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Streichquartett bietet ungewöhnlichen Musikabend in der Domänenburg

La Finesse macht Station in Hollywood

Aerzen. Den Begriff „Streichquartett“ umweht immer etwas Elitär-Artifizielles. Es sei denn, man trifft auf die vier ausdrucksstarken Damen ihres Faches vom Ensemble „La Finesse“. Sie haben das Klassik-Genre kräftig gegen den Strich gebürstet und setzen damit unglaublich perfekte Akzente, die auch in der ausverkauften Domänenburg das Publikum von den Stühlen reißt. Bereits der Beginn lässt aufhorchen - Rossinis Ouvertüre zu „Der Babier von Sevilla“. Aber La Finesse wäre nicht La Finesse, wenn sie es dabei belassen würden. Kurzerhand machen sie aus dem Stück eine Hommage an den Meister des Crescendos und packen dreizehn seiner erfolgreichen Schaffensjahre in ein Stück. Inklusive der „Diebischen Elster“ und der Stretta der Wilhelm-Tell-Ouvertüre. Doch die vier Musikerinnen sind nicht nur in der klassischen Welt zu Hause. In Aerzen wird ein musikalischer Rundumschlag von Filmhits, über raffiniert arrangierte Evergreens bis hin zu virtuosen Miniaturen eines Leroy Anderson geboten. Und das Publikum wird aktiv beteiligt. Andersons „Typewriter“ etwa wird von der berühmten Schreibmaschinen-Glocke aus dem Publikum ebenso begleitet wie Henry Mancinis „Baby Elephant Walk“, bei dem die Zuschauer rhythmisch Papier zerreißen. Virtuos präsentieren sich die vier Damen als perfekt aufeinander abgestimmten Streichquartett auf der Bühne, das sich wohltuend vom bisher üblichen Konzertbetrieb abhebt. Dabei können sie auch den berühmten John-Williams-Bombast grandios in musikalische Töne umsetzen. Die siebenminütige Suite aus den „Star-Wars-Filme“ ist der heimliche Renner des Abends, umgesetzt als Tour de force durch den Weltraum. Die Arrangements stammen zum großen Teil aus der Feder der Cellistin Birgit Förstner. Sie weiß nicht nur die Klangvielfalt und den Esprit der Quartettbesetzung optimal einzusetzen, sondern führt auch charmant durch das Programm. „Etwa dreißig Mal habe ich Fluch der Karibik gesehen, um die Musik für uns zu arrangieren“, gibt sie unumwunden zu, um augenzwinkernd anzufügen: „Das Beste daran ist allerdings, dass ich es steuerlich absetzen konnte.“ Doch auch die leisen Töne wissen La Finesse perfekt anzustimmen. Ennio Morricones Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ - im Original mit der Mundharmonika gepielt - braucht keine Originalinstrumentation, wenn sich La Finesse der Sache annehmen. Sie produzieren ein unglaubliches Gänsehautgefühl in dieser wunderbaren Gesangslinie. Ein ungewöhnlicher Abend mit mehreren Zugaben, der den Ohren einen unglaublichen Hochgenuss geboten hat.

veröffentlicht am 25.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:48 Uhr

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Autor:

Stefan Bohrer
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Die Damen von La Finesse haben auch das Klassik-Genre kräftig gegen den Strich gebürstet.boh



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