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Neuer Eigentümer setzt auf Konzept mit Handel und Dienstleistungen

Leerstände im Einkaufszentrum – ein schwieriges Geschäft

AERZEN. Seine Erwartungen für die Zukunft des Aerzener Einkaufszentrums hatte der Investor eigentlich höhergesteckt, wie der neue Eigentümer Ralf Kemper aus Georgsmarienhütte einräumt, dennoch: Zwei Jahre nach Kauf der Immobilie mit knapp 3000 Quadratmeter Verkaufsflächen in mehreren Ladenlokalen sieht er zumindest gute Aussichten, dass wieder Leben in die Räume einkehrt.

veröffentlicht am 28.08.2018 um 11:46 Uhr
aktualisiert am 28.08.2018 um 17:18 Uhr

Nach und nach verließen die großen Mieter das Einkaufszentrum. Nachfolger waren lange Zeit nicht in Sicht. Der Eigentümer setzt deshalb auf ein anderes Konzept. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Statt komplett mit Handel hofft er auf neue Chancen für das Gebäude, indem es künftig als gemischtes Dienstleistungs- und Geschäftszentrum genutzt wird. Sichtbares Zeichen: Erste Bereiche sind bereits eingerüstet. Im ehemaligen Trakt von Rewe, der vor einigen Jahren einen größeren und moderneren Neubau auf der gegenüberliegenden Seite bezogen hat, soll es künftig freitags bis sonntags Trödel-, Floh- und Antikmärkte sowie Musikveranstaltungen geben, statt Bäckerei sieht der neue Mieter einen Imbiss, im Getränkehandel ein Bistro vor. Für zwei weitere frühere Läden sei er in Gesprächen mit Pflege- und Sozialdiensten, berichtet Kemper auf Nachfrage weiter.

Als er mit seinem Bruder im September 2016 die Immobilie gekauft habe, seien sie „durchaus optimistisch“ an die Aufgabe unter dem Stichwort „Revitalisierung“ herangegangen. Das Projekt erwies sich aber als schwieriges Geschäft mit meist ergebnislosen Verhandlungen. „Wir haben erkannt, dass das Einzelhandelskonzept unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr aufgeht“, sagt der Neubesitzer. Viele Gespräche mit den „üblichen Unternehmen“ von Nahversorgern über Drogerien bis hin zu Textilien und Schuhen seien ohne Erfolg geblieben. Sie würden nur auf die geringe Einwohnerzahl von Aerzens Kernort und den Einzugsbereich blicken und dann abwinken, lautete die Erfahrung. Wenn sie vor Ort sehen würden, dass der neue Rewe trotz der Nähe des Multimarktes viele Kunden an sich binde, hätten sie vielleicht anders entschieden, vermutet Kemper. „Hätten wir das alles vorher gewusst, hätten wir das Einkaufszentrum nicht gekauft“, räumt er ein. „Dann sind wir zu dem Punkt gekommen: Wir bringen das mit einem brauchbaren Konzept zu Ende.“

Fachlichen Rat holten sich die Investoren dabei von dem Industriemakler Eckhard Hauptmeier aus dem Raum Herford, von dem das neue Konzept stammt. Geändertes Kundenverhalten mit immer mehr Einkäufen über das Internet und der Trend zu Risikominimierung bei den Unternehmen würden dafür sorgen, dass die Zeiten großer Zentren vorbei seien. Selbst in den neunziger Jahren, als das Einkaufszentrum in Aerzen von einem dänischen Konsortium errichtet worden sei, hätte sich abgezeichnet, dass der Zenit für große Märkte überschritten gewesen sei, erklärt der Makler seine Einschätzung. „Und dass heute noch ein großer SB-Markt entstehen könnte, ist kaum noch vorstellbar“, sagt Hauptmeier. Bei den gemeinsamen Überlegungen sei zuletzt alles auf den Prüfstand gekommen, was für Aerzen einen Nutzen bringen könne. Durch einen Zufall sei das Konzept des Hamelners mit den Märkten und gastronomischen Angeboten in den ehemaligen Räumen des Nahversorgers mit insgesamt 1500 Quadratmeter Fläche aufgekommen. Der Mieter will derzeit seinen Namen noch nicht öffentlich nennen, sei in Gesprächen mit den Behörden, wie er auf Nachfrage sagt. Er plane ein Oktoberfest als eine der ersten Veranstaltungen, lässt er zum Zeitplan durchblicken.

Neues Konzept unter veränderten wirtschaftlichen Bedingungen: der neue Eigentümer Ralf Kemper (re.) und Industriemakler Eckhard Hauptmeier vor dem eingerüsteten Gebäudeteil, in dem früher Rewe und eine Bäckerei untergebracht waren. Foto: cb
  • Neues Konzept unter veränderten wirtschaftlichen Bedingungen: der neue Eigentümer Ralf Kemper (re.) und Industriemakler Eckhard Hauptmeier vor dem eingerüsteten Gebäudeteil, in dem früher Rewe und eine Bäckerei untergebracht waren. Foto: cb
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Einige Mieter waren dem Standort bis zuletzt treugeblieben. Bestand haben weiterhin der Bekleidungs-Discounter NKD (Kemper: „Der Vertrag wurde gerade verlängert“) und die Versicherung. Wo bis Ende 2016 der Aldi bis zu seinem endgültigen Abschied von Aerzen seine Filiale hatte, nutzt derzeit ein heimisches Industrieunternehmen vorübergehend die 700 Quadratmeter großen Räume als Lager. Dort wie im benachbarten bereits noch längere Zeit leerstehenden ehemaligen Schlecker (300 Quadratmeter) erhoffen sich die Investoren bald Mieter aus dem Pflege- und Sozialbereich, wie sie sagen. „Die Gespräche laufen“, sagt Kemper.

Ob sich nun nur die zweitbeste Lösung abzeichnet? „Umso länger wir darüber nachgedacht haben, umso mehr halten wir diese Mischung für die sinnvollste Lösung“, hält Kemper mit dem nun angestrebten Konzept entgegen. „Wir sind optimistisch, dass wir alle Läden vermieten können und damit das Einkaufszentrum wieder ein Gesicht bekommt.“



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