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Frank Lüdecke präsentiert anspruchsvolles Kabarett in Emmerthal

„Obama ist die Fortsetzung von Mielke“

Emmerthal. Die Kleine Kultur(n)halle in Emmerthal ist fast ausverkauft, das Publikum, das sich zum Teil schon lange vor dem Beginn des Auftritts des Berliner Kabarettisten Frank Lüdecke eingefunden hat, ist entspannt. Der gemütliche Rahmen trägt dazu bei, dass es ein richtig netter Abend wird – wo sonst kann man bei „Kleinkunstveranstaltungen“, die doch eigentlich die hohe Kunst des Sprach- und Politwitzes zeigen, bequem an Tischen sitzen, etwas essen, ein Glas Wein trinken und nebenbei intellektuell höchst anspruchsvollen Bonmots lauschen?

veröffentlicht am 19.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 04:41 Uhr

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Autor:

Cord Wilhelm Kiel
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Die rund 170 Gäste sind fast alle nicht mehr ganz jugendlichen Alters. Ein Beleg dafür, dass die „Kids“ eher auf brachiale Zoten der Marke Cindy aus Marzahn stehen als auf geistreiche, anspruchsvolle Komik? Es wäre schade, wenn es so wäre, allerdings setzt der 53 Jahre alte Frank Lüdecke in seinem Programm „Schnee von morgen“ auch ganz bewusst darauf, dass seine Zuschauer noch Zeiten kennen, in denen es Telegramme statt E-Mails, Stammtische statt Internetforen und Freundschaften anstelle von Facebook-Bekanntschaften gab.

Lüdecke bezeichnet sich selbst als „Querdenker des politischen Kabaretts“. Nach Abitur und Studium wurde er direkt professioneller Kabarettist. Der finanzielle Erfolg dieser Unternehmung war so groß, dass er spontan beschloss, auch andere Berufsfelder (Sprachenlehrer, Fabrikarbeiter, Ausfahrer) kennenzulernen. Außerdem war er „nebenbei“ beim Berliner Tagesspiegel als Fernsehkritiker aktiv. „Ich zeichnete mir das Fernsehprogramm während meiner Auftritte auf VHS auf, schrieb dann nachts meine Kritiken und telefonierte diese dann frühmorgens an die Redaktion durch“, sagt er schmunzelnd. Einer größeren Öffentlichkeit wurde er durch seine Zusammenarbeit mit Dieter Hallervorden bekannt, dessen bevorzugter Autor er heute noch ist. Auszeichnungen wie der Deutsche Kleinkunstpreis schmücken seine Biografie.

Das Eis beim zu Beginn noch zurückhaltenden Publikum ist schnell gebrochen. Emmerthal liege „in einer Gegend, in deren weiterer Umgebung mein Lieblingsverein Herta BSC zuletzt dreimal verloren hat – in Bielefeld, Paderborn und Hannover“, bedauert der Tennis- und Fußballfan. Dann aber geht es in die Politik und die Gesellschaftskritik. Themen sind – natürlich – der Berliner Flughafen, aber auch der Abhörskandal („Barack Obama ist die Fortsetzung von Erich Mielke mit technischen Mitteln“), Plagiate („Gutenberg hat den Buchdruck erfunden, zu Guttenberg den Nachdruck“) und vor allem Bildung. Hier wird die Rasanz des Informationszeitalters nachdenklich betrachtet – was wir heute lernen, sei, wie der Programmtitel es sagt, Schnee von morgen und gestern schon falsch. Und die Überalterung der Gesellschaft sei schließlich auch der Bildung geschuldet: „Je klüger die Frauen, desto leerer die Spielplätze.“ Der „Handelsvertreter in Sachen Humor“ dreht zum Ende richtig auf und begeistert mit Rockklassikern von AC/DC oder Billy Joel, die er auf Akustikgitarre mit umgedichteten Texten schmettert. Der sympathische Lüdecke darf auf seiner endlosen Tournee gern wieder nach Emmerthal kommen, das sagen ihm etliche Besucher nach dem Auftritt noch im persönlichen Gespräch. Also hoffen wir auf „Schnee von übermorgen“ – vielleicht 2016?

Als „Querdenker des politischen Kabaretts“ sieht sich Frank Lüdecke – sein Programm kommt bei seinen Gästen an. cowi



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