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Mittel der Bücherei schrumpfen

Mit Kreativität gegen knappe Kassen

AERZEN. „Ja, wir brauchen Büchereien, als Orte des Lernens, als kulturellen Treffpunkt, als Orte der Leseförderung und der Literaturvermittlung. Auf den Punkt gebracht: Als Informationsknotenpunkte“, sagt Marion Hampel von der Gemeindebücherei Aerzen. Wer nicht in die Bildung investiere, der verliert.

veröffentlicht am 18.04.2017 um 15:01 Uhr
aktualisiert am 18.04.2017 um 17:50 Uhr

Marion Hampel lässt sich trotz knappen Budgets immer wieder etwas Besonderes für die Aerzener Gemeindebücherei einfallen. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Im Zeitalter immer knapper werdender öffentlicher Kassen werden gerade freiwilligen Leistungen der Kommunen, wie beispielsweise die Unterhaltung von Büchereien, bei Haushaltsverhandlungen von der Verwaltung und der Politik ganz genau auf den Prüfstand gestellt. „Brauchen wir das Angebot in diesem Umfang wirklich noch? Können wir uns das überhaupt noch leisten?“, lauten die Fragen, die in diesem Fall dann viel diskutiert werden.

„Ja, wir brauchen Büchereien, als Orte des Lernens, als kulturellen Treffpunkt, als Orte der Leseförderung und der Literaturvermittlung. Auf den Punkt gebracht: Als Informationsknotenpunkte“, sagt Marion Hampel von der Gemeindebücherei Aerzen. Und sie vertritt weiterhin die Ansicht, wer nicht in die Bildung investiert, der verliert.

Kann sich eine Kommune so einen Verlust am Ende wirklich leisten? Marion Hampel meint: „Nein!“ Schließlich gehöre eine mit aktuellen Medien ausgestattete Bücherei ihrer Meinung nach genauso zur Infrastruktur einer Kommune wie Krippen, Kindergärten, Schulen und Musikschulen sowie Sport- und Freizeitangebote, Wohn- und Einkaufsmöglichkeiten. Deshalb wird die Büchereileiterin auch nicht müde, trotz eines kontinuierlich sinkenden Budgets die kommunale Bibliothek immer wieder in den Blickpunkt zu rücken, zum Teil auch mit interessanten Angeboten jenseits der Bücherregale.

Gerade haben alle vier Gruppen des evangelischen Kindergartens „Unter dem Regenbogen“ begeistert am Bilderbuchkino teilgenommen. Rund 3000 Euro stehen der Mitarbeiterin des Fleckens Aerzen in diesem Jahr zur Verfügung, um Neuanschaffungen auf dem Literaturmarkt zu tätigen. Eine Summe, die seit Jahren kontinuierlich schrumpft.

Zum Vergleich: Zwischen 2012 und 2014 standen jeweils 5000 Euro jährlich für neue Bücher zur Verfügung. 2015 waren es immerhin noch 4000 Euro, im vergangenen Jahr dann nur noch 3500 Euro. Ähnlich wurde mit dem Etat für Veranstaltungen wie Bilderbuchkino und Lesungen verfahren. Innerhalb der letzten vier Jahre wurde er auf 500 Euro halbiert.

Für die Ausleihe von Hörbüchern aus der Büchereizentrale Niedersachsen und für Zeitschriften, die seit dem letzten Jahr ebenfalls in der Aerzener Bücherei ausgeliehen werden können, steht in diesem Jahr ein Etat von 600 Euro zur Verfügung. „Ganz große Sprünge sind damit nicht möglich, zumal bekannte Autoren auch horrende Gagen fordern und die Bereitstellung der Zeitschriften zusätzliche Kosten verursacht, ohne das der Etat erhöht wurde“, erklärt Marion Hampel. Aber auch mit dem kleinen Budget wartet die Büchereileiterin immer wieder mit Besonderheiten auf.

Das Bilderbuchkino beispielsweise, bei dem Marlies Traupe die vorgelesene Geschichte „Gustav ganz groß“ von Hans de Beer mit passenden Dia-Bildern unterlegt hat, begeisterte 80 Mädchen und Jungen. Allerdings entstehen auch hierfür Gebühren bei der Büchereizentrale Niedersachsen. Seit der Einführung der Leseausweise im Jahr 2007 konnten 1560 Exemplare ausgegeben werden. Über 1000 aktive Leser haben den Buchbestand in den vergangenen zwölf Monaten genutzt und rund 19 000 Bücher ausgeliehen. „Das ist eine Steigerung von rund 1400 Ausleihen im Vergleich zum Vorjahr“, so Marion Hampel, die die Ausleihzahlen seit Jahren steigert und die heimische Leserschaft permanent weiter ausbaut.

Was die nüchternen Zahlen nicht ausdrücken: Sowohl die vier Kindergärten im Kernort inklusive des Sprachheil- und des Heilpädagogischen Kindergartens, als auch die Einrichtungen in Grupenhagen und Groß Berkel besuchen zum Teil mit großem Aufwand regelmäßig die Bücherei in der Domänenburg. Auch die Grundschüler nutzen das Angebot der Ausleihe fleißig, wie Marion Hampel bestätigt. Sie würde sich wünschen, dass noch mehr Klassenverbände die Bücherei zum Beispiel zum Recherchieren bestimmter Sachthemen nutzen. Ein Angebot der Gemeindebücherei: Gerne stellt die Büchereileiterin bestimmte Themenblöcke zusammen und den Klassen zur Verfügung. Im Erwachsenenbereich trifft sich der Literaturkreis der Landfrauen regelmäßig in den Räumen der Bücherei. Und auch Autoren möchte Marion Hampel wieder mehr für Lesungen gewinnen, wenn sie sich deren Besuch leisten kann, wie sie sagt.

„Ich habe den Eindruck, die Bücherei läuft relativ gut“, sagt Aerzens Bürgermeister Bernhard Wagner und macht noch einmal deutlich, dass es sich bei dem Angebot um eine freiwillige Leistung handelt, die den Flecken Aerzen Geld kostet – allerdings sinnvoll in die Bildung ausgegebenes Geld, wie er betont.

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