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Mehrere langjährige Kommunalpolitiker aus Aerzen und Emmerthal wollen nicht mehr kandidieren

Nach den Wahlen in den politischen Ruhestand

Emmerthal/Aerzen (gm/cb). Noch haben die Parteien ihre Kandidatenlisten für die Kommunalwahlen nicht verabschiedet, dennoch: Schon jetzt steht fest, dass einige altgediente und bekannte Kommunalpolitiker am 11. September nicht mehr zur Wahl antreten. Prominentester Name aus Emmerthal ist sicherlich Wolfgang Jürgens (SPD), während in Aerzen Friedrich Beckmeier (CDU) sich in den politischen Ruhestand verabschiedet – beide prägten über Jahrzehnte die politische Arbeit in den Gemeinden.

veröffentlicht am 06.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 20:41 Uhr

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„Dreißig Jahre am Stück sind genug“, erzählt Wolfgang Jürgens aus Emmern. Seit fast sechs Legislaturperioden ist der Sozialdemokrat ununterbrochen Rats- und Ortsratsmitglied. Davon war er die letzten 15 Jahre Ortsbürgermeister des Emmerthaler Ortsrates. Dabei war die Fachkompetenz des pensionierten Postbeamten immer gefragt. „Wolfgang ist das Sprachrohr zwischen den älteren Mitbürgern im Kernbereich und unserer Verwaltung“, sagte einst der ehemalige Gemeindechef Gerd Feldmann über seinen Parteifreund. Jürgens, der in allen Fachausschüssen vertreten war und ist, hatte dabei in drei politischen Gremien über mehrere Jahre den Vorsitz.

„Ich habe eigentlich alle Aufgaben immer gerne übernommen“, erinnert sich Jürgens, der am 5. Juni seinen 75. Geburtstag feiert. Lediglich im Verwaltungsausschuss war er nie vertreten. Seine humorvolle und mitunter auch spitzbübische Art ist seit drei Jahrzehnten in der eigenen Partei, aber auch bei den anderen Fraktionen gleichermaßen beliebt.

Nicht ganz so lange wie das Emmersche Urgestein Wolfgang Jürgens ist der Latferder Landwirt und Unternehmer Hans-Jürgen Strüver in der Kommunalpolitik aktiv. Seit 25 Jahren ist Strüver, der im März 72 Jahre alt wird, Mitglied in der CDU seiner Heimatgemeinde. Seit 20 Jahren engagiert er sich im Börryer Ortsrat und mit einer Unterbrechung von fünf Jahren ist Hans-Jürgen Strüver auch seit 15 Jahren Ratsmitglied der Gemeinde Emmerthal. Dabei war seine Meinung in den verschiedensten Fachausschüssen immer gefragt. „Auch nach den Rats- und Ausschusssitzungen habe ich immer ein gutes Verhältnis zu den Leuten der anderen Fraktionen gehabt“, sagt der Landwirt aus Leidenschaft. „Wenn ich das Wort hatte, wurde darüber viel debattiert – und gelegentlich habe ich mich auch schon mal für bestimmte Äußerungen im Nachhinein entschuldigen müssen“, schmunzelt Strüver.

„Ich habe eigentlich alle Aufgaben immer gerne übernommen“: Wolfgang Jürgens (SPD) vor dem Emmerthaler Rathaus. Foto: gm

Ein weiteres Urgestein der Emmerthaler CDU, Helene Steinmann aus Emmern, verabschiedet sich ebenfalls im September aus der kommunalen Politik. Fast drei Legislaturperioden war die 81-jährige Unternehmerwitwe, die 1976 in die CDU eingetreten ist, für die Emmerthaler Union im Ortsrat aktiv und konnte dabei zahlreiche politische Akzente für ihren heimatlichen Bereich setzen.

Ebenso in Emmern beheimatet ist Ernst Nitschke sen., der seine politische Heimat seit der Gebietsreform vom 1. Januar 1973 in der CDU fand. Der ehemals selbstständige Maurermeister war mit Unterbrechungen seit 1976 im Gemeinde- und Ortsrat zunächst als Unionsmitglied aktiv. 2001 war Nitschke sen. Mitgründer der Freien Wählergemeinschaft Emmerthal (FWE) und konnte bereits bei der ersten Kommunalwahl mit seinem jungen Team über 13 Prozent Stimmenanteil verbuchen. Mit diesem Triumph verabschiedete er sich aus dem Rat und legte sein Hauptaugenmerk auf die Arbeit im Ortsrat. Aber auch in diesem Gremium ist für den gebürtigen Minkener am 11. September Schluss. „Elf Tage nach der Wahl werde ich 80 Jahre alt – und mit fünf Enkelkindern und einem Urenkel werde ich jetzt nur noch familienpolitische Aufgaben wahrnehmen“, freut sich Nitschke sen. auf seinen kommunalpolitischen Ruhestand.

Den hält nun ebenso Friedrich Beckmeier von der Aerzener CDU für gekommen. „30 Jahre am Stück – meine Pflichten eines Staatsbürgers habe ich erfüllt“, sagt der Kommunalpolitiker aus dem Ortsteil Flakenholz. Pflichtbewusstsein – das ist für ihn keine Phrase, sondern eine Selbstverständlichkeit, wie er betont. „Man darf nicht nur etwas empfangen in seinem Land, sondern soll auch bereit sein, etwas wiederzugeben“, sagt der 65-Jährige, der die letzten drei Wahlperioden Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat war. Seine politische Laufbahn begann 1981 im Ortsrat Grupenhagen, zunächst in stellvertretender Funktion, dann seit 1986 als Ortsbürgermeister. „Gut entwickelt“ habe sich die Ortschaft, meint Beckmeier unter Hinweis auf die Infrastruktur. Positiv auch die Einschätzung für den gesamten Flecken, für den er im Gemeinderat seit 1991 politisch aktiv ist. Allerdings: Immer in der Opposition, bedauert der Industriemeister, der die letzten Jahre bis zu seinem Ruhestand bei Lenze im Bereich Arbeitssicherheit und Umweltschutz tätig war. Natürlich hätte er sich gewünscht, dass die CDU aus der politischen Mehrheit heraus der Gemeinde ihre Handschrift hätte geben können. Dennoch habe die CDU versucht, aus der Opposition heraus das Machbare herauszuholen – manchmal mit Erfolg. Beckmeier, der sich selbst als um Ausgleich bemüht bezeichnet, weiß aber ebenso, dass er für deutliche Worte bekannt ist. Streiten, wo es um der Sache willen sinnvoll sei, halte er für wichtig – „aber nicht Streit um des Streits willen“. Denn das ist etwas, was er in der großen Politik kritisch betrachtet. Friedrich Beckmeier: „Da geht es nur um Rituale.“



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