weather-image
Königsförder Bio-Landwirt baut Pflanze an / Sterne-Koch schwört auf das „kleine Geschmackswunder“

Linsen erleben Renaissance im Weserbergland

Aerzen (ag). Linsensuppe hat so ziemlich jeder schon mal gegessen und auch davon gehört, dass im Alten Testament Jakob seinem Bruder Esau das Recht des Erstgeborenen mit einem Linsengericht abkauft hat. Heute hat sich das Image der Linse vom Arme-Leute-Essen zum Liebling der Sterneköche gewandelt. Aber woher kommen Linsen und wie werden sie angebaut? Seit letztem Jahr wachsen erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder Linsen im Weserbergland. Eberhard Schulz aus Königsförde, der mit seinem Sohn Arne die Aerzener Biolandbau KG führt, hat sich nach dem Skandal im Biolandhandel, bei dem Ende Februar 2011 in Linsen aus der Türkei Rückstände des Herbizids Glyphosat gefunden wurden, auf dieses Experiment eingelassen.

veröffentlicht am 13.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:41 Uhr

270_008_5741323_lkae102_1108.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Der regionale Großhändler aus Göttingen, Hermann Heldberg, hat bei uns angerufen und gefragt: Könnt ihr nicht mal versuchen Linsen anzubauen? Das haben wir dann getan und im April 2011 auf drei Hektar Fläche 60 Kilogramm Linsen zusammen mit 100 Kilogramm Sommerweizen ausgesät“, erzählt Eberhard Schulz, der vor über 35 Jahren in Göttingen Landwirtschaft studiert hat und zu den Pionieren im Biolandbau zählt.

Den Weizen braucht die niedrig wachsende Linse als Ranghilfe. Diese Mischkultur ist allerdings eine weitere Erschwernis. Denn bei der Ernte müssen Linsen, die kleiner sind und ein anderes aerodynamisches Verhalten haben, und Weizen durch Siebe und mit Wind wieder voneinander getrennt werden. „2011 hatten wir von den 3 Hektar Acker, das sind 30 000 Quadratmeter, 12 Tonnen Gesamterntegut, von denen zum Schluss rund 1000 Kilogramm Linsen übrig blieben“, berichtet Eberhard Schulz vom ersten Versuch. „Das ist ein Hobby, das Spaß macht, aber womit man kein Geld verdienen kann, weil der Aufwand einfach zu groß ist. Das Reinigen hat der Kollege Albert Hake von Bioland Auetal übernommen. Auch ein Pionier, der nicht alle seine Kosten berechnet, weil er Spaß daran hatte, das hier mal auszuprobieren.“ In diesem Jahr haben Eberhard Schulz und Sohn Arne ebenfalls wieder drei Hektar eingesät. Diesmal auf Rat von Experten etwas höher gelegen auf steinigem Boden, in Grießem am Pyrmonter Berg. Ende August ist Erntezeit.

Die Linse ist in Mitteleuropa eine der ältesten Kulturpflanzen in der Landwirtschaft. Betriebswirtschaftlich widerspricht sie allerdings allem, was man sich unter einem erfolgreichen Produkt vorstellt. Das zierliche Pflänzchen bringt mit seinen winzigen Früchten wenig Ertrag, wächst auf flachgründigen, steinreichen und kalkhaltigen Böden und ist aufwendig im Anbau und in der Ernte, da nicht alle Samen zur gleichen Zeit reif werden. Kein Wunder also, das der Anbau in Deutschland nach den 40er Jahren vollkommen zum Erliegen kam. Selbst auf der Schwäbischen Alb, wo Linsen mit Spätzle Nationalgericht sind. Dabei sind Linsen nicht nur geschmacklich, sondern auch von den Inhaltsstoffen her, ein sehr wertvolles Lebensmittel. Sie enthalten bis zu 30 Prozent Eiweiß in der Trockenmasse, dazu Vitamin B, Mangan, Phosphor und Zink.

270_008_5741321_lkae101_1108.jpg
  • In diesem Monat will Eberhard Schulz wieder Linsen ernten. Beim Anbau handelt es sich um Mischkultur. Die niedrig wachsende Pflanze benötigt Getreide als Rankhilfe. Fotos: ag

Für den Groß Berkeler Sternekoch Achim Schwekendiek, dessen Kochbuch „Linsen“ im deutschsprachigen Raum zu den Bestsellern der kulinarischen Literatur zählt, sind Linsen kleine Geschmackswunder. „Linsen sind Inspiration. Sie lassen sich mit allen Gewürzen kombinieren, sodass immer neue Geschmackskompositionen entstehen. Dazu sind sie prall gefüllt mit Nährstoffen“, schwärmt der Küchenchef des Schlosshotels Münchhausen, der als aktiver Sportler viel Wert auf gesunde Ernährung legt. Er zeigt in seinem Buch kreativ, wie vielseitig man Linsen in der Küche, auch jenseits von Suppe und Salat, zubereiten kann und warum Linsen sein Leibgericht sind.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt