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Schwieriges intellektuelles Sommervergnügen bei „Wege durch das Land“ in Hämelschenburg

Mehr Horwitz als Martin Luther

Hämelschenburg. Natürlich war der Schauspieler Dominique Horwitz der Star des Abends beim „intellektuellen Sommervergnügen“ der Reihe „Wege durch das Land“ in der kleinen Schlosskirche in Hämelschenburg. 45 Minuten las Horwitz Psalmen in der Originalübersetzung von Martin Luther. Und genau das war das Problem, denn Zeit, auch nur Sekunden die Texte zu reflektieren, ein wenig über sie nachzudenken, blieb dabei nicht. Wie Wolken zogen die Psalmen vorüber, ohne Spuren zu hinterlassen. Eigentlich viel zu schade, sie so im Galopp vorzutragen.

veröffentlicht am 01.08.2016 um 09:07 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:30 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Dabei hätte dies auch ganz anders sein können, denn die Camerata Kilkenney mit Maya Homburger (Violine), Sarah McMahon (Cello), Malcolm Brown (Truhenorgel) und der Bassist Matthew Brook intonierten mehr als ein Dutzend Stücke von Johann Sebastian Bach. Warum nur war das Programm nicht so angelegt, dass Dominique Horwitz die Psalmen zwischen diesen Kompositionen las? Dem Bedürfnis des aufmerksam und konzentriert lauschenden Publikums wäre damit sicher besser gedient gewesen.

Was aber reizt einen Schauspieler wie Dominique Horwitz, sich der prallen Sprache Luthers und der von ihm übersetzten Psalmen anzunehmen? Theologisches Interesse kann es kaum sein, denn Horwitz bezeichnet sich im Gespräch selbst als nicht religiös. „Für mich ist dies die Lesung eines Zeitdokuments, dass ich auch gar nicht interpretieren will.“ Ein Wunsch, der fern der Wirklichkeit blieb, denn Horwitz ist viel zu sehr Schauspieler und Komödiant, um die Texte nicht auch mimisch, mit starkem stimmlichen Ausdruck und seiner Lust an der Deklamierung in eine ganz besondere Form zu bringen. Und das mag das zweite Problem des Abends gewesen sein: Horwitz fehlt es vielleicht an der nötigen Demut, die Innigkeit und religiöse Bedeutung dieser Texte zum Vorschein kommen zu lassen. Was das Publikum erlebte, war ´mehr Dominique Horwitz als Martin Luther, aber auch das kann intellektuelles Vergnügen sein.

Weniger vergnüglich war die Lesung des Schriftstellers Peter Waterhouse aus seinem Aufsatz „Was alles heißt und wie alles heißt“, in dem er sich mit Luthers Übersetzungen der 150 Psalmen beschäftigt. Fasziniert von Klängen, Tönen und Modulationen habe er einen ausgesprochen sinnlichen Zugang zur Sprache, wurde Waterhouse in dem erklärenden Programmprospekt angekündigt. Sinnlich zumindest waren die Textstellen, die er vortrug, nicht, eher intellektuell sehr anstrengend, „spannend“, wie der eine oder andere Zuhörer im Anschluss anmerkte, was damit gemeint sein mochte. Wer auch immer auf den Gedanken kam, Waterhouse als intellektuelles Sommervergnügen anzukündigen, kann seinen Text vorab nicht gelesen haben; denn der eignet sich ganz prinzipiell nicht für eine Lesung dieser Art, wohl eher als Grundlage für ein erschöpfendes Seminar sprachvergleichenden Inhalts mit ausgiebiger Diskussion der von Waterhouse aufgestellten Thesen und Interpretationen. Der Beifall für Waterhouse hielt sich denn auch in Grenzen.

Der Schriftsteller Peter Waterhouse las aus seinem Aufsatz „Was alles heißt und wie alles heißt“. Foto: wft

Viel Beifall dagegen erhielten die Künstler der Camerata Kilkenny, die insbesondere nach der Pause zu großer Interpretationssicherheit fanden und sichtlich Spaß am Musizieren hatten. Schade, dass, leider wie bei solchen Konzerten üblich, nicht an der Kirchenorgel musiziert werden konnte, weil sonst dem Organisten der Sichtkontakt zu den anderen fehlt. Die Truhenorgel aber ist mit ihrem blassen Ton und der fehlenden Dynamik ihres Instrumentariums nicht wirklich ein bachtaugliches Instrument .



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