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Sexualverbrecher Dieter H. verurteilt / Was dieser Mann in Emmerthal tat, ist „menschenverachtend“

Opfer geschlagen, gedemütigt und vergewaltigt

Emmerthal. „Er hatte Spaß daran, seine Freundin zu erniedrigen und zu demütigen“, sagte der Vorsitzende Richter der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover, Helfried Teschner, über den Angeklagten Dieter H. (45). Eine Frau zu schlagen, sie nackt mit einem Hund in einen Zwinger zu sperren und sie danach zu vergewaltigen, das sei „derartig menschenverachtend, dass einem eigentlich die Worte fehlen“, meinte Teschner in seiner 40-minütigen Urteilsbegründung. Zuvor hatte die Kammer den bereits einschlägig vorbestraften Sexualtäter zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und einem Monat verurteilt. Da sich die Verbrechen bereits im Jahr 2001 ereigneten und sich das Verfahren überaus lange hingezogen hat, wird Dieter H. ein Jahr Haft als verbüßt angerechnet, denn: Liegt wie hier eine „rechtsstaatswidrige Verzögerung“ vor, muss sich das auf das Strafmaß auswirken. So wollte es auch die Staatsanwältin, die in ihrem Plädoyer vier Jahre und zehn Monate gefordert hatte.

veröffentlicht am 09.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 17:21 Uhr

Wurde gestern von der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Han

Autor:

Ulrich Behmann
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Das Gericht ordnete die Unterbringung des Verurteilten in einer Entziehungsanstalt an, denn H. hatte die Sexualverbrechen im alkoholisierten Zustand begangen. Und: Laut Gutachter ist damit zu rechnen, dass er im Rausch erneut schwere Straftaten verübt. Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Sicherungsverwahrung lehnten die Richter ab. Zwar seien „die formellen Voraussetzungen dafür gegeben“, so der Vorsitzende, dennoch habe die Kammer bei einer solchen Entscheidung einen Ermessensspielraum – und den habe sie in diesem Fall ausgeschöpft. Grund: Die Verbrechen seien schon „vor sehr langer Zeit und während einer bestimmten Lebensphase“ begangen worden. Dieter H. habe sich in der letzten Zeit nichts zuschulden kommen lassen.

Auch den Antrag der Staatsanwaltschaft, Dieter H. nach dem Urteilsspruch sofort in Haft zu nehmen, lehnte die Kammer ab. Der 45-Jährige bleibt also bis auf weiteres auf freiem Fuß. Irgendwann wird er – sollte die Entscheidung der Strafkammer rechtskräftig werden – einen Brief von der Justiz bekommen, in dem er zum Haftantritt gebeten wird.

Ursprünglich war der ehemalige Unternehmer wegen vier vollendeten und einer versuchten Vergewaltigung – Tatort war stets Emmerthal – angeklagt worden. Drei Verfahren mussten im Laufe der Verhandlung eingestellt werden, denn diese Verbrechen ließen sich nicht beweisen.

Dieter H., der seinerzeit mit zwei Frauen in einer sexuellen Dreierbeziehung lebte, wurde wegen zwei Vergewaltigungen und einer Körperverletzung verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Täter, seine jüngere Freundin A. (heute 26 Jahre alt) am ersten Weihnachtsfeiertag 2001 vergewaltigt und seine ältere Lebensgefährtin B. (heute 41 Jahre alt), die Augenzeugin der Tat wurde, geschlagen hat. Dass Dieter H. das Opfer B. am 21. Mai 2001 verletzt, in einen Zwinger gesperrt und anschließend vergewaltigt hat, steht für die Kammer ebenfalls fest.

Unklar ist, warum sich Dieter H. für die in Hannover angeklagten schweren Sexualstraftaten nicht schon vor fünf Jahren vor einem Gericht in Sachsen-Anhalt verantworten musste, denn: Am 22. September 2004 war er vom Schöffengericht Stendal „wegen Vergewaltigung und Nötigung“ seiner Ex-Lebensgefährtin B. zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Sonderbar: Das Verbrechen, für das er seinerzeit hinter Gitter musste, hatte sich am 9. Oktober 2003, also bereits viele Monate nach den jetzt abgeurteilten Taten, ereignet.



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