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Anwohner in Börry und Brockensen fordern Tempo 30 – zumindest während der B 83-Bauarbeiten

Lärm durch Umleitung: Warum eigentlich keine 30er-Zone?

EMMERTHAL. Die Bundesstraße 83 zwischen Kirchohsen und Grohnde wird derzeit saniert. Die offizielle Umleitungsstrecke führt Verkehrsteilnehmer ab Emmern über die Landesstraße 431 und 429 über Welsede nach Grohnde. Dennoch nutzen viele Verkehrsteilnehmer auch die Strecken auf der anderen Weserseite. Eine Belastung für die Bewohner der Ilsetal-Dörfer.

veröffentlicht am 11.06.2019 um 12:46 Uhr
aktualisiert am 11.06.2019 um 13:40 Uhr

Tempo 30, wie auch in Latferde: Anwohner in Börry und Brockensen fordern eine Reduzierung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Foto: MW
Maximilian Wehner

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Autos, Motorräder und LKWs. Immer wieder sieht man sie derzeit durchs Ilsetal rollen. Denn viele Verkehrsteilnehmer weichen lieber auf die kürzeren Umleitungsstrecken auf der anderen Weserseite aus, als die offizielle Umleitungsstrecke zu befahren. Auch Google Maps schlägt als erste Route den Weg über Börry und Brockensen vor.

Besonders schlimm sei laut einigen Anwohnern der Schwerlastverkehr, der regelmäßig durch die kleinen Ilsetal-Dörfer braust. Die ersten Anwohner beschweren sich schon – über zu schnelle Fahrzeuge oder darüber, dass keine Temporeduzierung erfolgt ist.

Börrys Ortsbürgermeister Rolf Keller hat sich bereits an den Landkreis gewandt und um eine Reduzierung der Geschwindigkeiten gebeten. „Ich habe den Antrag auf 30 km/h für Börry und Brockensen gestellt.“Brisant hierbei: Das Bildungshaus Ilsetal liegt nur wenige Meter von der Hauptstraße entfernt, wo Brummis und Autos mit rund 50 Sachen um die Kurve donnern – laut Tobias Berger, Anwohner in Börry, eine Gefahr für die Kinder. „Wir machen uns generell stark für Tempo 30 auf dem Klink – allein schon wegen der Schule und der Kita“, sagt er.

Doch während der Bauarbeiten an der Bundesstraße 83 die Geschwindigkeit in Börry und Brockensen nicht zu reduzieren, sei merkwürdig. Besonders weil Tempo 30 in Latferde und Hajen eingeführt worden ist. Nur da könne der Schwerlastverkehr sowieso nicht lang fahren, da die Strecke in Daspe über die einspurige Brücke „Blaues Wunder“ nach Hehlen führt, und es dort eine Beschränkung von 16 Tonnen gibt. „Es ist der pure Wahnsinn, was hier los ist“, beschwert sich Berger über den Schwerlastverkehr, der täglich durch den Ort rast. Für die Kinder der Schule werde schon extra ein Lehrer abgestellt, um die Kinder sicher zum Bus zu geleiten.

Eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 km/h fordert auch Hans-Jürgen Stolte aus Brockensen – am besten für immer. Die Lärmbelästigung sei schon sehr hoch, besonders nachts, wenn die großen Laster durchs Dorf fahren. „Man merkt, ob ein Verkehrsteilnehmer sich an die Geschwindigkeit hält, oder schneller ist.

Die Standard-Geschwindigkeit ist in Brockensen 60 bis 70 km/h“, meint er. Mit einem 30er-Schild könne der Verkehr zumindest ein wenig ausgebremst werden. „So ein 30er-Schild hat einen psychologischen Effekt. Vom Kopf her drückt man automatisch auf die Bremse“, meint der Brockensener. Er freue sich aber auch über die derzeitige Temporeduzierung in Latferde.

Das sei der richtige Schritt. Da hielte sich zwar auch keiner an die Geschwindigkeit von 30 km/h. Aber somit fahren Verkehrsteilnehmer seiner Meinung nach nicht 60 oder 70 km/h, sondern Tempo 40 oder 50. In Brockensen ist die Lage für Stolte klar: Eine Begrenzung der Geschwindigkeit auf Tempo 30 muss kommen. Dann wird der „Verkehr langsamer, die Geräuschkulisse geringer, das Leben gesünder.“

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung wird es aber in Börry und Brockensen nicht geben, teilte Landkreissprecherin Sandra Lummitsch gegenüber der Dewezet mit. Es gebe eine offizielle Umleitungsstrecke, betont sie. Bereits im Vorfeld der Baumaßnahmen habe die Gemeinde Emmerthal geäußert, dass viele Verkehrsteilnehmer, wie schon bei vergangenen Bauvorhaben auf der B 83, auf die andere Weserseite ausweichen. „Da ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zwischen Hajen, Latferde bis Kirchohsen erwartet wurde, wurde für die Ortsdurchfahrten Hajen und Latferde eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h vorgesehen und auch angeordnet.“

Für Börry und Brockensen sehe der Landkreis keine Reduzierung auf Tempo 30 vor. Dies sei auch nach einer Verkehrsbesprechung mit Vertretern der Niedersächsichen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, der Polizei-Inspektion Hameln-Holzminden, sowie dem Landkreis, herausgekommen, heißt es aus dem Kreishaus. „Bei der L 424 handelt es sich um eine Landesstraße, die aufgrund der Klassifizierung auch für den überörtlichen Verkehr vorgesehen ist.

Eine wesentlich höhere Verkehrsbelastung der L 424 konnte, auch nach Beobachtung der Polizei, in dem genannten Bereich bis Halle, bisher nicht festgestellt werden.“ Da die Ortsdurchfahrt in Börry eng und kurvenreich sei, könne sowieso nicht so schnell gefahren werden.

Auch ein direkter Zugang der L 424 ist laut dem Landkreis beim Bildungshaus Börry nicht gegeben, da die Grundschule nicht direkt an der Landesstraße, sondern an der etwas zurückliegenden Schulstraße liegt. „An der Ortsdurchfahrt Brockensen liegen nur wenige erschlossene Grundstücke, der Charakter einer „richtigen“ Ortsdurchfahrt ist kaum gegeben. Tempo 30 wäre kaum nachvollziehbar“, stellt der Landkreis klar.

So dürfen Verkehrszeichen zur Geschwindigkeitsregelung nur aufgestellt werden, wenn eine zwingende Notwendigkeit bestehe. Diese bestehe zurzeit in Börry und Brockensen nicht.



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