weather-image
10°

Zwischen Fiktion und Zufällen – der neue Wesemann-Krimi führt nach Aerzen / Eine Spurensuche

Nur fast wie im richtigen Leben

Aerzen. Dieser Weserbergland-Krimi (Titel „Gewissenlose Gier“) führt auch nach Aerzen. „Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen und Ereignissen sind rein zufällig“, schickt Günter von Lonski seinem Krimi voraus. Wirklich alles Fiktion? Bei einigen Krimifiguren lassen sich Rückschlüsse auf reale Aerzener ziehen.

veröffentlicht am 30.12.2015 um 15:09 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

270_008_7814937_lkae101_sbr_3012.jpg

Autor:

Sabine Brakhan
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Gewissenlos ist Günter von Lonskis Gier nach immer neuen Hintergrundinformationen sicher nicht. Vielmehr kann der Autor von insgesamt fünf Weserbergland-Krimis, in denen er den Lokalradio-Journalisten Hubert Wesemann auf Tätersuche rund um Hameln schickt, als wissbegierig bezeichnet werden. In seinem neuesten Krimi aus dem CW Niemeyer Buchverlag schickt er den Mann vom Sender und seine Leserschaft unter anderem erstmals auch in die Gemeinde Aerzen: eine Wolfssichtung oberhalb des Ortes, der Stammtisch in der „Waldquelle“, wo die „Niedersächsische Kartoffelsuppe“ besonders lecker schmeckt, das Stehcafé an der Aerzener Osterstraße, aus dem es der starke heiße Kaffee und zwei wohlschmeckende belegte Brötchenhälften auf eine von insgesamt 275 Buchseiten geschafft haben, Hilkenbreden und seine angebliche RAF-Vergangenheit und ein blondes Gänseliesel aus Wördeholz.

„Auch Wesemanns 5. Fall spielt wieder an allseits bekannten Orten des Weserberglands, doch bleiben die Geschehnisse reine Fiktion. Sämtliche Handlungen und Charaktere sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen und Ereignissen sind rein zufällig“, schickt Günter von Lonski seinem Krimi voraus.

Rein zufällig, so, so! Der Blick in die Speisekarte des Landgasthauses „Waldquelle“ verrät: Für 4,90 Euro servieren Heinrich Garvens und seine Frau Beatrix den deftigen Eintopf mit Kartoffeln, Gemüse, Fleisch und Rotwurst. „Allerdings nicht dienstags, dann haben wir Ruhetag“, fällt Beatrix Garvens sofort die kleine Unstimmigkeit zwischen Kriminalroman und Wirklichkeit auf. Zugegeben, ein Stehcafé mit Namen Anger sucht man in Aerzen auch vergebens, aber sowohl Einheimische als auch Durchreisende wissen, dass es in der Bäckerei Brauer die im Krimi beschriebenen Brötchen samt dampfendem Kaffee im Stehen gibt. Renate Brauer allerdings ist nicht in einer Bäckerei groß geworden, so wie die Romanfigur hinter der Kuchentheke, verrät sie. Irgendwo muss die Fiktion schließlich anfangen.

2 Bilder
Renate Brauer in ihrem Stehcafé.

Woher der Autor die Informationen zu Hilkenbreden und der RAF hat, lässt sich auch ganz leicht nachvollziehen. Regelmäßig werden die kleinen Orte der Gemeinde Aerzen und ihrer Bewohner und Geschichten im „Blickpunkt“ vorgestellt – und diese Dewezet-Beilage muss dem Autor in die Finger gefallen sein. „Ich habe das Stichwort RAF in die Internet-Suchmaschine eingegeben und bin dadurch auf den Text gestoßen“, erklärt der in der Nähe von Hannover beheimatete Autor.

Als Terroristen

in Hilkenbreden für Unruhe sorgten

Doch die gedruckten Informationen reichten dem 72-Jährigen nicht – und so nahm er Kontakt zu einem waschechten Grupenhäger auf: Karl Pape. Der kann sich noch genau an den sogenannten „Deutschen Herbst“ erinnern, als in den 1970er Jahre die Terroristen im beschaulichen Weserbergland Unterschlupf suchten und offenbar auch fanden. Pape kann von einer merkwürdigen Begegnung mit einer Frau berichten, die ganz offensichtlich anders als der Krimiautor, der selbstverständlich auch vor Ort in Hilkenbreden recherchierte, den schmalen Seitenweg, der bei den beiden Landbriefkästen hinter Grupenhagen-Bruch von der Landstraße abzweigt, nicht finden konnte. „Sie war mit ihrer Straßenkarte zugange, und als sie nach geraumer Zeit immer noch nicht weitergefahren war und ich meine Arbeit auf dem Feld beendet hatte, fragte ich nach, ob ich helfen kann“, erzählt Pape.

Allerdings bekam er eine ziemlich ruppige Abfuhr auf sein nett gemeintes Hilfsangebot. „Dass sie mir nicht noch eine Knarre entgegenhielt, war alles“, berichtet Pape von der merkwürdigen Begegnung, die er damals auch der Polizei meldete. Und er ist sich sicher: „Die wollte bestimmt nach Hilkenbreden!“

Für von Lonski stand nach dem Gespräch mit Pape fest: Das ist sie: Laurena von Kuttler alias Rosvita Zettl – die Hauptschurkin in seinem neuesten Krimi. Manchmal werden die Charaktere von Romanfiguren durch zufällige Begegnungen geboren, berichtet der Autor mit der auffälligen Kopfbedeckung. Während das Aerzener Stehcafé im Kriminalroman den Namen Anger bekam, heißt die Gänseliesel von Wördeholz auch im echten Leben mit Nachnamen Wache und ihr Haus hat, wie im Buch beschrieben, eine auffallend quittegelbe Fassade.

Allerdings ist Florentine nur ihr Spitzname, den der Autor im Krimi übernahm. Von ihren Eltern bekam sie den Vornamen Bärbel. Und die Wördehölzerin ist ein bekennender Von-Lonski-Krimi-Fan, wie sie offen bekennt. Sie steht mit ihm in regelmäßigem Kontakt, versorgt den Autor mit aktuellen Hintergrundinformationen aus der Region.

Und zum Dank für ihre tatkräftige Unterstützung wurde ihr sogar ein Kapitel im jüngsten Weserbergland-Krimi gewidmet, wie Bärbel Wache weiter berichtet. Und siehe da: Nicht nur der Radiojournalist Wesemann verfügt über ein ausgedehntes Informations-Netzwerk…

Gewissenlose Gier, v. Günter von Lonski, ISBN 978-3-8271-9436-7, 280 Seiten, Paperback, 9,95 Euro, CW Niemeyer Buchverlage GmbH

Bärbel „Florentine“ Wache und ihre Gänse gibt es nicht nur im Roman, sondern tatsächlich in Wördeholz. sbr



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt