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Im ehemaligen Park des Sophienhofs bei Schwöbber ist der Frühling erwacht

Letzte Zeugen des einstigen Dornröschenschlosses

Multhöpen/Schwöbber. Die Vögel stimmen im alten Baumbestand ihr Konzert an, Bärlauch-Duft liegt in der Luft und Abertausende von kleinen weißen Kobolden recken ihre Köpfe aus dem Waldboden – der Frühling ist im ehemaligen Park des Sophienhofs zwischen Multhöpen und Schwöbber erwacht.

veröffentlicht am 01.04.2016 um 15:22 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:48 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Neben den unzähligen Märzenbechern findet man unter anderem das blau blühende Lungenkraut, die gelben Blüten der Himmelsschlüssel sowie weiße Buschwindröschen und ganz vereinzelt am Wegrand auch schon die gesamte Farbpalette der Lerchenspornblüte von Weiß über Rosa bis hin zu Violett. Dieses alljährlich wiederkehrende Naturschauspiel wurde von einigen Bürgern in Frage gestellt, nachdem vor vier Jahren die Familie Popken als neue Besitzer des Naturschutzgebietes Hubert Wieseler von der zuständigen Revierförsterei Wördeholz mit der Baumpflege des rechtlich als Wald geltenden ehemaligen Sophienhof-Parks beauftragt hatte. Zahlreiche große Bäume seien damals lediglich aus Profitgier gefällt worden und die Forstarbeiten hätten der einzigartigen Flora und Fauna des Parks einen schweren, unwiederbringlichen Schaden zugefügt, lautete damals der Vorwurf aus der Öffentlichkeit. Schon vor vier Jahren hatte der Revierförster aber betont, dass die durchgeführten Maßnahmen lediglich dazu dienten, den Wildwuchs aus vielen Jahrzehnten Vernachlässigung zu regulieren und so dem alten Eichenbestand, den Esskastanien, dem Speierling, den Eiben und dem Hickorybaum Luft zum Wachsen zu verschaffen. „Einziges Ziel dieser von vielen Menschen als einschneidend empfundenen Maßnahme war und ist es, den historischen Baumbestand möglichst noch lange zu erhalten“, erklärt Wieseler auch heute. Über ein halbes Jahrhundert lang hatte der Landkreis als Eigentümer den Sophienhof größtenteils sich selbst überlassen und sogar das Wohnhaus Anfang der 1970er-Jahre abreißen lassen, das Otto von Münchhausen 1847 ursprünglich als Jungfernsitz für seine Töchter Lorette und Lucie bauen ließ. Der Sophienhof trägt seinen Namen übrigens in Erinnerung an die Gemahlin von Otto von Münchhausen, einem Enkel des „Hausvaters“, und ist ein Rest des Schwöbberschen Wildgartens, der ursprünglich nicht durch eine Landstraße vom Schlosspark abgeschnitten war. Heute kann man sagen, dass der erfahrene Revierförster mit seiner Einschätzung recht behalten hat. Die Natur hat sich erholt und auch die Spuren der schweren Maschinen im Waldboden sind verschwunden, so wie Wieseler es vor vier Jahren angekündigt hatte. Märzenbecher und Bärlauch haben alles wieder mit einem duftenden weiß-grünen Teppich überzogen. Und auch die Vogelwelt hat sich vom Krach der Motorsägen und Forstmaschinen nicht in die Flucht schlagen lassen und ihre Bruthöhlen in den Stämmen der alten, zum Teil bereits abgestorbenen Bäume wieder bezogen. Den Grundstein für diesen ornithologischen Reichtum auf dem Sophienhof hatte Staats von Wacquant-Geozelles (1862-1944) gelegt. Er war Biologe und hatte im Dienst der Wissenschaft viele Reisen unternommen. Seinen Lebensabend verbrachte der Junggeselle bei seinen ebenfalls unverheirateten Schwestern Sophie Auguste (1859-1937) und Anna (1864-1946) auf dem Sophienhof. Anna, genannt Aenne, war die letzte private Besitzerin des über fünf Hektar großen Anwesens, das sie 1941 einschließlich der Holzgerechtsame auf Rentenbasis dem Landkreis Hameln-Pyrmont übereignete. Ganz so düster, wie die drei Geschwister die Zukunft ihres Nachlasses vorhergesehen hatten, ist es dank des Engagements der Familie Popken und des Revierförsters Hubert Wieseler nun doch nicht gekommen: „Was wir hundert Jahre hegten, nach uns vier Jahre zerfegten“ ließen die Geschwister, nichts Gutes ahnend, auf ihren Grabstein auf dem Friedhof von Grupenhagen schreiben. Was das kleine „Dornröschenschloss“ betrifft, sollte das Trio zwar recht behalten.

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