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Bauarbeiten an der denkmalgeschützten Kirche in Groß Berkel / Ungewöhnliche Spendenaktion

Orgel verpackt – Sanierung kann beginnen

Groß Berkel. Als das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude 1995 das Reichstagsgebäude in Berlin verhüllten, zeigte sich die Welt begeistert von dem Kunstprojekt. Die Begeisterung, die die Verpackung der Orgel in der St.-Johannis-Kirche unter den Groß Berkeler Gottesdienstbesuchern hervorruft, hält sich dagegen deutlich in Grenzen. Und das nicht etwa, weil in der Kirche nur schnöde Kunststoffabdeckfolie aus dem Baumarkt zum Einsatz kam und nicht wie einst in Berlin aluminiumbedampftes Polypropylengewebe von Künstlerhand verarbeitet wurde. Und statt des Künstlers waren es auch nur Georg Schloetmann und Alexander Weißheim von der Firma Hammer in Hemmingen, die im Auftrag der Kirchengemeinde die Orgel verpackten. Vielmehr ist sowohl der Anblick der schmucklosen Orgelverpackung als auch die aus dieser Plastiktüte erklingende Kirchenmusik für die Gottesdienstbesucher und für Küsterin Gisela Vogelsteller recht gewöhnungsbedürftig.

veröffentlicht am 18.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Eigentlich soll das Ganze auch gar nicht schön oder gar kunstvoll sein, sondern lediglich praktisch und zum Schutz der mittlerweile 34 Jahre alten Orgel vor Baustellenstaub dienen. 140 Meter Plastikfolie von der Rolle waren nötig, um die 1981 von der Firma Gebrüder Hillebrand aus Isernhagen gebaute Orgel zu verpacken. Etwa zwei Monate lang wird das Instrument verhüllt bleiben, schätzt Küsterin Vogelsteller. Den Auftrag, eine Orgel so zu verpacken, dass sie staubgeschützt eine Bauphase übersteht, bekommt das Hemminger Unternehmen öfter. Einen Zugang für den Organisten in der Umhüllung zu lassen und trotzdem das Instrument vor Staub zu schützen – wie jetzt in Groß Berkel – kommt eher selten vor, räumen Schloetmann und Weißheim ein.

Für fünf Euro wird

der Spendername auf Dachziegeln verewigt

„Dass eine Orgel trotz der staubgeschützten Abdeckung nach wie vor gespielt wird, das ist schon ein echter Spezialfall“, so die beiden Männer vom Fach. Nötig wird der Schutz für das Instrument, weil sich die St.-Johannis-Kirche in den kommenden Wochen in eine Großbaustelle verwandeln wird. Zunächst wird das Gotteshaus eingerüstet. Dann wird aus Sicherheitsgründen für die Zeit der Bauarbeiten der Durchgang über den Kirchhof gesperrt. Auch ein Teil des Kindergartenaußengeländes auf der Nordseite der Kirche wird abgesperrt und darf nicht genutzt werden.

Im Anschluss daran richten der Groß Berkeler Dachdeckermeister Reinhard Bierstedt und seine Mitarbeiter die Baustelle ein und die Sanierung des Daches des Kirchenschiffs kann beginnen. „Die jetzige Bedeckung, etwa 50 bis 60 Jahre alte Betonziegel, lässt Feuchtigkeit durch“, erklärt Pastor Simon Pabst die Notwendigkeit der Baumaßnahme. Das Kostenvolumen der umfangreichen Sanierung beträgt 165 000 Euro, von denen 50 000 Euro der Kirchenkreis trägt und die restlichen 115 000 Euro als außerordentliche Baumaßnahme von der Landeskirche übernommen werden.

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In Absprache mit dem Denkmalschutz wird das Kirchendach mit glatten Tonziegeln eingedeckt, die optisch Ähnlichkeit mit Sandsteinplatten haben. Ziegel dieser Art kamen auch schon bei der Sanierung von Schloss Schwöbber zum Einsatz. „Und wenn das Baugerüst einmal aufgebaut ist, sollen auch gleich das Mauerwerk und die Fenster des Gotteshauses auf eventuelle Schäden kontrolliert werden“, fügt der Pastor an. Der direkte Zugang zur Kirche allerdings bleibt offen und auch die Gottesdienste samt Orgelmusik finden wie geplant in den kommenden Wochen statt.

Etwa 500 Quadratmeter Dachfläche hat das Gotteshaus aufzuweisen. Obwohl die Kosten für die Dachsanierung vom Kirchenkreis und von der Landeskirche finanziert werden, ruft die Kirchengemeinde zu einer besonderen Spendenaktion auf: Im Gottesdienst mit Taufen am Sonntag, 30. August, werden für jeweils fünf Euro symbolisch die neuen Dachziegel verkauft. „Auf der Unterseite der Steine können sich die Spender verewigen. Wenn das Kirchendach vielleicht in 100 Jahren neu gedeckt werden muss, kommen die Namen wieder zum Vorschein“, erklärt Pabst. Und die finanziellen Zuwendungen kann die Kirchengemeinde gut gebrauchen.

„Teuer wird es, unsere Orgel ausreinigen und den Schimmel beseitigen zu lassen. Der ist aber nicht auf die Plastikverpackung während der kommenden Bauzeit zurückzuführen“, erklärt der Pastor. Für diese Arbeit müsste die Orgel in ihre Einzelteile zerlegt werden. „Das allein würde etwa 31 000 Euro kosten und mit zusätzlichen Arbeiten mit weiteren 9000 Euro zu Buche schlagen“, rechnet Pabst vor. Geld, das die Kirchengemeinde im Moment nicht hat. „Alles hat seine Zeit – heißt es schon in der Bibel im Buch Prediger. Das gilt auch für unsere Orgel“, so der Pastor. Immerhin: Die Schäden am Kirchendach wurden bereits bei der Baubegehung vor fünf Jahren festgestellt. Alles hat eben seine Zeit, auch dringend notwendige Dachsanierungen …

140 Meter Plastikfolie sollen die Orgel vor Baustaub schützen. Die Kirche erhält eine neue Dacheindeckung. Bei den vorbereitenden Arbeiten an der Orgel: Küsterin Gisela Vogelsteller sowie Alexander Weißheim und Georg Schloetmann (v. li.).

sbr



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