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Kutschreise vom Schwarzwald nach Bremen / Franziska Liebelt ist deutsche Meisterin im Wanderreiten

Nach 630 Kilometern macht sie Pause in Aerzen

Aerzen (sbr). Das Glück der Erde liegt bekanntlich auf dem Rücken der Pferde – Franziska Liebelt findet es gerade etwas weiter hinten auf ihrem Kutschbock. Mit dem Planwagen, den sie sich extra für diese Tour bauen ließ, fährt die vierfache deutsche Meisterin im Wanderreiten vom Schwarzwald bis nach Bremen und erfüllt sich damit einen langgehegten Traum. In Tostedt möchte sie eine Freundin besuchen, der sie vor über 20 Jahren das Versprechen gab, sie einmal mit dem Pferd zu besuchen. Als Endstation ihrer ungewöhnlichen Reise hat Franziska Liebelt die Hansestadt Bremen ausgewählt, den Wohnort der Familie ihres Schwiegersohns. Und ihr „wunderbares Abenteuer“, wie sie ihre Planwagenfahrt nennt, führte sie bisher nicht nur über Offenburg durch das Rheintal, an Frankfurt am Main vorbei, über die Wetterau, den Vogelsberg und den Habichtswald sowie quer durch Ostwestfalen-Lippe, sondern auch durch den Flecken Aerzen. „Ich erfahre im wahrsten Sinne des Wortes Deutschland“, erklärt die 58-Jährige mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht.

veröffentlicht am 09.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 08:21 Uhr

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Ob sie am Ende 1000 oder gar 1200 Kilometer unterwegs war, ist noch völlig offen. In Aerzen zeigt ihr „Tacho“ 630 Kilometer an. Wenn etwas Sehenswertes links oder rechts der Wegstrecke auf sie wartet, nimmt die erfahrene Wanderreiterin auch gern ein paar Kilometer Umweg in Kauf. „Etwa ein halbes Jahr lang habe ich meine Fahrt geplant, Karten gewälzt und beispielsweise das Ballungsgebiet um Frankfurt mit dem Fahrrad erkundet, um die optimale Route festzulegen“, erzählt Franziska Liebelt. Ihr besonderes Augenmerk galt vor allem auch Autobahnen, ICE-Trassen und Flüssen, die für das zwei PS starke Gefährt echte Hindernisse darstellen. Auch meidet die aus Bad Teinach-Zavelstein stammende Kutschenlenkerin nach Möglichkeit die Bundesstraßen. Autofahrer haben einfach keine Zeit, musste sie bereits mehrfach während ihrer Tour durch Deutschland erfahren.

„Aber je weiter ich nach Norden komme, um so freundlicher und hilfsbereiter sind die Menschen“, so ihre Feststellung. Dass sie gemeinsam mit ihrer Begleiterin Christine Mücke Aerzen nun doch über die Bundesstraße und nicht wie geplant über den Radweg entlang der alten Bahnlinie erreichte, war dem guten Rat von Fritz Spiegel aus Grießem zu verdanken. Dem Tischlermeister und gelernten Stellmacher fiel der in Handarbeit von einer Spezialfirma am Bodensee nach den Vorgaben von Franziska Liebelt gefertigte Planwagen vor seiner Haustür natürlich sofort auf. Nach einem kurzen Gespräch riet er den beiden Damen vom Passieren des Radweges ab, weil dort etliche Poller das Gespann an der Weiterfahrt gehindert hätten.

„Für solche Insider-Tipps entlang der Strecke sind wir immer unendlich dankbar. Das erspart uns eine Menge Unannehmlichkeiten und Zeit und die können wir dann wieder wunderbar nutzen, um Sehenswürdigkeiten in der Nähe unserer Route einen Kurzbesuch abzustatten“, freut sich die Schwarzwälderin über die vielen freundlichen Begegnungen am Rande ihrer Kutschfahrt. Nach einer kurzen Mittagsrast und einem Ausspann im Schatten der Aerzener Domänenburg zogen das kräftige amerikanische Gangpferd-Duo den Planwagen außerplanmäßig auf Münchhausens Spuren nach Schloss Schwöbber. „Ist das schön! So eine Kulisse hatten wir ja noch überhaupt nicht auf unserer Reise!“ Franziska Liebelt ist geradezu überwältigt von dem imposanten Weserrenaissanceschloss. Allein schon für die atemberaubende Durchfahrt durch den Torbogen habe sich die Abweichung von der geplanten Route gelohnt, so die weit gereiste Wanderreiterin.

Franziska Liebelt verfügt sogar an der Kutsche über eine kleine Küche, um sich eine Mahlzeit aufwärmen zu können.

Alle sieben Tage wird die Abenteurerin mit Proviant, Pferdefutter und frischer Wäsche versorgt. Zusätzlich bringt Ehemann Klaus Welzmüller jede Woche eine neue Begleiterin mit. „Über das Internet hat meine Tochter Mitreisende für mich gesucht. Leider hat kaum jemand so lange Urlaub, um mich fünf bis sechs Wochen lang zu begleiten“, bedauert Franziska Liebelt. Christine Mücke (41) ist auch schon ganz traurig, dass sich ihre Planwagenwoche dem Ende zuneigt. Besonders stolz ist die Zavelsteinerin auf die Leistung der beiden Tennessee Walking Horses, die ihrer Tochter gehören und eigentlich zum Wanderreiten und seit kurzem auch zum Fahren ausgebildet sind. Das amerikanische Gangpferd hört auf den langen Namen „I’m Mister Champagne“, der genauso ungewöhnlich und selten ist wie seine Farbe, die sich durch die Fliegendecke in ihrer ganzen Schönheit nur erahnen lässt. An seiner Seite geht der 15-jährige Schwarze mit dem Namen „Jim Knopf“, der bereits mehrfach Europameister bei Gangwettbewerben seiner Rasse wurde.

Ihre Küche samt Tisch und Stühlen, das Schlafzimmer und das Weidezeug für die Pferde haben die beiden Abenteurerinnen samt Gepäck und Proviant auf dem Planwagen verstaut und immer dabei. „Die Menschen unterwegs haben uns unheimlich gastfreundlich aufgenommen“, so die positive Erfahrung von Franziska Liebelt. Je nachdem, wie weit das Gespann am Tag kommt, wird im nächsten Ort nach einem Weideplatz für die Pferde und einem Parkplatz für die Kutsche gefragt. Dann können es sich die beiden Damen in ihren Schlafsäcken an Bord des Planwagens bequem machen.

Für Franziska Liebelt und Christine Mücke ist es beeindruckend, hautnah mitzuerleben, wie sich die Landschaft Kilometer für Kilometer verändert und mit ihr die Dörfer, die Sprache und die Mentalität der Menschen, wie beide übereinstimmend feststellen konnten. „Das Ganze ist eine wunderbare Erfahrung, von der man ein Leben lang zehren kann“, fasst Franziska Liebelt die Eindrücke ihrer Deutschlandreise zusammen, bevor es weiter über Hessisch Oldendorf in Richtung Lüneburger Heide geht.



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