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Grohnder Weserbühne besteht zehn Jahre / Ob Bühnenbauer oder Darsteller: Vielseitigkeit ist gefragt

Nach der Spielzeit blickt sie auf das neue Stück

Grohnde. Das haben sich Uwe Langhoff und Klaus Näke als Gründungsväter der „Grohnder Weserbühne“ nicht träumen lassen, dass sie zehn Jahre nach dem ersten Treffen der Gruppe zum festen Bestandteil des Kulturlebens der Region gehören – und das zudem so erfolgreich. Gerade erst spielten sie ihr neues Stück, die Boulevardkomödie „Pension Hollywood“ von Erich Koch, vor begeistertem Publikum in der Turnhalle in Grohnde und im Emmerthaler Kulturzentrum und überzeugten dabei mit tollen Aufführungen.

veröffentlicht am 08.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 10:21 Uhr

Ein starkes Team: die Mitglieder des Ensembles. Beim Bühnenbau d

Autor:

Andrea Gerstenberger
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Dabei sind die Bedingungen, unter denen dieser Erfolg immer wieder erspielt wird, nicht die Besten. „Während andere Gruppen sich in den letzten Tagen vor einer Aufführung ganz auf die Proben konzentrieren können, heißt es bei uns dann erstmal Kulissen schleppen, zusammenbauen, tapezieren und streichen“, so Klaus Näke, dessen Theatergruppe ein Teil der Sparte Fit & Fun des Sportvereins TSV Grohnde ist.

Ganz ohne festen Probenraum, sehr improvisiert, ganz ohne Requisiten oder gar Kulissen proben die Theaterfreunde das ganze Jahr für ein neues Stück und können erst in der Woche vor der ersten Aufführung abends in der Turnhalle Grohnde überhaupt anfangen, ihr Bühnenbild zu bauen. Das will dann generalsstabsmäßig geplant sein, und auch dafür ist der Leiter der Theatertruppe, Klaus Näke, zuständig.

„Ich wollte eigentlich, nachdem ich aus der Lüneburger Heide ins Weserbergland gezogen war, gern selbst wieder Theater spielen und suchte deshalb nach Mitspielern. Von denen fanden sich dann auch damals zwölf, die sich am 11. März 1999 zum ersten Mal trafen“, erzählt er. Aus seinem persönlichen Traum wurde dann allerdings doch nicht so recht was, denn heute führt er Regie bei der Weserbühne und kommt somit selbst gar nicht zum Spielen. „Aber eines lasse ich mir nicht nehmen. Zu Beginn einer jeden Aufführung habe ich meinen Auftritt – und das ist jedes Mal eine Überraschung, in welcher Aufmachung ich, zufällig auf der Bühne stehend, das Publikum begrüße und dann launig in das Stück überleite.“ Dieses Jahr war er der letzte Gast in der Pension Laubenpieper, bevor diese zur Pension Hollywood wurde.

Alle sind vielseitig aktiv, wie hier Karina Reese.  Fotos: ag
  • Alle sind vielseitig aktiv, wie hier Karina Reese. Fotos: ag

Improvisieren – auch bei den Proben

Bevor es aber soweit war, lag wie jedes Mal ein langer Weg hinter ihm und seinen Mitstreitern. Bis zu 50 Theaterstücke liest der Elektromeister, der bei einem Hamelner Elektrogroßhandel arbeitet. Dabei hat er schon im Kopf, wer mitspielen will und was für Schauspieler er somit zur Verfügung hat, um Rollen zu besetzen. „Trotzdem läuft es meist darauf hinaus, dass ich das Stück, welches dann in Frage kommt, meinen Leuten auf den Leib umschreibe.“ Und das war ihm in diesem Jahr mit Indianern aus Lüntorf und vielen lokalbezogenen Gags besonders gut gelungen.

Den Grundstock für den verdienten Applaus legt Klaus Näke schon weit über ein Jahr vor der Premiere. Denn wenn, wie jetzt, das aktuelle Stück gerade abgespielt ist, hat der Regisseur das Nächste schon so weit vorbereitet, dass die Proben hierfür, nach einer kurzen Verschnaufpause für seine Schauspieler, in Kürze beginnen können. „Einmal die Woche donnerstags treffen wir uns, bis auf die kurze Pause nach der Aufführung, das ganze Jahr über. Meist in der Turnhalle in Grohnde. Aber gerade im Winter, wenn es auf die Aufführungen zugeht, dann müssen wir dort weichen für die Hallenfußballer aus Lüntorf. Dann geht es in die Aula der Schule, oder in diesem Jahr, wo das nicht möglich war, hat uns die Feuerwehr freundlicherweise Asyl gewährt.“ Und da sieht man ihm schon die Unzufriedenheit an, keine feste Bleibe zu haben. „Seit ein paar Jahren können wir wenigstens das alte kleine Feuerwehrhaus als Lagerraum nutzen. Davor waren wir ganz auf die freundliche Unterstützung von Ulrich Übeleisen von der Domäne Grohnde angewiesen, der uns sehr geholfen hat und bei dem wir auch heute noch größere Sachen unterstellen dürfen“, so Näke.

Beim Tatort vor der Fernsehkamera

Ihm zur Seite steht bei der Organisation dieser Dinge vor allem Margrit Engel, die beim jährlichen Kinderstück der Grohnder Weserbühne Regie führt und sich wie ihr Mann Lutz Engel, der als Spartenleiter Verantwortung trägt, sehr engagiert. „Aber mit anpacken tun alle. Es gibt keine Leute, die nur vor oder hinter den Kulissen tätig sind. Die etwa 20 Aktiven machen alles selbst. Auch die Beleuchtung und den Ton, worum ich mich dann vor und während der Aufführungen kümmere“, erklärt der Vollblut-Theaterfreund, der für dieses Hobby gern die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat.

Sein schauspielerisches Talent konnte Klaus Näke schon vor Fernsehpublikum unter Beweis stellen. Vor einigen Jahren spielte er eine kleine Rolle im Tatort „Märchenwald“ an der Seite von Maria Furtwängler und Hannes Jaenicke. „Drei Tage dauerte der Dreh beim Fernsehen, das war schon sehr interessant. Man ahnt ja gar nicht, was für ein Aufwand dort getrieben wird, bis eine Szene im Kasten ist.“ Mit dabei als Statisten waren aus der Grohnder Theatertruppe Andrea Knauer, Uwe und Andrea Langhoff sowie Lutz und Margrit Engel. Dass das Fernsehen auf sie aufmerksam wurde, verdanken sie einem Bericht der Dewezet über die gelungene Premiere ihres Stückes „Das Traum(a) Paar“ von Klaus Näke, den derjenige gelesen hat, der für das Casting des ARD-Krimis zuständig war.

Wenn sie auch nicht so traditionsreich sind wie ihre Kollegen vom „Mitsorgtheater Ohr“ und vielleicht auch nicht so professionell in Ausbildung und Ausstattung, die Qualität und der große Erfolg der „Grohnder Weserbühne“ sprechen für sich. Und der Erfolg liegt für Klaus Näke in der akribischen Vorbereitung. „Es sind die Feinheiten, die uns ganz wichtig sind. Das spüren die Leute. Eben das Herzblut, das darin steckt. Und die Mundpropaganda sorgt dann dafür, dass die Vorstellungen immer wieder ausverkauft sind.“

Daran, dass sie es auch im nächsten Jahr sein werden, wird hinter den nicht vorhandenen Kulissen schon kräftig gearbeitet. Aber erst mal steht im Sommer eine große Feier zum zehnjährigen Bestehen an.

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