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Bestand am Bückeberg deutlich reduziert / Vorwürfe gegen Landkreis

Naturschützer in Sorge um Orchideen

EMMERTHAL. Der Standort im Wald zwischen Hagenohsen und Latferde faszinierte die Orchideenfreunde, unter ihnen Klaus Cebulla aus Hameln. Das Männliche Knabenkraut, die Orchidee des Jahres 2009, fand auf dem Bückeberg ideale Bedingungen „Gut 2000 Exemplare“, sagt Cebulla. Doch: Er sieht den Standort in Gefahr.

veröffentlicht am 31.05.2016 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 13:04 Uhr

Orchidee Schäden

Autor:

von Christian Branahl
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Dieser Standort im Wald zwischen Hagenohsen und Latferde faszinierte die Orchideenfreunde, unter ihnen Klaus Cebulla aus Hameln. Ausgerechnet das Männliche Knabenkraut, die Orchidee des Jahres 2009, fand auf dem Bückeberg ideale Bedingungen „Gut 2000 Exemplare“, sagt Cebulla vom Arbeitskreis heimische Orchideen, auch andere seltene Pflanzen würden dort wachsen. „Das ist schon etwas sehr Besonderes.“ Doch: 2012 seien große Bestände bei Forstarbeiten zerstört worden. Dem Landkreis als Untere Naturschutzbehörde werfen die Liebhaber der stattlichen Pflanzen Versäumnisse vor und bis heute zu wenig für den Schutz des Biotops zu veranlassen. Die Vorwürfe weist die Behörde aber zurück.
Neben dem Basberg gilt der Bückeberg als weiterer wichtiger Standort in der Region für die unter Naturschutz stehenden Pflanzen. Seit über 20 Jahren beobachtet Cebulla die Bestände, gibt Daten weiter an den Arbeitskreis heimischer Orchideen. Dabei handelt es sich um eine deutschlandweite Verbindung regional tätiger Vereine, deren Mitglieder es sich zur Aufgabe gemacht haben, in Deutschland wild vorkommende Orchideen zu erforschen und zu erhalten. In dem privat bewirtschaften Wald zwischen Hagenohsen und Latferde habe er 2012 festgestellt, dass beispielsweise der Weg verbreitert und etliche Pflanzen bei Forstarbeiten zerstört worden seien, berichtet Cebulla. Das habe er den zuständigen Behörden gemeldet, die aber die Ausmaße nicht so einschätzten. Es sei davon auszugehen, dass sich der Standort am Bückeberg in einigen Jahren regeneriert haben werde, hieß es aus dem Kreishaus.
Jetzt schaltete sich verstärkt Hans-Jürgen Hübner aus Gütersloh ein, der als gebürtiger Hamelner noch enge Verbindungen ins Weserbergland pflegt. Ausführlich schildert der Geobotaniker (Hübner: „Nur wir Unentwegten sind Zeugen der Zerstörung“) in Mails an das Naturschutzamt seine Sicht der Dinge, spricht von „Sorglosigkeit“ der zuständigen Mitarbeiterin. Der Bückeberg sei ein exemplarisches Beispiel für viele vergleichbare Vergehen und Frevel im Wald. Er stelle die Glaubhaftigkeit des amtlichen Naturschutzes infrage, kritisiert Hübner. Die Schäden aus dem Jahr 2012 seien „bis heute nicht kompensiert“.
Der Bestand von Orchis mascula, so der fachliche Name, sei seitdem um 75 Prozent durch Wegebau, Bodenbearbeitung und forstwirtschaftlichen Eingriffe reduziert worden. Da sei „dringend Widerspruch erforderlich“, meint Hübner, zumal es kein vergleichbares Vorkommen in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden gebe.
Die untere Naturschutzbehörde und die untere Waldbehörde des Landkreises sowie das Beratungsforstamt Oldendorf teilen die Auffassung „zur erheblichen Schädigung des Standortes von Orchis mascula nicht“, heißt es auf Nachfrage. Kreissprecherin Sandra Lummitsch verweist auf eine Ortsbesichtigung am 17. Mai. Sie „lässt den Schluss zu, dass eine erhebliche Beeinträchtigung des Orchideenbestandes am Bückeberg bei Hagenohsen nicht vorliegt“. Vielmehr wurden dort 700 blühende Exemplare von Orchis mascula und noch mal mindestens ebenso viele nicht blühende Exemplare gezählt, wie es aus dem Kreishaus heißt.
Der Waldbesitzer sei bei einem weiteren Ortstermin Anfang Mai nochmals auf den besonderen Pflanzenbestand und den damit verbundenen Biotopschutz hingewiesen, auch der Forstunternehmer darüber informiert worden. „Die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung des Waldbestandes ist weiterhin möglich unter der Maßgabe, dass keine erheblichen Beeinträchtigungen des Biotopes hervorgerufen werden“, lautet die offizielle Stellungnahme des Kreishauses. „Sowohl Waldbesitzer als auch Forstunternehmer versicherten ihr Interesse, auch künftige Durchforstungen nur bei trockener Witterung möglichst schonend für Boden und Bestand durchzuführen.“
Mit der Antwort gibt sich Kritiker Hübner nicht zufrieden. Einst seien zeitweise 2500 Exemplare Orchis mascula dokumentiert worden. Die Zählung, auf die der Landkreis verweise, komme aktuell auf nur etwa 1400 Pflanzen. Das zeige ja, meint Hübner, dass der Lebensraum der seltenen Orchidee stark eingeschränkt worden sei.

Orchidee
  • Botanische Besonderheit: Bis zu 2500 Orchideen blühen zwischen Hagenohsen und Latferde. Foto: pr

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