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Karl Saffer ist Schuhmachermeister – und schwört auf das traditionelle Handwerk seiner Zunft

Mit 84 Jahren zeigt er immer noch sein Können

Börry (gm). Das Museum für Landtechnik und Landarbeit in Börry hat wieder seine Pforten geöffnet. Die traditionellen Handwerksberufe stellt die Dewezet in einer neuen Serie vor – der zweite Teil befasst sich mit dem Beruf des Schuhmachermeisters Karl Saffer, der regelmäßig sein Können in Börry unter Beweis stellt.

veröffentlicht am 21.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:41 Uhr

An der Schleif- und Putzmaschine von Karl Saffer erhalten die So
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„Schuster, bleib bei deinen Leisten“ lautet ein Sprichwort, das bis heute über viele Generationen hinweg immer noch regelmäßig in verschiedenen Lebenssituationen angewandt wird. Selbst mit 84 Jahren ist der im schlesischen Trebnitz geborene und seit 1946 in Hajen beheimatete Schuhmachermeister Karl Saffer seinem Handwerk treu geblieben. Saffer, der 1953 seine Meisterschule im Schuhmacherhandwerk erfolgreich absolvierte und viele Jahre selbstständig war, gab Mitte der 60er Jahre konjunkturbedingt sein Geschäft auf und wechselte als angestellter Maschinenführer in die Industrie.

„Nebenbei habe ich natürlich in meiner hauseigenen Werkstatt in Hajen weiter geflickt und geschustert“, schmunzelt der liebenswürdige Senior. Heute werkelt Rentner Karl Saffer nur noch für Freunde und gute Bekannte, die die Qualität seiner Arbeit zu schätzen wissen.

„Ich kann damit kein großes Geld verdienen, ich möchte mir lediglich meine Fingerfertigkeit erhalten“, sagt Karl Saffer, der seit 16 Jahren die kleine Schuhmacherwerkstatt im Börryer Museum mit Leben erfüllt und besonders für die jüngeren Besucher immer der freundliche „Onkel Karl“ ist, in dessen Raum sie alles anfassen und ertasten dürfen. Wenn der Schuhmacher von früher erzählt, gerät er ins Schwärmen und verdeutlicht immer wieder, mit welch ideenreicher Kreativität sein Handwerk damals ausgeübt wurde. „Gummistiefel gab es vor 70 Jahren noch nicht“, erinnert sich der Schuhmachermeister. „Eine Schweineblase, die zwischen Oberleder und Futter eingearbeitet wurde, verhinderte das Eindringen von Nässe und Feuchtigkeit in den Schuhen, und die Socken blieben trocken“.

Die heute industriell gefertigten Schuhe sind für den ehemaligen Handwerksmeister keine wirkliche Herausforderung. „Die kann man maximal zwei bis drei Jahre tragen, und dann landen sie in der Altkleidersammlung“, meint Karl Saffer, der noch seine Hochzeitsschuhe besitzt.

Von Pechstein und Wildschweinborsten

Gerne erzählt er bei der Arbeit von früheren Zeiten. Zum Beispiel, dass Mädchen und Damen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ihre Schuhe in Ösen, Jungen und Männer ihr Schuhwerk durch Haken verschnürten. Und wenn Karl Saffer aus seiner Trickkiste erzählt, landet er immer wieder bei den Wildschweinborsten, die damals, genauso wie der selbst produzierte Pechstein, ein wichtiges und unverzichtbares Produkt in der ehemaligen Schuhherstellung bildeten. „Was heute geklebt ist, wurde früher mit Wildschweinborsten aus dem Nackenbereich der Schwarzkittel vernäht und hielt fast ein Leben lang“, betont der Schuhmachermeister, der alljährlich die Besucher des Museum für Landtechnik und Landarbeit mit seinen Geschichten unterhält.

An der Schleif- und Putzmaschine von Karl Saffer erhalten die Sohlen und Absätze ihre genaue Passform.

Foto: gm



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