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Reiterhof auf Rädern: Wie Teilnehmer sich auf Kutschen-Fahrturniere vorbereiten

Mit Tempo und Geschick

Aerzen. „Willkommen in unserem Gästezimmer“, erklärt Christine Müller schmunzelnd beim Öffnen einer der vielen Türen ihres Pferdetransporters, der auf einem Stoppelfeld im Aerzener Ortsteil Ahorn direkt neben dem Fahrturniergelände parkt. Während sich hinter der einen Tür ein Extrafach für die Pferdegeschirre befindet und die andere geöffnet einen Blick auf die karge Unterkunft von Christine Müller und ihres Mannes Elmar Pröger freigibt, hat es sich Kutschen-Beifahrerin Linda Döring mit einem Feldbett dort bequem gemacht, wo während des Transportes die Vierbeiner untergebracht sind. Luxus für die Menschen sucht man im Prögerschen Turnierreisemobil vergeblich. Alles ist auf ein Minimum reduziert, sogar die zumindest vorhandene Nasszelle. Nicht einmal unter der gelbgestreiften Markise ist Platz für ein wenig Annehmlichkeit in Form eines Liegestuhls. Hier befinden sich, vor der Sonne geschützt, die Boxen für die beiden vierjährigen Welsh-B-Ponys „Banause“ und „Tiny“ sowie die zwei Hannoveraner „Wiso“ und „Thatch“. Kaum zu glauben, dass der 15 Jahre alte Siebeneinhalb-Tonnen-MAN-Lkw ausreichend Platz bietet, um vier Pferde plus Kutsche zu transportieren. Im Pferdetransportanhänger wird übrigens kein Vierbeiner, sondern das Material für den Außenstall hinterhergezogen. Christine Müller: „Für die Reihenfolge beim Aufbau ist das günstiger.“

veröffentlicht am 26.08.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 08:41 Uhr

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Das Göttinger Kutschengilde-Trio war bereits am Freitag zum zweitägigen Fahrturnier, das bereits zum fünften Mal in Folge am Wochenende im Ahorn ausgetragen wurde, angereist. Ganz in Ruhe wurde das Stallzelt aufgebaut, sich auf dem abgeernteten Stoppelfeld häuslich eingerichtet und mit dem tierischen Quartett das nahe Turniergelände erkundet, berichtet Christine Müller.

Während die Ponys noch absolute Turnierneulinge sind, haben die zehnjährigen Hannoveraner bereits Erfahrung bis in die Wettbewerbsklasse S. „Turniere sind das beste Training, um junge Pferde einzufahren und an den Turnierbetrieb und größere Aufgaben zu gewöhnen“, vertritt der erfahrene Fahrsportler Elmar Pröger die Ansicht. Und er lässt sich und seinen Tieren viel Zeit. Bis zu zweieinhalb Jahren kann es dauern, bis Pferd, Fahrer und Kutsche ein perfektes Team bilden.

Beim Turnier in Aerzen trat der 69-jährige Fahrsport-Routinier übrigens außerhalb der Konkurrenz an, um den Nachwuchsfahrern eine Chance im Wettbewerb einzuräumen, wie er sagt. Das brachte ihm vom Turnier-Kommentator das Lob ‚First class horsemanchip‘ ein, was eigentlich so viel bedeutet wie erstklassige Reitkunst. Vom Publikum wurde so viel Fairness mit einem Extraapplaus bedacht. Während der eine auf seine Platzierung verzichtete, kam für eine andere der Sprung aufs Treppchen völlig überraschend. Und so erschien Ute Meier vom Reit- und Fahrverein Wunstorf als Einzige zur Siegerehrung der Kombination ohne Pferd und Kutsche. Anstatt ihres Welsh-B-Ponys „Bünteeichen Sunny Blue“ trug am Ende die 49-Jährige die Pferdeschleife ans T-Shirt geheftet stolz vom Turnierplatz, nachdem sie die Ehrenrunde nicht zu Fuß, sondern als Beifahrerin auf der Kutsche eines mitplatzierten Teams absolviert hatte.

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  • Auf Turnieren wird der Pferdetransporter zum Zuhause, wie bei Christine Müller, Elmar Pröger und Linda Döring (v. li.).

Doping war beim Aerzener Fahrturnier übrigens kein Thema, auch wenn das Reitpony „Veit“ vor der Kutsche von Nicole Günzel und ihrer Tochter Kim aus Porta Westfalica, die für den Reit- und Fahrverein Nettelstedt starten, ein leichter Citronella-Duft umwehte. Der stammte aus einem Pflegestift, mit dem Thomas Günzel den Kopf und den Hals des Pferdes noch kurz vor Turnierbeginn eingestrichen hatte. „Das wirkt nur abwehrend gegen Fliegen und Stechmücken und bewirkt, dass das Tier nicht zur Insektenabwehr mit dem Kopf schlagen muss“, erklärt er. sbr



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