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Der Mann, der sich „Stilles“ nennt und für Aufsehen sorgt

Lebenskünstler mit Esel

KIRCHOHSEN. Dreadlocks und Zylinder auf dem Kopf und einen weißen Esel am Halfter – Heiner Meisoll wollte erst gar nicht glauben, was für ein Trio er da auf dem Ohsener Kirchhof antraf. „Stilles“, wie sich Stefan Maria Herkenrath nennt, hatte sich ein schattiges Plätzchen unter der alten Eiche für sich und seine beiden tierischen Begleiter gesucht, Esel und Hund mit Wasser und Futter versorgt und sich anschließend zur Siesta auf der Bank niedergelassen.

veröffentlicht am 09.08.2018 um 17:39 Uhr

Der Wahlsachse „Stilles“ und sein Esel „Kaiser Ben“ haben in Emmerthal Station bezogen. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Keine alltägliche Begegnung im Ort, die den Emmerthaler irgendwie an „Bremer Stadtmusikanten“ erinnerte und eigentlich schon aufgrund ihrer Kuriosität in die Zeitung gehört, war er der Meinung und griff zum Handy. Und die Geschichte, die der Wahlsachse mit österreichischem Akzent zu erzählen hat, ist tatsächlich so skurril, wie sein Erscheinungsbild: Über eine Verkaufsanzeige im Internet war er auf einen Esel aufmerksam geworden, mit dem er eigentlich durch Spanien wandern wollte. Vor Ort musste er aber feststellen, dass das Tier nicht artgerecht gehalten worden war.

„Stilles“ kaufte das Tier aus Mitleid trotzdem, verabschiedete sich aber von seinen Wanderplänen im Ausland und machte sich stattdessen gemeinsam mit der Neuerwerbung in Richtung Sachsen auf, wo er dem Tier in Gnandstein auf einem ehemaligen ritterlichen Nebengelass ein neues Zuhause bieten möchte, erzählt er munter. Allerdings ist „Stilles“ erst einmal nur bis nach Bad Essen gekommen, wie Recherchen ergaben. Die Kurverwaltung vor Ort vermittelte seinen Esel übergangsweise für ein paar Tage als Einsteller an Alexandra Begemann, wie diese auf Nachfrage berichtet. Das Tier sei aber in einem so schlechten Allgemeinzustand gewesen, sodass die Tierheilpraktikerin und Pferdephysiotherapeutin bereit war, das Tier letztendlich über sechs Wochen in ihrem Stall zu beherbergen und weiter aufzupäppeln, bis aus veterinärmedizinischer Sicht eine Weiterreise vertretbar war. Grünes Licht gab Dietmar Helms, Tierarzt aus Espelkamp, der das Tier abschließend untersuchte, wie er bestätigt.

„Ich habe in der Zwischenzeit, während der Esel auf dem Pferdehof Begemann untergebracht war, meinen Wohnort von Dresden in die Nähe von Leipzig verlegt und alles für unsere Ankunft vorbereitet“, berichtet „Stilles“. Als nächstes Etappenziel hat er die Münchhausenstadt Bodenwerder gewählt. Da er nur in den kühleren Morgen- und Abendstunden unterwegs ist, kann er noch nicht genau sagen, wie lange seine Tour insgesamt dauern wird. „Der Kontakt zu den Menschen entsteht über die Tiere. Überall, wo ich hinkomme, wird ihnen sofort frisches Wasser und Futter angeboten“, ist der selbst ernannte Berufs-Kunstmaler – „Lebenskünstler“ würde ihn sicher besser beschreiben – von der Gastfreundschaft der Menschen in der Region begeistert. Die Hinterlassenschaften seines Esels auf dem Ohsener Kirchhof allerdings hat er „vergessen“ zu entfernen. Vielleicht seine ganz persönliche Art, Dankeschön für ein schattiges Plätzchen zu sagen …



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