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Mit dem Multimarkt starben die kleinen Läden

Aerzen. Ein wenig erinnert die Umgestaltung des alten Aerzener Ortskern an die Geschichte der „Zehn kleine Negerlein“ (Originaltitel: Ten Little Indians), einem ursprünglich amerikanischen Zählreim in Liedform aus dem 19. Jahrhundert. Nur dass im Ortszentrum von Aerzen keine Menschen verschwinden, sondern Läden und ganze Gebäude und der Leerstand mehr und mehr um sich greift.

veröffentlicht am 05.10.2009 um 17:15 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 20:41 Uhr

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Von Sabine Brakhan

Aerzen. Ein wenig erinnert die Umgestaltung des alten Aerzener Ortskern an die Geschichte der „Zehn kleine Negerlein“ (Originaltitel: Ten Little Indians), einem ursprünglich amerikanischen Zählreim in Liedform aus dem 19. Jahrhundert. Nur dass im Ortszentrum von Aerzen keine Menschen verschwinden, sondern Läden und ganze Gebäude und der Leerstand mehr und mehr um sich greift.
 Einschneidend sind die zu beobachtenden Veränderungen aber nicht erst in der jüngsten Vergangenheit. Schon in den 70er-Jahren bewies die Gemeinde entlang der Osterstraße und des Reherweges „Mut zur Lücke“. Die damals entstandenen Freiflächen sind noch heute, Jahrzehnte später, unbebaut, fallen den Passanten aber nicht sofort ins Auge, weil sie sich mittlerweile ins Ortsbild eingefügt haben. Dort, wo früher an der „Krähenecke“ Kinofilme gezeigt, das Feierabendbier getrunken und Bälle gefeiert wurden, können jetzt gerade mal acht Autos parken. Und auch da, wo noch vor wenigen Jahrzehnten das zum ehemaligen Zimmerplatz gehörende Wohn- und Geschäftshaus stand, erstreckt sich heute der Parkplatz des örtlichen Nahversorgers. Die zum Markt- und Parkplatz umgestaltete Freifläche neben der Marienkirche sieht aus, als hätte dort nie ein Bauernhof, zwei Wohnhäuser sowie zahlreiche Schuppen und Garagen gestanden – haben sie aber. Sie mussten weichen.
Schleichender Rückzug
der Fachgeschäfte

 Unmittelbare Zeugin dieser Veränderung des Ortskerns ist Sigrid Pradler. Sie wohnt nicht nur an der Osterstraße, sie hat auch vielen Jahrzehnte lang das Schuhfachgeschäft ihrer Familie in zehnter Generation fortgeführt. „Man konnte die schleichende Entwicklung über Jahre hinweg beobachten und ich habe den Rückzug einzelner Fachgeschäfte aus dem Ortsbild immer sehr kritisch betrachtet. „Mit der Eröffnung des Multimarktes vor den Toren Hamelns begann das Sterben der kleinen Läden in Aerzen“, berichtet die ehemalige Geschäftsfrau. „Dass viele kleine Geschäfte mehr Lebensqualität in den Ort bringen, als ein großes, dass hat man, wenn überhaupt, viel zu spät erkannt. Leerstände sind für alle kein schöner Anblick“, so ihre Einschätzung. Was einmal aus der Geschäftsstraße Aerzens wird, wenn die Bundesstraße am Ort vorbeigeführt wird, bleibt abzuwarten. „Für die Tankstellen im Ort wird es gravierende Auswirkungen haben, wenn der Durchgangsverkehr nicht mehr durch den Ortskern fließt. Vielleicht nicht ganz so einschneidend wird sich die Situation auf die Einzelhandelsgeschäfte auswirken. Der Großteil der Kunden kommt aus Aerzen und den umliegenden Ortschaften“, lautet Sigrid Pradlers Prognose.

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