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Drei Generationen haben das Blumenhaus Marre in Aerzen geführt, heute öffnet es zum letzten Mal

Nach mehr als 90 Jahren schließt ein Traditionsgeschäft

Aerzen. In der Sprache der Blumen wäre ein weißes Alpenveilchen dem Anlass angemessen: Es drückt Abschied aus. Und Abschiednehmen müssen die Aerzener an diesem Wochenende von einem ihrer letzten Traditionsgeschäfte. Das Blumenhaus Marre schließt nach mehr als neun Jahrzehnten.

veröffentlicht am 13.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Nach der Schließung soll es jedoch tatkräftig weitergehen, erst einmal stehen Renovierungsmaßnahmen an. „Am 1. Mai übergeben wir unser Blumenhaus in die kreativen Hände der Floristin Wibke Deichmann aus Posteholz“, sagt Floristmeister Rainer Marre, der den Betrieb in dritter Generation führt. Dann will sich der 66-Jährige gemeinsam mit seiner Frau Ina einen langgehegten Wunsch erfüllen und einmal zur Obstbaumblüte ins Alte Land reisen. „Dazu hatten wir bisher nie die Zeit.“

Betriebsgründer war Rainer Marres Großvater Friedrich Möller, der Sohn des damaligen Bahnhofsgastwirtes. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss er seine Ausbildung zum Gärtnermeister ab und eröffnete auf dem Grundstück neben seinem Elternhaus am Aerzener Bahnhof eine Gärtnerei mit Samenfachhandel und Baumschule. 1928 wurden die Gewächshäuser gebaut, 1936 die benachbarte Gärtnerei Rolf am Wiesenweg übernommen. Der Zweite Weltkrieg verschlug den Soldaten Herbert Marre nach Aerzen. Hier lernte der Landwirt Hanna Möller kennen und lieben. Nach der Heirat und Umschulung zum Gärtnermeister übernahm Herbert Marre 1953 den Betrieb der Schwiegereltern, die zusätzlich zur Gärtnerei ein Jahr zuvor ein Blumengeschäft mit Obst und Gemüseverkauf im Haus Elster an der Osterstraße eröffnet hatten.

In Spitzenzeiten wurden auf zwei Hektar Land Obst und Gemüse angebaut und Blumen gezogen. „Wir saßen mit zwölf Personen am Mittagstisch“, erinnert sich Rainer Marre an seine Kindheit in den 1950er Jahren. 1963 wurde der letzte Lehrling, Rolf Biesemeier, in der Gärtnerei ausgebildet. Anschließend wurde ein Großteil der Ländereien als Grasland an einen Landwirt verpachtet. 1969 vergrößerte sich das Blumengeschäft. Neue Geschäftsräume wurden an der Osterstraße 59 bei Familie Dormann angemietet. 34 Jahre lang bot die Familie hier Blumen sowie bis 1985 auch Obst und Gemüse an.

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„Dann eröffnete in der Nachbarschaft der R-Kauf, mit dessen Supermarktangebot an Obst und Gemüse wir nicht mithalten konnten“, sagt Rainer Marre. Fortan konzentrierte man sich auf das Floristikgeschäft und den Blumenhandel. Gemüsepflanzen sowie Balkonblumen wurden nach wie vor in der eigenen Gärtnerei gezogen und verkauft. „So manche Braut stand mit einem von uns gebundenen Strauß vorm Altar und viele Menschen erhielten einen letzten Gruß in Form eines Trauerkranzes aus unserem Blumenhaus“, sagt Rainer Marre. So bestand jahrzehntelang eine besondere Beziehung des Traditionsgeschäftes zu den Aerzener Bürgern, in Freud und Leid.

1985 übernahmen Rainer und Ina Marre das Blumenhaus von Mutter Hanna, die das Geschäft nach dem Tod ihres Mannes 1979 weitergeführt hatte. 1993 siedelte das Fachgeschäft ein weiteres Mal innerhalb des Ortes um. Nach dem Erwerb und Umbau des neuen Geschäftshauses in der Bahnhofstraße 12 präsentierte sich das Blumenhaus nun auf insgesamt 300 Quadratmetern. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden sich der Floristmeister und Gärtner Rainer Marre sowie seine Frau Ina nach 40 Jahren von der liebgewonnenen Stammkundschaft. Seinen grünen Daumen werde er weiterhin rund ums Haus im Einsatz haben, sagt Rainer Marre. Auch Ina Marre freut sich bereits jetzt schon auf schöne Stunden auf dem mit farbenfrohen Blumen dekorierten Balkon.

Ina und Rainer Marre haben das Blumenhaus Marre, das seit mehr als 90 Jahren in Familienbesitz ist, seit 1985 geführt. Heute öffnet das Geschäft zum letzten Mal. sbr



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