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19-jährige Alena Breitkopf aus Emmerthal engagiert sich als Freiwillige in Ghana

Morgens Lehrerin, mittags Ersatzmama

Emmerthal/Tamale. Hoch motiviert stürmen 22 Mädchen ins Klassenzimmer. Es ist kurz vor neun Uhr morgens an der Maltiti Girls School in Tamale im Norden Ghanas. In wenigen Minuten beginnt der Englischunterricht für die 11- und 13-Jährigen, den Alena Breitkopf heute leiten darf. Nur noch ein paar Hinweise vom Schulleiter, dann hat Alena ihre Klasse für sich. Wochentage, Monatsnamen und Jahreszeiten wird sie mit den Kindern üben. Die 19 Jahre alte Abiturientin aus Emmerthal engagierte sich im Sommer zehn Wochen lang als Freiwillige in Westafrika. Vormittags unterstützte sie die Schülerinnen im Unterricht, nachmittags half sie bei der Betreuung von Kleinkindern in einem Waisenhaus.

veröffentlicht am 15.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 03:21 Uhr

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„Mir ist klar, dass man auch in Einrichtungen in Deutschland immer eine helfende Hand benötigen kann“, sagt Alena. Die 19-Jährige entschied sich dennoch für Ghana: Sie wollte ihre eigenen Erfahrungen sammeln, sich ihr eigenes Bild von Afrika machen. „Das Ganze vor Ort miterleben, anstatt sich in den Medien Berichte anzugucken.“ Im Internet stieß Alena auf die Agentur VoluNation, die sich auf die Vermittlung von Freiwilligendiensten im Ausland spezialisiert hat. Auf seiner Internetseite informiert das Unternehmen über unterschiedliche bundesweite Angebote, listet dabei auch seine eigenen auf.

Die Tafel an der Wand des Klassenzimmers war das wichtigste Arbeitsmittel, denn einen Drucker zur Vorbereitung von Arbeitsblättern gibt es an der Schule nicht. „Die Tafelbilder mussten immer ganz exakt sein, damit die Kinder sie richtig abschreiben“, erzählt Alena. Zum Üben der Wochentage und Monatsnamen zeichnete sie beispielsweise Kalenderblätter an die Tafel. Erstaunt war sie, dass die meisten Kinder ihr genaues Geburtsdatum nicht kennen.

Über die Fortschritte der Kinder im Englischunterricht hat sich Alena besonders gefreut. Denn die Schülerinnen mussten genau aufpassen: Alena unterrichtete und erklärte auf Englisch. Dagbani, die Muttersprache der Kinder im Norden Ghanas, spricht sie nicht. „Die Verständigung hat trotzdem geklappt und die Kinder haben viel gelernt.“ Während der Pausen vertiefte Alena den Kontakt zu den Schülerinnen. „Als Freiwillige konnte ich mit ihnen spielen“, berichtet sie.

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  • „Ich habe versucht, den Kleinen etwas Mutterliebe zu schenken.“

Um zwölf Uhr war Alenas Einsatz an der Schule beendet. Die Mittagszeit verbrachte sie gemeinsam mit anderen Freiwilligen der Schule, bevor um 15 Uhr die Arbeit im Waisenhaus begann. Rund 25 Kleinkinder werden dort von zwei ghanaischen Mitarbeiterinnen betreut. Für viele wichtige Dinge bleibt da kaum Zeit. „Ich habe mit den Kleinen gespielt, getobt und gekuschelt. Beim Füttern hielt ich sie auf meinem Arm und habe versucht, ihnen etwas Mutterliebe zu schenken“, sagt Alena. Für sie waren die vielen „kleinen Momente“ am wichtigsten, in denen die Kinder die körperliche Nähe spürbar genossen haben. Umso schwerer war es abends um 18 Uhr für die Kinder, sich von ihrer Ersatzmutter zu trennen. „Das war nicht schön, obwohl ich am nächsten Tag ja wiederkam“, meint sie.

Als Freiwillige lernte Alena allerdings nicht nur die Kultur des Gastlandes kennen. Alena wohnte in einer Unterkunft zusammen mit anderen Freiwilligen aus Israel, Kanada, Schweden und den USA. Gemeinsam verbrachte man die Abende, kochte an den Wochenenden und unternahm Ausflüge, zum Beispiel in den nahegelegenen Mole Nationalpark.

Den letzten Tag ihres Aufenthalts wird Alena so schnell nicht vergessen. Die Schulkinder verabschiedeten sich mit Liedern von und riefen „God bless you!“, Gott segne dich. Alena wird „ihre“ Schülerinnen vermissen. Im kommenden Jahr will sie Sozialpädagogik studieren. Zuvor aber verbringt die 19-Jährige neun Monate als Au-pair-Mädchen bei einer Familie mit drei Kindern in Kanada. 50 Zentimeter Schnee liegen dort zurzeit. „Es ist schon komisch, wieder zurück in einem Industrieland zu sein“, berichtet Alena. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an die Zeit in Ghana zurückdenke.“



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