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Denkmalschutz und Eigentumsverhältnisse gelten als ungelöste Fragen / Zwischen Sanierung und Abriss

Marode Brücke – wer soll das bezahlen?

GROSS BERKEL. Fast schon gehört die marode Hummebrücke mit ihren Schildern, die Fußgängern und Radfahrern den gewohnten Weg verbieten, zum Bild in Groß Berkel. Seit Sommer 2016 hat die Gemeinde das Bauwerk gesperrt – und so recht weiß keiner im Dorf, wie es dort weitergeht. Die CDU fordert nun Antworten ein.

veröffentlicht am 16.02.2018 um 14:04 Uhr

Reagierten die Groß Berkeler zunächst empört zur Brückensperrung, ist inzwischen etwas mehr Ruhe beim Thema eingekehrt. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Friedel-Curt Redeker (CDU) will das Thema am Montag im Ortsrat vorbringen, nachdem er es bereits im Verwaltungsausschuss zur Sprache gebracht hatte. Die Verwaltung sollte „kurzfristig klären“, wie es mit den Eigentumsverhältnissen konkret aussehe.

Ungeklärt bleibt zwischen Land und Gemeinde die Frage, wem die denkmalgeschützte Brücke, über die bis zum Neubau der Bundesstraße Anfang der neunziger Jahre der Verkehr rollte, gehört. Und damit fühlt sich niemand für die Sanierung verantwortlich. „Ein Stück aus dem Tollhaus“, kritisiert der Ratsherr, dass seit seiner Anfrage im Rathaus mehr als ein Jahr vergangen sei. Von einem „unglaubwürdigen“ Gerangel spricht Redeker, dass die Verantwortung um Eigentum und Denkmalschutz hin- und hergeschoben werde. Solange die Brücke aber unter Denkmalschutz stehe, gebe es eine „moralische Verpflichtung“, das Bauwerk den Anforderungen entsprechend zu erhalten. „Das wird von jedem privaten Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes auch erwartet“, sagt er. Hinzu komme, dass er von den Mitgliedern des Ausschusses für die Dorferneuerung angesprochen worden sei. Da das Förderprogramm auslaufe, würde der Ausschuss die Arbeit bald einstellen. Zumindest war ja überlegt worden, die Sanierung der Brücke mit Geldern aus dem Förderprogramm zu finanzieren – was dann ja nicht mehr möglich sei, berichtet Redeker.

„Einfach ruhen lassen“ möchte Ortsbürgermeisterin Renate Oetzmann (SPD) das Thema, nachdem sich die Aufregung in Groß Berkel gelegt habe. „Ich glaube, die Fußgänger und Radfahrer haben sich daran gewöhnt“, sagt Oetzmann über die neue Situation. „Geld, das wir nicht haben“, dürfe nicht in das Bauwerk gesteckt werden, meint die Ortsbürgermeisterin, die bewusst „von ihrer persönlichen Meinung“ spricht.

Zumindest räumt Bürgermeister Bernhard Wagner ein, dass ihn die ungelösten Verantwortlichkeiten zu Eigentum und Denkmalschutz nicht behagen. Die Gemeinde habe zwar einen Rechtsanwalt beauftragt, die offenen Fragen zu klären, bei dem neben dem Land auch der Realverband ins Spiel komme. „Jeder hat eine eigene Auffassung“, sagt er. Wenig konkret werden will er zum Denkmalschutz, lässt aber anklingen, dass es dazu bei Land und Landkreis unterschiedliche Ansichten gebe. Zumindest hat die Gemeinde die Gelder für eine Sanierung, laut Bürgermeister auf 500 000 Euro grob geschätzt, aus dem Etat gestrichen.

Offener spricht bekanntlich Markus Brockmann als Hamelner Geschäftsbereichsleiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Selbst wenn es zum Ergebnis kommen sollte, dass dem Land die Brücke gehöre, „würden wir keinen Cent reinstecken, um sie funktionsfähig zu machen“. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sie nur für Fußgänger und Radwege gedacht sei, ergänzt er. Seine Behörde schätze die Sanierungskosten sogar auf 600 000 bis 800 000 Euro. Das Bauwerk mit den größten Schäden unter der Wasserlinie müsste von Grund auf saniert, Stein für Stein abgetragen, katalogisiert und neu aufgebaut werden. Vom Original würde nicht viel übrig bleiben – aus denkmalpflegerischer Sicht kann Brockmann darin keinen Sinn erkennen.

Mit Blick auf die ungeklärte Eigentumsfrage könnte darüber gestritten werden, wer nun für die Brücke zuständig sei. Aber er glaube, dass die beteiligten Seiten keinen Streit wollten. Zum Denkmalschutz gebe es Gespräche, weiß Brockmann. Ergebnis? Ein schwebendes Verfahren, meint er über eine mögliche Entscheidung. Aber seine Vermutung aus heutiger Sicht sei, dass die Brücke abgerissen werde. Vielleicht ein Hinweisschild, das später über das frühere Bauwerk aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erläuternd informiert – mehr nicht. Brockmann: Eine Ersatzbrücke werde es dort nicht geben.



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