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Doch das soll sich in Zukunft ändern

Noch spricht der Imam kein Deutsch

Hessisch Oldendorf (ah). „Allahu akbar!“ ruft der Imam zum Gebet, den Blick Richtung Mekka gewandt. Aber nicht in einem fernen Land, sondern beim ersten Tag der offenen Moschee in Hessisch Oldendorf bei der „YESIL CAMI“ (grünen Moschee). „Hören das denn die Leute?“, fragt einer der zahlreichen Besucher, die ohne Schuhe im bilderlosen Gebetsraum sitzen. „Nein, die wissen das, die Gebetszeit richtet sich nach dem Stand der Sonne“, erklärt Ayse Demirkaya. Auf Wunsch betet der Imam, religiöser Leiter der Türkisch Islamischen Gemeinde, vor, die Gäste lassen das ungewohnte Ritual auf sich wirken.

veröffentlicht am 05.10.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 05:21 Uhr

Beim Gebet richtet der Imam den Blick in Richtung Mekka. Fotos: ah
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„Wir möchten Vorurteile gegenüber dem Islam abbauen und Menschen die Möglichkeit bieten, unsere Gemeinde kennenzulernen“, sagt Mesut Özdemir vom Vorstand. Viele nehmen diese Chance wahr, unterhalten sich, kosten Hirsesalat oder Börek, gefüllte Hefeteile, und sind begeistert. „Interesse und Akzeptanz des anderen Glaubens führen mich hierher, ich komme nicht aus Neugierde“, betont Ingrid Klipsch aus Fischbeck.

Seit diesem Jahr hat die Gemeinde am Güterbahnhof 2 vier Dialogbeauftragte, die im Rahmen eines Projektes des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und der DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) in Hannover ausgebildet wurden. Eine von ihnen ist Ayse Demirkaya, die in dritter Generation in der Kernstadt lebt; am Tag der offenen Tür führt sie Gäste durch die Moschee. An ihrer Seite ist Asim Karakelle, der Imam. Vor kurzem zog er für zwei Jahre mit seiner Familie in das Gebäude der Moschee, ist jederzeit ansprechbar, leitet die Gebete und erteilt Koran-Unterricht. Das Problem: Der Imam spricht noch kein Deutsch, ist auf einen Übersetzer angewiesen. Aber er ist offen, möchte den Dialog mit Leitern anderer Glaubensgemeinschaften aufnehmen, sie auch besuchen – so wie schon sein Vorgänger. „Der Dialog kommt viel zu spät“, kritisiert ein Besucher. „Mag sein, dennoch passiert etwas, es gibt jetzt Schüler und Studenten die von der DITIB für ein Studium nach Istanbul geschickt werden, damit sie später als deutschsprachiger Imam zurückkehren“, erklärt Ayse Demirkaya.

„Wie wird man Moslem? Gibt es eine Art Konfirmation? Warum beten Männer und Frauen getrennt? Dürfen Türkinnen Christen heiraten?“, lauten Fragen der Gäste. Geduldig geht die Dialogbeauftragte darauf ein: „Als Moslem wird man geboren“, eine feierliche Zeremonie gebe es nicht, aber irgendwann müsse der Glaube an Allah und den Propheten Mohammed bezeugt werden. Die Trennung von Frauen und Männern erfolge, damit sie nicht abgelenkt werden, sich nur auf das Gebet konzentrieren. „So lange ist das doch bei uns auch noch nicht her“, flüstert jemand. Fünfmal am Tag wird gebetet, zuvor unterziehen sich Frauen wie Männer dem genauestens festgelegten Ritual der Waschung. Zum Gebet ziehen sich Frauen einen Rock an und ein Tuch über den Kopf. Auf dem Gebetsteppich eingezeichnete Linien geben vor, wo sich alle niederlassen. Alleine ganz hinten beten, das geht nicht – die Reihen müssen von vorne gefüllt werden, Schulter an Schulter, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. „Gute Idee“, raunt eine Frau. Die Betenden stehen, knien, verbeugen sich, wer körperlich nicht anders kann, setzt sich; alle richten sich nach dem, was der Imam macht.

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Die Besucher erfahren, dass eine Deutsche zum Islam übertreten muss, wenn sie einen Moslem heiraten möchte; die Ehe eines türkischen Mädchens mit einem Christen wäre somit eine „Sünde mit Wissen und Wollen“. Dafür sei es heute nicht mehr die Mehrheit der Mädchen, die verheiratet werden; „das könnte man mit den modernen Migranten nicht mehr machen“, so Demirkaya.

„Die Moschee bedeutet uns sehr viel – als Raum für unsere Gebete, für Trauerfeiern, aber auch für die Begegnung“, sagt Hussein Taner, der seit 1965 in der Stadt lebt. „Wir würden aktiver sein, wenn wir mehr Platz hätten“, sagt Ersoy Kiran, Vorsteher der Gemeinde und wie sein Bruder Erhan sowie Meltem Terzioglu Dialogbeauftragter. Von den Vereinsbeiträgen allein kann die Gemeinde, die der DITIB in Köln angehört und 90 Familienmitgliedschaften zählt, noch keinen Anbau durchführen.

Viele haben am Tag der offenen Moschee bei Hackfleischhirseröllchen oder Börek die Gelegenheit wahrgenommen, einander kennenzulernen.



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