weather-image
24°
Umstrittene Verkehrsregelung in Amelgatzen: Einwohner machen ihrem Ärger Luft – gibt es eine Lösung?

Nadelöhr versetzt die Region in Aufruhr

EMMERTHAL. Eine emotionale Debatte erlebten die Gäste in Amelgatzen im vollbesetzten Saal. Es ging um die umstrittene Verkehrsregelung als Folge der Großbaustelle. In der dreistündigen Sitzung war es das vorherrschende Thema. Einwohner meldeten sich immer wieder zu Wort - eine schwierige Suche nach einem Kompromiss.

veröffentlicht am 08.02.2018 um 15:50 Uhr

270_0900_80752_lkae102_Amelgatzen_Dana_1801.jpg
Christian Branahl

Autor

Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Nachricht von Landrat Tjark Bartels erreicht Bürgermeister Andreas Grossmann als Mail über sein Smartphone – inmitten der aufgebrachten Einwohner im vollbesetzten Saal des Gasthauses in Amelgatzen. Es geht an diesem Abend um die Umleitungen als Folge der Brückensperrung, seit Wochen das meistdiskutierte Thema in Emmerthal, teilweise in Aerzen. Genervte Anwohner, die über den Verkehr in ihren Straßen klagen, genervte Pendler, die sich über Umwege beschweren, eine Dorfgemeinschaft, die sich im Alltagsleben durch das Nadelöhr in Amelgatzen beeinträchtigt sieht. Der Bürgermeister verliest das Angebot von Landrat Bartels, der sich per Mailbotschaft von außen in die Debatte einschaltet. Und der Vorschlag geht im Gelächter unter, selbst die Ortsratsmitglieder bezweifeln den Sinn der Botschaft aus dem Kreishaus als zuständige Behörde. Danach soll in den drei Gemeindestraßen das Durchfahrtsverbot aufgehoben, das mit Ausnahme der Anliegerregelung gilt; erlaubt sind lediglich Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen. Gleichzeitig verspricht der Landrat eine „massive Kampagne“, um Pendler davon zu überzeugen, freiwillig auf die Umleitungsstrecken auszuweichen. Die Zuhörer hingegen reagieren mit massiver Kritik. Allerdings: Immer mehr setzt sich später die Einsicht durch, dass an dieser Regelung kein Weg vorbeiführt.

Dicht gedrängt verfolgten die Einwohner im Gasthaus „Zum schweren Dragoner“ die Sitzung des Ortsrates. Fast drei Stunden lang tagte er, wobei die Verkehrssituation den meisten Raum einnahm. „Ich weiß, dass das Thema allen auf der Seele brennt“, meinte Ortsbürgermeister Helmut Brinkmann (SPD), der bekannte, selbst einige schlaflose Nächte gehabt zu haben. Zusammen mit Bürgermeister Grossmann hatte er bekanntlich immer wieder vergeblich versucht, im Gespräch mit den beteiligten Behörden verträgliche Lösungen zu erreichen. Stattdessen entwickelte sich ein Aufruhr in der Region: Die betroffenen Verwaltungen erlebten einen Ansturm von Anrufern, im Internet wuchs die Unterstützung für zwei Online-Petitionen, besonders bei den Einwohnern der Ortschaft mit Amelgatzen, Welsede, Hanebülten und Hämelschenburg sowie aus dem angrenzenden Aerzener Dorf Gellersen entwickelte es sich zum wichtigen Gesprächsthema. Aber eine Patentlösung?

Das Problem mit der Freiwilligkeit, wie es immer wieder am Mittwoch hieß. Selbst für die Fahrt zur Sitzung in Amelgatzen dürften viele Gäste die Verbotsschilder ignoriert haben. Und der Ortsbürgermeister hatte in seinem Heimatdorf Welsede selbst Briefe verteilt und für die Umleitung geworben. Mit mäßigem Erfolg, wie er einräumte. Brinkmann zitierte den Pastor, der von Bad Pyrmont zum Gottesdienst nach Hämelschenburg fährt, als Nutzer der gesperrten Straßen mit den Worten: „Ich bekenne, eine Ordnungswidrigkeit begangen zu haben.“ Der Pastor klagt, dass sich die Zahl der Kirchenbesucher halbiert habe. Von Problemen berichtet auch die Leiterin der Großtagespflege in Hanebülten.

270_0900_80753_lkae101_cb_0902.jpg

Wenn es sich nur um die Einwohner der Ortschaft handele, hätten sie kein Problem damit, meinen Bewohner der drei gesperrten Straßen. Lkw aus Hamburg, rücksichtslose Autofahrer, Sorge um die Schulkinder – dies schilderte eine Frau aus dem Koppelweg. Der frühere Ortsbürgermeister Klaus Hinke aus dem Birkenweg berichtete von einem 40-Tonner, vor allem bei den Pkw komme es immer zu hohen Geschwindigkeiten. „Es müsste so viele Kontrollen geben, damit es sich für die Autofahrer nicht mehr lohnt“, sagte er. Nur: Die Polizei sei ja kaum vor Ort. Dem Vorschlag des Landrates erteilte Thomas O. Mahrenholtz als Initiator einer Petition eine Absage. „Sie geht auf eine Lösung zurück, die vorher schon nicht funktioniert hat“, meinte er. Und die derzeit geltende Regelung? Rechtswidrig sei sie, meinte Oliver W. Engel. Der Rechtsanwalt aus Welsede hat deshalb ein Verfahren beim Verwaltungsgericht Hannover angestrengt.

Die Politiker des Ortsrates suchten nun mit eigenen Anträgen nach Lösungen, die sie bis kurz vor Schluss der Sitzung verteidigten. CDU und FWE warben für eine Vignette, die Autofahrer aus den betroffenen Dörfern zur Durchfahrt berechtigt. Die SPD will zeitlich begrenzte Ausnahmegenehmigungen für eine Anlieger-Zone, die sich bis Welsede erstreckt.

Doch dann schwenkte der Ortsrat plötzlich um, nachdem einige Redner wie Bürgermeister Grossmann und Markus Brockmann von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr noch einmal eindringliche Appelle an die Politiker gerichtet hatten. Ihre Anträge sollten zwar geprüft werden, aber zunächst solle dem Vorschlag des Landkreises gefolgt werden, lautet der einstimmige Beschluss – jedoch unter Vorbehalt. Ob versetzte Ampeln, Fahrbahnschwellen oder andere Möglichkeiten: Es müsste alles dafür getan werden, dass die Strecke durch Amelgatzen für Autofahrer unattraktiv sei und sie lieber die Umleitungen nutzten. Dazu gehörten auch verstärkte Polizeikontrollen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare