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Organisatoren der Großdemonstration am morgigen Samstag erwarten mehr als 15 000 Teilnehmer

Mit Flüchtlingstreck aus der „Störfallzone“

Grohnde/Weserbergland. Die angenommene Lage für die Großdemonstration des Anti-Atom-Plenums Weserbergland und vieler anderer Initiativen am morgigen Samstag ist klar: Im Atomkraftwerk Grohnde hat es einen schweren Störfall gegeben, bei dem radioaktive Stoffe freigesetzt werden und der als schnell ablaufendes Ereignis eingeschätzt wird. Zum Auftakt wurde am Dienstagabend auf die Kuppel des Reaktors ein breiter Riss gebeamt, der symbolisieren soll, dass in Grohnde der Reaktor schwer havariert ist. Anlass der Simulation ist die zweite Wiederkehr des Jahrestages der Katastrophe von von Fukushima. Dort geriet das AKW am 11. März 2011 nach einem Tsunami außer Kontrolle und verstrahlte massiv die nähere und Teile der weiteren Umgebung.

veröffentlicht am 07.03.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Die Demonstration an diesem Samstag wird nicht am AKW Grohnde stattfinden – stattdessen wollen die Organisatoren an der Grenze einer von ihnen definierten Sperrzone mit zahlreichen Aktionen die Kampagne „Grohnde abschalten“ unterstützen. Die Zone reicht von Hannover über Hildesheim nach Süden bis Göttingen, westwärts bis Beverungen, dann nördlich über Detmold, das Schaumburger Land mit Stadthagen und wieder nach Hannover. Anstatt vor dem Kernkraftwerk zu demonstrieren, planen die Hamelner Organisatoren diesmal einen „Flüchtlingstreck“ mit etwa 50 Fahrzeugen, wie Bernd Schlinkmann vom Anti-Atom-Plenum berichtet. Der Auto-Korso mit Ziel Beverungen soll die Evakuierung des von Verstrahlung bedrohten Gebiets symbolisch darstellen. Beverungen wurde als Ziel des Trecks ausgewählt, weil dort angenommen werde, dass die Evakuierten noch Unterkünfte finden würden.

Dass die Route des Flüchtlingstrecks auf der B 83 am AKW Grohnde vorbeiführt, ist für Schlinkmann zumindest ein Schönheitsfehler, „denn im Ernstfall wäre diese Strecke vermutlich gesperrt“, räumt der Atomkraftgegner ein.

Zusammengestellt wird der Treck am Samstag von 9 Uhr bis 9.45 Uhr auf der dafür extra gesperrten rechten Spur des Kastanienwalles. „Wir erwarten dabei keine größeren Verkehrsstörungen, denn um diese Zeit ist auch auf dem Wochenmarkt noch nicht so viel los“, meint der Organisator und hofft darauf, dass dem von der Polizei begleiteten Korso Sonderrechte eingeräumt werden und er nicht an jeder Ampel stoppen muss und dadurch zerrissen wird.

Im Internet wird auf der Seite www.grohnde-kampagne.de intensiv unter anderem mit täglichen „Bulletins“ für die Großdemonstration getrommelt. Die Zahl der Initiativen, die sich für die verschiedensten Standorte mit Dekontaminationsstellen, Jod-Tabletten, Informationsständen und bunten Aktionen haben eintragen lassen, ist inzwischen kaum noch überschaubar. „Was wer an welchem Standort genau macht, wissen wir auch nicht“, berichtet Schlinkmann, „aber der Fantasie der Akteure wird von uns keine Grenze gesetzt.“ Die Teilnehmer kämen teils von weither, erklärt Schlinkmann. „Wir erwarten auch Busse aus Hamburg und Berlin, die den Protest unterstützen wollen. Schließlich ist die Demonstration eingebettet in bundesweite Aktionen.“ Zu den teilnehmenden Organisationen zählen unter anderem der BUND, „Bielefeld steigt aus“, das „Schaumburger Bündnis gegen Atomkraft“, Greenpeace, Attac Hannover, die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW, Occupy Hildesheim, die Umweltgruppe Greenfairplanet, der Anti-Atomkreis Nienburg und das Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom. Außerdem gibt es an vielen Stellen sogenannte Atommüllfass-Patenschaften.

Die Kampagne rechnet mit mehr als 15 000 Teilnehmern auf und an den Straßen. „Damit wäre das die größte Demonstration gegen das AKW Grohnde, die es jemals ergab“, erläutert Schlinkmann. „Größer als die Demonstration nach der Katastrophe von Fukushima am AKW-Gelände und auch größer als die Zahl der Teilnehmer bei der Schlacht um Grohnde im Jahr 1977.“ Beendet wird die Großdemonstration um jeweils 14 Uhr mit Abschlusskundgebungen an sechs Standorten in Hannover, Hildesheim, Detmold, Göttingen, Minden und Stadthagen. Die Hamelner wollen sich am Ende dazu in Detmold treffen.

Optische Simulation eines Störfalls im Atomkraftwerk Grohnde: Auf die Reaktorkuppel wurde ein riesiger Riss gebeamt.

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