weather-image
13°
Weil Banken bei Krediten Sicherheit fordern: Gutachter führen Messungen durch

Lasertechnik im Einsatz für Windpark

Emmerthal. Weil Banken hohe Anforderungen an die Kreditvergabe für Windparks stellen, finden zwischen Grohnde und Kirchohsen umfangreiche Messungen statt. Ein Wind-Gutachterbüro nutzt modernste Lasertechnik, um in einem Zeitraum von zwölf Monaten Daten für ein Ertragsgutachten zu erstellen.

veröffentlicht am 23.02.2016 um 15:15 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

270_008_7835083_lkae105_cb_1802.jpg
Christian Branahl

Autor

Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Erst herrschte ruhiges Hochdruckwetter. „Mäßige Voraussetzungen“ für Windräder, räumen die Experten vor Ort ein. Nordostströmung – „eher untypisch“. Sie führen Messungen durch, bevor die Windkraftanlagen zwischen Kirchohsen und Grohnde in die konkreten Planungen gehen. Kurz darauf folgten am Wochenende stürmische Böen. Kontrastprogramm. Allerdings: Es handelt sich nicht um Momentaufnahmen. Zwölf Monate lang zeichnet ein unabhängiges Fachbüro die Winddaten in verschiedenen Höhen auf. Modernste Laser-Technik kommt zum Einsatz. Was Meteorologen bereits nutzen, leistet nun in ähnlicher Form Dienste, um die Windgeschwindigkeiten zu messen. Inzwischen gilt die Technik als so ausgereift, dass Messmasten nicht mehr erforderlich sind. Für die Experten nur ein erster Schritt, um die Wirtschaftlichkeit der Anlagen zu überprüfen, wie Stephan Fiedler von dem weltweit agierenden Unternehmen DNVGL mit Sitz in Hamburg sagt.

Was in dem eingezäunten Gelände unterhalb des Scharfenberges geschieht, ist für den Experten „technisch relativ simpel“. Es beruhe auf dem Doppler-Effekt. Einfach? Definitionssache halt. Das Gerät schießt ungefährliche und nicht sichtbare Laserstrahlen in unterschiedliche Neigungen in die Höhe. Luftteilchen – hier Aerosole – reflektieren sie in verschiedenen Luftschichten, wie Fiedler erklärt. Damit lassen sich die Windgeschwindigkeiten und -richtungen sowie Turbulenzintensität in der gesamten Luftsäule bestimmen, die ein integrierter Computer berechnet. Und zwar in Höhen bis über 200 Meter, wo sich künftig nach Wunsch der Investoren Rotoren drehen sollen.

Das Unternehmen Ebert Erneuerbare Energien (Kiel und Cremlingen), das dort bis zu acht Anlagen mit maximal 141 Meter Nabenhöhe und 65,5 Meter Rotorradius plant, hält das Gelände für geeignet. Der für Emmerthal zuständige Projektleiter Christian Nowack verweist auf erste interne Ertragsberechnungen auf Grundlage vor allem von Daten des Deutschen Wetterdienstes. Sie hätten ein wirtschaftliches Ergebnis ergeben. „Ein akkreditiertes externes Windgutachterbüro hatte diese Annahmen anschließend bestätigt“, berichtet er.

Kritiker des Projektes von der Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal“ ziehen diese Daten immer wieder in Zweifel. Ausgerechnet im Windschatten des Scharfenberges sollen sich Rotoren drehen? Die Gegner führen deshalb die fehlende Eignung des Geländes als ein Argument an. Selbst das Berliner Fachbüro, das für die Gemeinde die Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen plant, räumte ein: Das Gelände zwischen Grohnde und Kirch-ohsen sei nicht optimal. Allerdings seien die Werte für einen „wirtschaftlichen Betrieb ausreichend“.

Die Investoren sind sich ihrer Sache schon aufgrund bislang vorliegender Daten sicher, wie Nowack sagt, doch kommen die Planer mit der zweiten Windmessung einer externen Forderung nach: Die Banken wollten sich absichern, wie er erklärt. Bei der Kreditvergabe für Windparks forderten die Institute Ertragsgutachten von zwei unabhängigen und akkreditierten Gutachterbüros. Grundlage seien dafür Richtlinien, die seit 2014 noch strengere Vorgaben machten. Der Blick geht in Richtung Ilsetal, wo sich auf dem Kleinen Berg in Börry die bislang einzigen Rotoren im Gemeindegebiet drehen, dahinter der Windpark nahe Esperde auf Holzmindener Gebiet. Selbst wenn Betriebsdaten von den Anlagen vorliegen würden: Gutachter halten das Gebiet zwischen Grohnde und Kirchohsen für zu komplex, um von bestehenden Anlagen in der Umgebung Vergleichsdaten berücksichtigen zu können, wie Nowack erläutert. An den Laser-Messungen führt kein Weg vorbei.

Inzwischen sendet das Messgerät laufend die eingehenden Winddaten an die Experten des Hamburger Unternehmens. Damit hört die Arbeit nicht auf. Die Ergebnisse aus den zwölf Monaten werden in den Langzeitvergleich aus 20 Jahren eingebettet, auf Basis von Gelände- und meteorologischen Daten folgen Berechnungen für Windströmung in bestimmten Nabenhöhen und an möglichen Standorten der Anlagen. Die Auswirkungen benachbarter Masten auf die Strömungsverhältnisse nennt Fiedler als weiteres Kriterium für die Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Und: Selbst mögliche Abschaltzeiten für die Rotoren, beispielsweise durch die laut Verfahren auch im Bereich des geplanten Windparks ermittelten Rote Milane oder Fledermäuse, beziehen die Experten mit ein. Um auf Nummer sicher zu gehen, erhält ein zweiter unabhängiger Gutachter das Datenmaterial, um es erneut auszuwerten.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt