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Von manipulierten Wasserzählern bis hin zur Gesundheitsgefährdung: Gemeinde will härter durchgreifen

Kostbares Nass – Sparsamkeit mit Folgen

EMMERTHAL. Treibt übertriebene Sparsamkeit einige Emmerthaler dazu, nicht nur den Verbrauch von Trinkwasser zu senken, sondern mit illegalen Methoden ihre Kosten zu drücken? Unter Hinweis auf aktuelle Beispiele der vergangenen Monate geht Bürgermeister Andreas Grossmann zumindest davon aus, dass einige Einwohner bewusst gegen die Auflagen verstoßen – in einem besonders eklatanten Fall sei sogar die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden.

veröffentlicht am 16.11.2017 um 15:59 Uhr

In den vergangenen Monaten sind der Gemeinde mehrere Verstöße zum Thema Trinkwasser bekanntgeworden. Foto: dpa
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Längst gehe es nicht nur darum, dass Verbraucher sich selbst an den Wasserzählern zu schaffen machten. Ein Hauseigentümer hätte sogar einen privaten Brunnen so an die Leitungen angeschlossen, dass eine Gefährdung anderer Verbraucher über das öffentliche Trinkwassernetz möglich gewesen wäre. Nun bekommen in den nächsten Tagen alle Emmerthaler Haushalte Post aus dem Rathaus. In einem Merkblatt zeigt die Gemeinde auf, welche Verstöße bewusst oder unbewusst möglich seien. Und: Grossmann setzt dabei eine Frist für Selbstanzeigen, in der auf eine Strafverfolgung verzichtet werde. Das sei schon ein gewisser Druck, der aufgebaut werde, räumt er ein. Kein Generalverdacht, gegen den er sich schon in politischen Debatten verwahrt habe, „eher der erhobene Zeigefinger“. Es sei aber von einer „gewissen Dunkelziffer“ auszugehen. Dass die Gemeinde verstärkt gegen Verstöße („Kein Kavaliersdelikt“) vorgehe, begründet der Bürgermeister mit zwei Argumenten. Andere Gebührenzahler dürften dadurch nicht unnötig finanziell belastet werden, vor allem aber: Gesundheitliche Risiken für andere Emmerthaler müssten ausgeschlossen werden. Schließlich gehe es um ein „kostbares Lebensmittel“, das die Gemeinde liefern wolle.
Tricksereien mit finanziellen Folgen: In einem Fall wurde die geeichte Wasseruhr gegen einen alten Zähler ausgetauscht, obwohl dies nur autorisiertem Personal erlaubt ist. Die geeichte Wasseruhr war nicht mehr auffindbar. Dadurch konnte der tatsächliche Wasserverbrauch nicht ermittelt werden, so dass eine Schätzung vorgenommen wurde. Da es sich in diesem Fall um ein Mietobjekt handelte, war nicht ermittelbar, wer die Wasseruhr ausgetauscht hat, sodass die Gemeindewerke auf eine Strafanzeige verzichten mussten. Als weiteres Beispiel nennt die Gemeinde einen Hauseigentümer, der eigenmächtig die Wasseruhr ausgebaut habe. Sie sei fehlerhaft gewesen, der Wasserdurchfluss dadurch begrenzt worden, meinte er. „Eine Überprüfung der Wasseruhr zeigte jedoch, dass diese tadellos funktioniere“, heißt es aus dem Rathaus. Diese Tricksereien kommen teuer zu stehen. Neben den Gebühren bekamen diese Kunden auch die Auslagen der Gemeinde in Rechnung gestellt, denn, so der Bürgermeister: „Die Gebührenzahler haben durch diese widerrechtlichen Eingriffe deutlich höhere Kosten gehabt als für sie notwendig gewesen wäre.“
Gefährdung der Gesundheit – der Staatsanwalt ermittelt: Schlimmere Folgen für andere Verbraucher hätte das Verhalten eines weiteren Hauseigentümers haben können, der nach einer anonymen Anzeige bekannt wurde. Die Gemeinde nahm daraufhin zusammen mit der Polizei eine Hausdurchsuchung vor. Der Besitzer hatte hinter der Wasseruhr einen privaten Hausbrunnen angeschlossen – der Wasserbezug reduzierte sich auf null. Dieser Fall wiegt laut Bürgermeister besonders schwer, da es sich nicht nur um den strafrechtlichen Tatbestand des Betrugs handele. Der Hauseigentümer habe dadurch eine Verbindung des Brunnens zum öffentlichen Trinkwassernetz geschaffen. Durch einen solchen Eingriff sei eine Verkeimung des Wassers – etwa durch gefährliche Koli-Bakerien – nicht auszuschließen, was Risiken für andere Einwohner bedeute. Untersuchungen hätten diese Sorge zwar nicht bestätigt, zeigt sich Grossmann erleichtert. Trotzdem sei die Anlage sofort außer Betrieb genommen und die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben worden. „Stelle die Staatsanwaltschaft nur einen minderschweren Verstoß fest, werde man ein Bußgeldverfahren einleiten“, kündigt die Gemeinde an. Hier sei ein Bußgeld bis zu 10 000 Euro möglich. Das Ergebnis stehe noch aus.
Private Brunnen? Eigentlich kein Problem, aber…: Natürlich ist es für viele Hausbesitzer selbstverständlich, beispielsweise den Garten mit Wasser aus dem eigenen Brunnen zu bewässern. Immer häufiger kommt es sogar vor, im Haus damit ein separates Leitungsnetz für Brauchwasser, beispielsweise für die Toilettenspülung oder Waschmaschine, zu betreiben. Laut Umweltbundesamt beziehen sogar mindestens 700 000 Menschen in Deutschland – besonders in ländlichen Regionen – ihr Trinkwasser aus sehr kleinen Wasserversorgungsanlagen wie eigenen Brunnen oder Quellfassungen. Dafür gelten aber besondere Auflagen. Allerdings: Dem Landkreis als zuständige Behörde sind in Emmerthal nur sieben private Gartenbrunnen offiziell gemeldet, wie Sprecherin Sandra Lummitsch mitteilt. Sobald es aber dazu komme, dass die Brunnen für Trinkwasser genutzt würden, komme das Gesundheitsamt ins Spiel. Probleme seien nicht bekannt und somit kein Kontrollbedarf vorhanden – „bislang“, wie Lummitsch einschränkt.



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