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Badminton-Felder für Schul- und Vereinssport haben „geringe Priorität“ für den Landkreis

Neuer Ärger über die Kreissporthalle

AERZEN. Außen teilweise wieder hui, aber innen... – Die Außenfassade des Erdgeschosses der Aerzener Kreissporthalle wurde vor wenigen Tagen durch eine Fachfirma geputzt, aber im Inneren reißt der Ärger sowohl für den Schul- als auch für den Vereinssport nicht ab.

veröffentlicht am 06.08.2017 um 18:41 Uhr

Das Bewegungsangebot auf dem Schulhof der Aerzener Schule im Hummetal kommt bei den Schülern gut an. Foto: sBR
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Weil die Heizung im vergangenen Jahr über einen längeren Zeitraum defekt war, mussten die MTSV-Sparten Mutter-Kind-Sport und Tischtennis über Monate hinweg pausieren. Der Flecken Aerzen als Schulträger verlegte den Schulsport der Aerzener Grundschule aus der ungeheizten Kreissporthalle in seine eigene Hummetal-Sporthalle, woraufhin den Schülern der Schule im Hummetal, die sich in der Trägerschaft des Kreises befindet, fortan lediglich die Kreissporthalle mitsamt der defekten Heizungsanlage für den Schulsport zur Verfügung stand. Die Beheizung der Sporthalle erfolge über Deckenstrahlgebläse, die nicht steuerbar seien, erklärte Landkreissprecherin Sandra Lummitsch auf Nachfrage noch im Sommer letzten Jahres. Aus der Tischtennis-Sparte kommen Hinweise über nicht kalkulierbare Luftströme, die den Sport mit dem leichten Ping-Pong-Ball erschweren.

Die jüngste Kritik aber kommt von der Schule im Hummetal. Anlässlich der diesjährigen Abschlussfeier kritisierte Schulleiter Rainer Schicker öffentlich, dass es wahrscheinlich einfacher sei, „eine Raumstation mit TÜV-Abnahme zu bauen, als Linien für Badminton-Felder auf dem Hallenboden und Wandanker für die entsprechenden Netze in den Wänden der Kreissporthalle zu installieren“. Hintergrund der geäußerten Kritik: Die Aerzener Schule im Hummetal möchte Badminton im Rahmen des Schulsports betreiben. Momentan sind dafür aber nicht genug Spielfelder durch farbige Linien auf dem Hallenboden der Kreissporthalle gekennzeichnet. Auch an der ausreichenden Zahl von Netzen fehlt es. Der MTSV möchte ebenfalls die Trainingsmöglichkeiten seiner Badminton-Sparte ausweiten und zusätzlich im Rahmen des Nachmittagsunterrichts Badminton in die Kooperation des Sportvereins mit der Schule im Hummetal aufnehmen.

Aus diesem Grund haben sich sowohl die MTSV-Vorsitzende Angelika Dreier als auch Schulleiter Schicker an den Landkreis gewandt. Dreier musste sich jedoch erst an Landrat Tjark Bartels persönlich wenden, ehe sie eine schriftliche Zusage bekam, dass ihr Anliegen von der zuständigen Stelle zumindest bearbeitet werde. Zuvor sei sie innerhalb des Kreishauses ergebnislos von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter verwiesen worden, wie sie berichtet.

Die Antwort, die Schicker auf seine Beantragung auf Installation von Linien und Netzen bekam, mache ihn sprachlos und ärgerlich, sagt er. Dass die Möglichkeit, die Halle für Badmintonsport zu nutzen, für die Schule nicht zuletzt auch im Ganztag einen Mehrwert darstellt, steht für den Landkreis zwar außer Frage, aber: „Angesichts des Erfordernisses, an mehreren Liegenschaften dringend brandschutzbedingte Investitionen durchführen zu müssen, für die vorhandene Finanzmittel und vorhandenes Fachpersonal für deren Umsetzung bereits nicht ausreichen, wird für dieses Vorhaben jedoch eine sehr geringe Priorität gesehen“, heißt es aus dem Kreishaus.

Insbesondere wird nach Rücksprache mit dem Hochbauamt die vorgesehene Befestigung der Netze problematisch gesehen. „In der Stabilität der Wandverankerung beziehungsweise in dem zu spannenden Stahlseil sehen wir ein deutliches Gefahrenpotenzial“, geht aus dem Schreiben weiter hervor. Ein Statiker solle zunächst die notwendige Befestigung und Machart der Verankerung ermitteln. Für die Nutzung in einer Sporthalle müsse für die Netz-Konstruktion eine Typenprüfung erfolgen und eine Zulassung durch ein zugelassenes Prüflabor, beispielsweise TÜV oder DEKRA, vorliegen. Da es sich um eine individuelle Lösung handele, müsste dazu kostenaufwendig eine Einzelzulassung beauftragt werden, lautet es in dem Antwortschreiben aus dem Kreishaus weiter. Und für die Beurteilung der Positionierung der Spielfeldmarkierungen müsse eine Planung der Felder vorgelegt werden, die auch die erforderlichen Sicherheitsbereiche neben und hinter den Feldern berücksichtige. Angesichts der aufgelisteten Problematik, die die zu erwartenden Gesamtkosten deutlich über den Kostenrahmen des Kostenvoranschlages steigen lassen, sieht der Landkreis keine Möglichkeit, das Projekt zeitnah umzusetzen.

Schicker kann die Antwort aus dem Rathaus nicht nachvollziehen und spricht offen von fehlender Unterstützung für den Schulstandort Aerzen durch den Landkreis, denn in der Sporthalle des KGS Bad Münder werde mit derselben Konstruktion Badminton-Schulsport betrieben. Sportangebote in Kooperation mit dem MTSV seien ein wichtiger Bestandteil der neuen Ausrichtung der Aerzener Oberschule zur Bewegten Schule. „Damit sich eine Schule überhaupt bewegt, muss sich zuvor in den Köpfen aller Beteiligten etwas bewegen“, sagt Schicker.

Dass trotz der momentanen Rückschläge einiges in positiver Bewegung ist an der Schule im Hummetal, die nach den Ferien als reine Oberschule in das kommende Schuljahr startet, kann der Schulleiter anhand von Fakten darlegen. Die Schülerzahlen steigen und Anmeldungen erreichen die Schule nicht nur vermehrt aus Groß Berkel, sondern ebenso aus Klein Berkel und Amelgatzen. Auch junge Lehrkräfte bewerben sich vermehrt auf Stellenanzeigen. Dank der Kooperation mit der Albert-Schweitzer-Schule in Hameln funktioniert auch die Inklusion an der Aerzener Oberschule, und der laufende Prozess der Umgestaltung des Schulhofes in Hinblick auf altersgerechte Bewegungsanreize wird permanent fortgeführt.

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