantäneteich – alle übernetzt, damit der Fischreiher nicht sein Unwesen treibt – werden die Fische gezüchtet. „Die gelieferten Fische kommen nur in den Quarantäneteich“, so Lehmann. So soll vermieden werden, dass sich mögliche Krankheiten externer Fische in der Teichanlage ausbreiten.

Viel Geld und Zeit hat der gelernte Fernkraftfahrer Lehmann seit dem Erwerb der Anlage im Jahr 2012 hier investiert: Er hat Schutzdämme gebaut, die Teiche neu angelegt, Rohre verlegt. Dass die Teichwirtschaft in einem guten Zustand ist, bescheinigen ihm nicht nur die Angler. „Ich habe auch ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn“, so der Besitzer. Die Arbeit der Landwirte habe keine Auswirkungen auf die Wasserqualität; ebenso ist die Anlage vor Überflutungen geschützt. Gerne hätte Lehmann eine größere Teichwirtschaft – „mein Ziel ist es, 100 Prozent Fisch aus der eigenen Produktion anzubieten.“ Doch neue Anlagen werden nicht mehr genehmigt; so arbeitet er mit anderen Züchtern zusammen. Neben dem alltäglichen Geschäft mit den Anglern (dienstags ist allerdings Ruhetag) verkauft er frische oder geräucherte Forellen an Gastwirte und Privatpersonen. Geangelt wird meist die Regenbogenforelle, aber auch Lachsforellen und andere Salmonidenarten finden sich in den Zuchtteichen.

Tyler angelt gerne hier. Foto: kk
  • Tyler angelt gerne hier. Foto: kk
Frisch gefangen: die Lachsforelle Foto: kk
  • Frisch gefangen: die Lachsforelle Foto: kk

Wer bei Lehmann angelt (es kommen auch viele Frauen), muss einen Angelschein vorweisen; ebenso Pflicht: eine Kühlbox. Lehmann legt Wert auf Tierschutz: „Dem Fisch darf nicht unnötig Leid zugefügt werden.“ Der beste Platz am Teich? „Eigentlich überall.“ In der Mitte des 96 Meter langen Teiches hat man allerdings die besten Chancen, Forellen zu fangen. Tief auswerfen muss man die Angel nicht: „Die Forelle fühlt sich am wohlsten in 90 Zentimetern Tiefe.“ Wie viele Fische derzeit im Angelteich schwimmen: Lehmann weiß es nicht. Die Angler gehen fast nie mit leeren Kühlboxen nach Hause – auch im Winter nicht. „Der Teich friert nicht zu“, sagt Lehmann.

Auf der Zufahrt zur Teichwirtschaft, dem schmalen Feldweg, der von der Alverdisser Straße wegführt, herrscht somit das ganze Jahr über reger Betrieb – manchmal auch nachts. Damit Lehmann weiß, was auf der Anlage passiert, ist diese komplett videoüberwacht. Eingebrochen wurde hier auch schon. „Die Einbrecher haben wir auf Video“, erzählt er. Ebenso wie Fledermäuse und Waschbären, die sich gerne mal in der Teichwirtschaft tummeln. Trotz Einzäunung finden die Tiere ihren Weg. Den Forellen geht es aber selten an den Kragen. „Die Waschbären machen eher etwas kaputt“, berichtet Lehmann. Und Lärm in der sonst so ruhigen Idylle der Teichwirtschaft.

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