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Nach 150 Jahren wieder Fachwerk-Neubau im Dorf / Stilechtes Gebäude mit Kontrastprogramm

Mit Gespür für Tradition und moderne Technik

Grupenhagen (sbr). Wie überall in Deutschland, findet man auch in Grupenhagen noch heute jahrhundertealte Fachwerkhäuser. Von der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden in Deutschland Holz und Lehm zu Häusern verbaut. Beides war damals reichlich vorhanden. „Jedem Grupenhäger Hof stand über Jahrhunderte hinweg regelmäßig Eichenholz als Bauholz zu“, weiß Karl Pape, Ehrenvorsitzender des Kultur- und Heimatvereins, aus der Vergangenheit zu berichten. Als das Massivholzaufkommen in den heimischen Forsten knapper wurde, begann die Suche nach neuen Baumaterialien, und das Fachwerkhaus kam mehr und mehr aus der Mode. „Das letzte Fachwerkhaus in Grupenhagen wurde vor 150 Jahren errichtet“, hat Karl Pape in der Chronik nachgelesen. Allerdings muss in dieser Beziehung die Dorfgeschichte weitergeschrieben werden, denn Svenja Hornburg und der aus Herford stammende Waldemar Stor haben sich ganz bewusst gegen einen 08/15-Neubau entschieden und auf der ehemaligen Kuhwiese der Familie Hornburg ein modernes Fachwerkhaus nach altem Vorbild, aber mit neuester Technik ausgestattet, gebaut.

veröffentlicht am 04.05.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:21 Uhr

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„Wir wollten etwas ganz anderes als das, was überall in den Neubaugebieten zu finden ist. Etwas, das hier auf unseren besonderen Bauplatz passt“, beschreiben die beiden ihre ungewöhnlichen Baupläne. In nur sechs Monaten Bauzeit haben die Zahntechnikerin und der Leiter der Abteilung Controlling mit Hilfe von Familie und Freunden den Innenausbau größtenteils selber fertiggestellt. „Nur die Sanitärarbeiten haben wir ausführen lassen“, erklärt der 31-Jährige. Beim Rundgang durch die insgesamt zehn Räume inklusive Flur, Küche, Bad sowie Hauswirtschafts- und Technikraum auf etwa 170 Quadratmetern ist den beiden der Bauherrenstolz anzumerken. „Auf dem Weg nach Herford bin ich an einem Fachwerkhaus-Neubau vorbeigekommen, in den ich mich sofort verliebt habe. Als unsere Baupläne dann konkreter wurden, haben wir einfach mal ganz spontan bei den Besitzern geklingelt und uns das Haus zeigen lassen“, kann sich Svenja Hornburg noch genau an die Anfänge erinnern. Und auch Waldemar Stor konnte sich schnell mit dem von seiner Freundin bevorzugten besonderen Haustyp anfreunden.

Allerdings unter einer Bedingung: Landhaus ja, aber mit modernen Komponenten. Und so setzen eine modern eingerichtete Küche im Erdgeschoss sowie ein ebenfalls modernes Bad in der ersten Etage Kontrastpunkte zu dem sonst geschmackvoll und stilecht ausgestatteten Fachwerkhaus. „Ich mag die alten Möbel einfach, die schon seit Generationen in unserer Familie weitergegeben werden“, erzählt Svenja Hornburg und freut sich besonders über ein Bild, das ihr zuvor ihre Großmutter schenkte und das jetzt das neue Schlafzimmer schmückt.

Ein besonderes Schmuckstück ist auch die auf den Gesamtstil des Hauses abgestimmte Haustür, die den Weg in den hellen Eingangsbereich freigibt, dessen Bodenfliesen scheinbar aus einer anderen Zeit stammen. Auch die Butzenfenster lassen sich, wie ihre historischen Vorbilder, nach außen öffnen. Und ein ganz besonderes Highlight ist die zweigeteilte „Klöntür“, die Küche und Garten verbindet. Die Windbretter am Giebel schmücken, für niederdeutsche Hallenhäuser typisch, zwei gekreuzte Pferdeköpfe, die landläufig auch als „Hengst und Hors“ oder „Rossgoschen“ bezeichnet werden. „Es standen mehrere Zierelemente zur Auswahl, aber die Pferdeköpfe passen einfach hierher und man findet sie auch an anderen Fachwerkhäusern im Ort“, so die 32-jährige Grupenhägerin. Auch Karl Pape ist begeistert von dem Neubau, der sich seiner Meinung nach ausgesprochen harmonisch in das historisch gewachsene Ortsbild und die unmittelbare Nachbarschaft zur ehemaligen Fachwerkschule und dem Thieplatz einfügt.

Wenn in den vergangenen Jahrhunderten in der Nähe der neu errichteten Fachwerkhäuser gegraben wurde, dann waren die Bewohner auf der Suche nach Grundwasser. Auch Svenja Hornburg und Waldemar Stor haben bohren lassen, allerdings nicht nach Wasser, schließlich haben sie direkt am Goldbach gebaut, sondern nach Wärme. Der Fachwerkneubau an der Schulstraße ist ein sogenanntes Niedrigenergiehaus und wird hauptsächlich mit Erdwärme geheizt. Auch der angrenzende Carport ist im selben Baustil gehalten wie das Wohnhaus. Stilbruch – Fehlanzeige! „Und auch für den Garten habe ich schon genaue Pläne“, erklärt die Hausherrin und sieht vor ihrem geistigen Auge bereits Schafe auf dem kleinen Erdwall hinterm Haus, der von ihr liebevoll „Deich“ genannt wird, grasen.

Stilvoll eingerichtet präsentiert sich das helle Wohnzimmer. Im Hintergrund: Karl Pape, Waldemar Stor und Svenja Hornburg.

Svenja Hornburg und Waldemar Stor vor ihrem Fachwerkhaus-Neubau in der Grupenhäger Schulstraße. Sie planten es als modernes Gebäude nach altem Vorbild, aber mit neuester Technik.

Fotos: sbr



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