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Trecker-Freunde von der Ostsee machen auf ihrer Deutschlandfahrt Station in Aerzen

Oldtimer gemächlich auf 1000-Kilometer-Tour

Aerzen (sbr). Die Luft roch schwer nach Diesel, als insgesamt 13 historische Traktoren tuckernd von der Reinerbecker Straße in Richtung Ahorn abbogen. Fünf Mitglieder des Treckerclubs Reher hatten ihre besten Pferdestärken aus den Schuppen geholt, auf Hochglanz poliert und anschließend das Begrüßungskomitee für acht wirklich hartgesottene Dieselross-Piloten und einen Radfahrer aus dem Amt Dänischer Wohld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) am Ortseingang von Aerzen zu stellen. Fast zehn Stunden Dauerregen und eine Tageswegstrecke von etwa 100 Kilometern lagen hinter den Treckerfreunden von der Ostseeküste, als sie am frühen Abend völlig durchnässt in Aerzen Station machten.

veröffentlicht am 06.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:21 Uhr

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Gestartet war der historische Traktorkonvoi in Tüttendorf. Höhepunkt der ersten Etappe der Norddeutschlandtour der Reisefreunde aus dem „Agrar Oldtimer Club Dänischer Wohld“ war eine echte Seereise, wie Enno Kruse betont. „Auf Höhe Kiel haben wir den Nord-Ostsee-Kanal mit der Fähre überquert“, erklärt der Traktorpilot. Von Geesthacht ging es am zweiten Tag in die Lüneburger Heide nach Dorfmark. Als dritte Station stand Aerzen auf dem Routenplan.

Der Kontakt zum Treckerclub Reher entstand über die gebürtige Aerzenerin Beate Schatte, die mittlerweile seit vielen Jahren in Tüttendorf zu Hause ist. „An privaten Kontakten und für Treckerfreunde interessanten Zielen orientiert sich die jährlich neue Routenplanung“, erklärt Reiseleiter Hermann Hammerich. Das Durchschnittsalter der acht Treckerfahrer liegt bei 67 Jahren. Nur der Kradmelder Norbert Grahl ist deutlich jünger als die übrige Truppe – und mit seinem Drahtesel auch oft schneller unterwegs als die betagten Dieselrösser samt Piloten.

Bereits zum sechsten Mal sind die Agrar-Oldtimer-Freunde nun schon auf Tour durch Deutschland. Etwa 1000 Kilometer legen sie mit ihren tuckernden Gefährten in zehn Tagen zurück. Jede Tagestour ist zwischen 80 und 120 Kilometern lang. Angesteuert werden sollen in den nächsten Tagen unter anderem noch die Firma Claas in Harsewinkel, die Maschinen für die Landtechnik herstellt, sowie die Firma Landmaschinen Fricke in Heeslingen, bevor die Treckerpiloten am Sonntag in ihrer Heimat zurückerwartet werden.

„Der Kontakt mit den Frickes entstand zufällig bei einem Tankstopp während unserer Tour vor zwei Jahren“, erzählt Hein Fürst, der Präsident der Reisegruppe. Ihm obliegt die alleinige Gerichtsbarkeit, denn wenn keiner mehr weiß, wo es langgeht, muss schließlich einer die Richtung vorgeben, so die kurze Stellenbeschreibung des Präsidentenamtes innerhalb des Trecker-Konvois. Unterwegs wird den Traktorpiloten die Sympathie der anderen Verkehrsteilnehmer oft mit dem erhobenen Daumen angezeigt, wie Enno Kruse berichtet. „Meckerer gibt es wenig“, so seine Erfahrung. Chefmechaniker Horst Vostrau ist es zu verdanken, dass die betagten Schlepper der Fabrikate Hanomag, Deutz, Fendt, IHC, Bautz und Fahr, allesamt in den 1950er Jahren gebaut, bisher ohne Malheur über die Runden gekommen sind. „Wir haben zwar ein bisschen Werkzeug dabei, haben es aber bisher – toi, toi, toi – nicht gebraucht“, sagt Reinhard Pasewerk, der stets das Schlusslicht des Konvois bildet. „Quasi der Lumpensammler, falls einer zurückfällt“, beschreibt er seine Position.

Der 62 Jahre alte Hanomag von Hein Fürst ist das älteste Modell der Treckertruppe. „Der Hanomag und ein Fendt Dieselross haben 1956 die Pferde auf unserem Hof abgelöst“, erzählt der Landwirt. Auch das fürstliche Dieselross ist mit auf Tour und wird von Wolfgang Kerber gesteuert. Sein Traktor hat einen Motorschaden. „Da bastele ich nun schon zwei Jahre dran rum“, räumt er schmunzelnd ein.

Obwohl die Treckertour-Teilnehmer durch den Dauerregen bis auf die Haut nass waren, ließen sie sich ihre gute Laune nicht verderben – echte norddeutsche Kerle eben. „Man knüpft unterwegs tolle Kontakte und lernt nette Menschen kennen, so wie hier die Treckerfreunde aus Reher“, sagt Enno Fürst. Dem können sich seine Treckerkollegen Kurt Gehrts und Peter Kiunke nur anschließen. „Darauf ein dreifach Dieselross!“, begrüßt Fritz-Jürgen Tacke, Vorsitzender des Treckerclubs Reher, die neuen Freunde von der Ostsee standesgemäß im Weserbergland.



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