weather-image
13°

Circus Caracas – Leben für die Manege in der sechsten Generation

Mit viel Schweiß und Schminke

Reinerbeck. Wann hat es das jemals gegeben – ein Zirkus in Reinerbeck? Kürzlich machten dies drei Artistenbrüder mit ihrem „Circus Caracas“ auf dem Gelände des „Reiterhofes Weserbergland“ von Elke Husmann-Meyer möglich: Manuel Linnemann (34), Enrico (32) und Christopher Richter (25) beeindruckten die Zuschauer mit Akrobatik, Jonglage, Feuershow und herzerfrischender Clownerie drei Tage lang.

veröffentlicht am 17.10.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 05:21 Uhr

270_008_6671827_lkae_103_1710_circus_caracas_wj_.jpg

Autor:

von Willi Jürgens
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die drei Brüder stammen aus der Nähe von Göttingen, wuchsen im väterlichen Zirkus-Unternehmen auf. „Wir sind beim Zirkus geboren und leben dort, seit wir laufen können“, sagt Enrico. „Unser Vater hatte einen größeren Zirkus, auch mit Raubtieren und Pferden, verstarb aber früh, sodass der Zirkus verkauft werden musste. Wir Söhne wechselten dann zu anderen Zirkus-Unternehmen.“

Doch mit den Jahren reifte in den drei Artistenbrüdern die Idee vom eigenen Zirkus. „Allerdings wollten wir den Zirkus nicht auf die herkömmliche Weise darstellen, sondern neue Wege gehen, mit viel Varieté und wenig Tieren“, berichtet Enrico, „vor allem mit mehr Nähe zum Publikum und der Zielgruppe – von einem Jahr bis zum 100. und auch noch darüber. Das galt es auch im Hinblick auf die Besucherzahlen zu berücksichtigen, die nicht nur angesichts der in Deutschland noch tätigen etwa 600 Zirkus-Unternehmen weniger werden.“

Es ist das Jahr 2007, und es war gerade Winterpause, als die drei Artistenbrüder Manuel, Enrico und Christopher ihre Idee in die Tat umsetzten: Der „Circus Caracas“ wurde gegründet, und zwar als reines Familienunternehmen in der sechsten Generation. Die Taufe war in der Nähe von Göttingen, hatten die Brüder doch auch Verwandte in Einbeck und Uslar. Die Winterpause hatte das junge Team genutzt, um alle Vorbereitungen für den Start zu treffen.

3 Bilder

„Der Anfang war sehr schwierig“, blickt Enrico als Pressesprecher des Zirkus zurück, „die Manege und das Zeltzubehör haben wir selbst hergestellt, die Stoffe und die Kostüme nach eigenen Entwürfen selbst genäht. Und dann kam das Programm – alles wurde gemeinsam besprochen und auch ausprobiert.“ Die Artisten-Nummern, die sie bereits in anderen Unternehmen vorgeführt hatten, wurden zum Teil übernommen, neu einstudiert und auch oft geändert. „Viel Schweiß und Herzblut steckt in dem Ganzen.“ Bis zur Premiere hat es gut drei Monate gedauert – dann lief das erste Programm von gut eineinhalb Stunden. In der zehnminütigen Pause erfolgen die notwendigen Umbauarbeiten in der Manege. Hier gibt es für die Kinder die Möglichkeit, sich mit Schlangen fotografieren zu lassen.

„Kinder werden speziell mit in das Programm einbezogen, aber auch die Erwachsenen kommen nicht zu kurz“, schließt Enrico seine Ausführungen, nicht ohne zu betonen, dass das „Selbermachen“ an erster Stelle steht, und es bis heute keine weiteren Helfer gibt – der Arbeitstag für die drei Brüder habe nicht nur acht Stunden.

Das stattliche Rundzelt bietet maximal 250 Sitzplätze, trägt die weithin leuchtenden Farben Blau, Gelb und Rot, misst 18 Meter im Durchmesser mit einer Manege von 8,50 Metern Radius und hat eine Kuppelhöhe von sieben Metern. Normalerweise werden pro Woche zwei Standorte angefahren mit je zwei Spieltagen – dann heißt es „Ärmel hoch und anpacken“ beim Zeltauf- und Abbau. Feierabend ist dann erst, wenn das letzte Teil wieder auf dem Lastwagen ist.

2013 begann die Gastspielreise in Trebbin bei Potsdam. In Richtung Magdeburg ging’s weiter, dann musste dem Hochwasser ausgewichen werden. Neue Richtung war der Harz, Hasselfelde, Ellrich, Bad Sachsa hießen die Spielorte und weiter Göttingen und rüber zur Weser nach Bodenfelde. Zuletzt waren die Artistenbrüder in Bodenwerder. Insgesamt waren für das Jahr 2013 nicht weniger als 48 Orte aufgelistet, wenn am 11. November die Winterpause für den Circus Caracas beginnt.

Das bedeutet aber keinesfalls für die Artisten Manuel, Enrico und Christopher, ebenfalls die Hände ruhen zu lassen – sie beschicken vom 23. November bis zum 23. Dezember die Weihnachtsmärkte. Wieder zu Hause im Winterquartier, geht es nach den Feiertagen mit der Überholung, Pflege und gegebenenfalls Instandsetzung des gesamten Zirkusmaterials los. Auch das Einstudieren neuer Darbietungen steht auf dem Programm, um für den Saisonbeginn, voraussichtlich im Februar 2014, fit zu sein.

Gemeinsam wurde die Reiseroute 2014 dann schon im Winter festgelegt, und Enrico obliegt es, dass diese Termine auch stehen. Da sind das Telefon und der Computer wochenlang seine ständigen Begleiter.

„Aber bis jetzt hat es noch immer geklappt“, sagt Enrico erfreut, „unterm Strich gesehen, sind wir auch (noch) finanziell zufrieden.“ Derweil steckt Christopher in Gedanken schon wieder in seinem bunten Clownkostüm, macht mit den Kindern seine Späße, lässt die Teller tanzen und seine weißenPfautauben kunstvoll durch die Lüfte segeln.

Wie aber kam nun dieser kleine, aber äußerst lebendige Zirkus ausgerechnet in das nur rund 400 Seelen zählende Reinerbeck? „Das Internet macht’s möglich“, sagt Enrico und lacht, „ein Anruf bei Elke Husmann-Meyer vom Reiterhof Weserbergland in Reinerbeck bestätigte: Dort sind viele Reiterkinder in den Herbstferien – Zirkus und Ponyreiten lassen sich gut verbinden und so schlugen wir eben für drei Tage unser Zelt in Reinerbeck auf dem Reiterhof auf.“ Mit Husmann-Meyer lief die Zusammenarbeit offenbar hervorragend.

Aber dann hat es Enrico eilig: Der nächste Termin in Ottenstein rückt näher – hier ist auf die Minute genau funktionierende Logistik gefordert, denn schon heute heißt es dort wieder „Vorhang auf, der Circus Caracas ist da“ und das auch am Samstag, 19. Oktober und Sonntag 20. Oktober. Viel Spaß!

„Wollten den Zirkus nicht auf die herkömmliche Weise darstellen“: die Brüder bei der Arbeit.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt