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Auf Wachstumskurs an Gleis 1: Eisenbahnfreunde expandieren am alten Bahnhof

Modellbauer erleben Hauch von Winter

Kirchohsen. Der Bahnhof Emmerthal in Kirchohsen hat eigentlich alles zu bieten, was das Herz von Eisenbahnfans höherschlagen lässt. Draußen den ganzen normalen Fahrbetrieb der Deutschen Bahn mit der S-Bahn und den Güterzügen sowie hin und wieder sogar mal ein IC- oder ICE-Zug, der durch Emmerthal rauscht, wenn eine Hauptstrecke gesperrt ist. Und drinnen in der ehemaligen Gaststätte des Bahnhofs gibt es die große Eisenbahnerwelt im kleinen Maßstab zu bewundern. Dort haben seit 2008 die Eisenbahnfreunde Emmerthal ihr Domizil aufgeschlagen, gibt es zwei Modelleisenbahn-Anlagen im Maßstab H0 (1:87) und N (1:160) zu bewundern.

veröffentlicht am 02.01.2015 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Friedrich-Wilhelm Thies
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„Wir haben mal in der alten Molkerei in Grupenhagen mit fünf Personen angefangen mit dem Modelleisenbahnbau. Doch da wurde es bald zu eng. Nachdem wir neue Mitglieder gefunden haben und in den Emmerthaler Bahnhof einziehen konnten, da haben wir im Februar 2008 die Interessengemeinschaft Eisenbahnfreunde Emmerthal gegründet“, berichtet der Gruppenleiter Wolfgang Kappauf. Seit Mai 2014 sei man sogar eine Freizeitgruppe der Stiftung Bahnsozialwerk (BSW). „Das bringt uns auch finanzielle Vorteile, etwa durch einen Zuschuss für die Miete der Räumlichkeiten“, erklärt sein Stellvertreter Willi Max.

Seit 2008 hat sich vieles getan in der alten Bahnhofswirtschaft – und es tut sich immer noch allerhand, denn Modellbauer werden nie fertig, das ist bekannt. Zu bewundern ist aber zum einen schon eine N-Anlage mit der Spurweite neun Millimeter. Da gibt es einen Großstadtbahnhof, ein angeschlossenes Bahnbetriebswerk, natürlich mit einer Bekohlungsanlage und einer Verschiebebühne, einen Kleinstadtbahnhof, etwas Industrie, dörfliche Idylle und vieles mehr. Natürlich fahren verschiedene Züge, alles gesteuert per Computer und PC-Programm, ganz genau so wie beim großen Vorbild.

„Wir arbeiten hier bei der Spur N nach der Norm der Eisenbahnfreunde aus dem Rheintal in Segment- und Modulbauweise“, berichtet Kappauf. Das heißt: Nicht eine große Platte wird erstellt, sondern viele kleinere Einheiten entstehen, die dann zu einer Gesamtanlage zusammengefügt werden. Da müssen die Übergänge der Gleistrassen natürlich stimmen und festgelegt sein, sonst klappt das nicht. Der Gruppenleiter erklärt: „Die Mitglieder stellen quasi ihre Segmente oder Module zur Verfügung, die dann hier eine große Modellbahnanlage ergeben. Sollten sie mal aus dem Verein ausscheiden, können sie ihre Anlagen wieder mitnehmen.“

Tüftler aus Leidenschaft: Wolfgang Kappauf (li.), Willi Max (2. von links) und Kollegen beim Fachsimpeln an der N-Anlage. tis

Doch daran denkt hier derzeit niemand. Im Gegenteil, in Planung bei der Spur N ist ein Schattenbahnhof, an dem fleißig gewerkelt wird. Auch ein zweiter größerer Bahnhof soll am Ende einer Strecke entstehen. „Doch dazu muss einer unserer Modellbaufreunde erst ein PC-Programm für die Steuerung schreiben, bevor es da weitergehen kann“, erzählt Kappauf.

Gebastelt wird selbstverständlich auch bei der Spur H0-Anlage, die nach der Nord-Modul-Bauweise der Eisenbahnfreunde Barsinghausen entsteht und ständig wächst. Hier gibt es eine zweigleisige Hauptstrecke und eine eingleisige Nebenstrecke. An der ist Volker Crone gerade dabei, zwei neue Module fertigzustellen. „Ich baue ein Freizeitgelände nach, mit einer Burgruine, einem kleinen Ausflugslokal, einem Campingplatz und einer Badestelle“, erzählt der Modellbahnfan. Dabei sei er wie alle Mitglieder im Verein bemüht, dem Original möglichst nahezukommen. „Schließlich spielen wir hier nicht mit der Eisenbahn, sondern wollen die Natur und Technik so exakt wie möglich abbilden und nachbauen“, stellt Crone fest.

Dass ihnen das schon gelungen ist, kann man sowohl auf der N- als auch auf der H0-Anlage sehen. Ob es nun der Heuwagen ist, der gerade beladen wird, Bäume in einem nahe gelegenen Wald gefällt werden oder sich Besucher im Biergarten vergnügen – alles sieht verblüffend echt aus. Beim Betrachten der einzelnen Szenen fallen dem Betrachter immer wieder neue Details auf. Selbst vom Gleis 1 des Emmerthaler Bahnhofs kann man schon das Hobby der Eisenbahnfreunde bewundern. Dort steht in den Fenstern derzeit ein Diorama mit einer Dorfszene in der verschneiten Winterzeit, selbst Harry Potter hat es als Szenenbild in das Ausstellungsfenster geschafft, natürlich mit dem bekannten Zug aus den Filmen.

Selbstverständlich sind Eisenbahnfans und Interessierte auch eingeladen, über das Gleis 1 in die Vereinsräume einzutreten. „Wir sind dienstags ab 19 Uhr hier anzutreffen. Dann werden rund drei Stunden lang gebastelt, gefachsimpelt oder auch nur geklönt. Gäste sind da jederzeit willkommen“, betont Kappauf. In den Räumen gibt es nicht nur die beiden Anlagen zu sehen, zudem geben die Mitglieder bereitwillige Auskunft zu ihren Anlagen, auch zahlreiche Ausstellungsstücke aus alten Eisenbahnzeiten runden das Angebot ab. Die derzeit 15 Mitglieder würden sich freuen, wenn sie weitere Mitstreiter finden könnten. Nicht nur der Modellbau steht übrigens auf dem Programm des Vereinslebens. Schließlich muss das Original immer mal wieder in Augenschein genommen werden. So werden Ausstellungen, Dampfloktreffen oder Jubiläen von Eisenbahnvereinen, wie 2012 das der Harzer Schmalspurbahn in Wernigerode, besucht.

Der Gruppenleiter erwähnt noch: „2014 war für uns natürlich ein Highlight die Taufe einer S-Bahn auf den Namen Emmerthal vor unserer Haustür. Dabei haben wir Bürgermeister Andreas Grossmann ein Modell der S-Bahn überreicht, das jetzt einen Ehrenplatz im Rathaus erhalten soll.“

Für 2015 haben sich die Eisenbahnfreunde vorgenommen, am Entdeckertag im September teilzunehmen und dann ihre Vereinsräume einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Zu sehen gibt es ja genug.



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