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An der Johann Comenius Schule arbeiten die Schüler erfolgreich mit Classcraft

Mit Computerspiel macht Mathe Spaß

EMMERTHAL. Das Urteil der achten Realschulklasse an der Johann Comenius Schule in Emmerthal lässt keinen Zweifel: Einstimmig votieren die Schüler dafür, dass der Mathe-Unterricht mit „World of Classcraft“ einfach gut ist. Besser als der Unterricht vorher? „Viel besser“.

veröffentlicht am 22.11.2017 um 13:46 Uhr
aktualisiert am 27.11.2017 um 18:20 Uhr

„Classcraft“ ist das „Zauberwerkzeug“, mit dem die Lehrerin Angela Beck ihre Schüler der achten Realschulklassen neu motiviert hat, bessere Leistungen zu zeigen. Foto: Classcraft
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
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„Mit XP, den Erfahrungspunkten, die wir bekommen, macht es viel mehr Spaß zu rechnen“, betont Gian. „Ist doch klar! Wir haben einfach Bock auf Computerspiele!“

Angela Beck, die Lehrerin der Klasse, probiert gern neue Wege in der Pädagogik aus. Weil sie einigermaßen frustriert von ihren Unterrichtserfahrungen mit unaufmerksamen Schülern und Lärm im Klassenzimmer war, nutzt sie seit gut einem Jahr das in Canada entwickelte „World of Classcraft“. Es ist ein, wie sie findet, „zeitgemäßes Belohnungssystem“. Für gute Mitarbeit im Unterricht und für positives Verhalten in der Klassengemeinschaft gibt es Pluspunkte. Wer nicht mitzieht oder Fehler macht, kann aber auch Lebenspunkte verlieren. Wer keine Punkte mehr auf seinem Konto hat, fällt im Kampf der Avatare, die sich die Schüler selbst gestalten können, und erhält per Zufallsprinzip eine Strafe. „Das ist aber seit Januar erst dreimal passiert“, erzählt sie. Ansonsten findet der Unterricht ganz normal statt.

Die Aufgabenstellungen, die Angela Beck auf dem Active Board, wie die elektronischen Schultafeln heute heißen, hervorzaubert, hat sie während der Unterrichtsvorbereitung in das Programm von Classcraft eingegeben. Am Stundenbeginn steigt die Spannung in der Klasse. Was erwartet sie heute beim Kopfrechnen? Wen wird das „Rad des Schicksals“ aufrufen? Wie schwer werden die Aufgaben sein? Aber jeder kommt dran und erhält seine Chance.

Angela Beck sitzt währenddessen am Laptop und gibt direkt die Punkte für die richtigen Ergebnisse ein. Am Actice Board können die Schüler verfolgen, wer schon wie viele Punkte hat. Joel hat soeben 60 XP hinzugewonnen und steigt eine Stufe auf. Die heißt natürlich anders – Level, genau wie in den Computerspielen und ist den Schülern begrifflich viel näher. Genau wie die „Charaktere“, die vielfach an Figuren aus den Pokemonserien erinnern. Sie sind eben kindgerecht. Joel hat gerade das 10. Level erreicht. Jetzt kann er endlich seine nächste Kraft freischalten. Die Erfolge zählen. „Und das motiviert uns“, erklärt Ben. „So macht Mathe richtig Spaß.“

„Vor Classcraft gab es keine richtige Klassengemeinschaft“, blickt Angela Beck zurück. „Die Schüler hatten kein Teamverhalten. Das hat sich schon nach kurzer Zeit sehr zum Positiven verändert. Die Schüler spielen in Teams und können sich mit ihren Kräften gegenseitig unterstützen.“ Wenn Angela Beck gegen Ende der Stunde noch einen Boss-Kampf ankündigt, wird es noch stiller und alle verfolgen konzentriert die Erklärungen und Übungen. „Ein Boss-Kampf ist wie ein kleiner Test“, erläutert die Pädagogin, „nur stellen sich die Schüler hier einem virtuellen Gegner und können ihn nur durch die richtigen Antworten besiegen. Gelingt ihnen das, wartet eine Belohnung auf die ganze Klasse. Da strengen sich alle doppelt an.“

Erfahrungspunkte XP, Lebenspunkte HP, Aktionspunkte AP und Kräfte – willkommen in der Welt von Classcraft. Weil es die Schüler abholt, wo sie schon zuhause sind, nämlich in der virtuellen Welt der Online-Spiele, steigt die Motivation und damit auch die Leistung. Was sie beim Spielen fasziniert, wird jetzt auch im Unterricht genutzt. Und dass dies funktioniert hat Angela Beck sehr schnell festgestellt. Mit Classcraft verbesserte sich der Leistungsstand einer Klasse rapide, während ihre zweite Klasse zurückblieb. Seit der Unterricht auch in dieser Klasse mit Classcraft stattfindet, hat sie wieder aufgeholt und ist jetzt auf demselben Stand wie die Konkurrenz.

Die Begeisterung von Angela Beck ist so groß, dass sie sich als „Botschafterin von Classcraft“ beworben hat und diesen Titel seit April als zweite deutsche Lehrerin führen darf, Kollegen in das Spiel einführt und auf YouTube auch schon zwei Videos hochgeladen hat. Auch Frau Aschenbrenner, die Rektorin der Johann Comenius Schule ist angetan von dem neuen pädagogischen Werkzeug. „Das Lernklima in den Klassen hat sich erheblich verbessert. Die Schüler sind motiviert und haben Spaß, im Unterricht ihre Leistung einzubringen. Drei Lehrkräfte wurden schon von der Begeisterung der Schüler und ihrer Lehrerin infiziert und praktizieren das Belohnungssystem jetzt selbst.“

Auch die Rückmeldungen aus der Elternschaft seien positiv, berichtet Angela Beck. Täglich können sie ihre Kinder für die Erledigung der Hausaufgaben oder auch für Unterstützung im Haushalt mit Goldpunkten belohnen. Ein Vater vergibt inzwischen Extrapunkte für Extralernzeiten in Mathe an seinen Sohn. „Er hat sich von einer 5 auf eine 3 verbessert.“ Das hat auch Frau Beck beeindruckt.

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