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Unternehmen will in diesem Sommer mit vorbereitenden Arbeiten zwischen Ohr und Emmern beginnen

Kiesabbau in Emmerthal rückt näher

Emmerthal. Über lange Zeit machten die Pläne für den Kiesabbau zwischen Ohr und Emmern vor über zehn Jahren Schlagzeilen und beschäftigten die Politik, dann kehrte Ruhe bei der Debatte um das Vorhaben ein, Rohstoffe zwischen Weser und Bundesstraße zu gewinnen. Jetzt deutet sich an, dass in diesem Jahr begonnen wird, die Vorbereitungen für den Kiesabbau zu treffen, der dann vor allem die Bewohner des Wohngebietes Niederes Feld in Emmern berühren wird. Ralf-Ulrich Böhm von der Bürgerinitiative zur Verhinderung des Kiesabbaus in Ohr hat bereits eine Einladung an die Verantwortlichen des Unternehmens geschickt mit der Bitte, die aktuellen Pläne der Bevölkerung vor Ort vorzustellen. Allerdings erwartet er keine verhärteten Fronten in diesen Fragen. Das gelte auch für die Bürgerinitiative. „Wir haben die Planungen nicht ablehnend, sondern kritisch begleitet“, sagt Böhm. Der Widerstand richtete sich vor allem gegen das Abbaugebiet „Ohr II“ in Richtung Groß Berkel – das sei aber auf lange Sicht nicht akut.

veröffentlicht am 15.05.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 15:21 Uhr

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Der Kieswerke Gericke GmbH Emmerthal war 2008 vom Landkreis der Antrag auf wasserrechtliche Planfeststellung zur Gewinnung von Sand und Kies in den Gemarkungen Ohr und Emmern genehmigt worden. Inzwischen eine Tochtergesellschaft der Strabag SE, mit rund 74 010 Mitarbeitern einer der größten europäischen Baukonzerne, stellten die Kieswerke nun einen Nachtrag beim Landkreis, um beispielsweise die Abbaureihenfolge der acht Abschnitte zu ändern und weitere Einzelheiten zu regeln. Böhm hat die Unterlagen bereits geprüft und sieht bei den Planungen „einen gewissen gesunden Pragmatismus“. Vor allem soll mit der Kiesgewinnung nicht in direkter Nachbarschaft zur Wohnbebauung begonnen werden, wie zunächst vorgesehen, sondern im mittleren Teil des Abbaugebietes. „Dann ist die Belastung zu Beginn nicht so hoch“, meint der Sprecher der Bürgerinitiative. „Und es kann einen Gewöhnungsprozess geben.“

Laut Antrag, der vom März datiert, sollte mit den Arbeiten wie Einzäunungen und dem Abtrag von Boden in diesem Monat oder spätestens im Juni begonnen werden. Allerdings hat der Landkreis allen Verfahrensbeteiligten Zeit bis zum 14. Juni eingeräumt, um sich zu dem Änderungsantrag zu äußern. Der Fachausschuss des Gemeinderates befasst sich heute in seiner Sitzung ab 17 Uhr in Lüntorf mit dem Thema, der Ortsrat Emmerthal in der nächsten Woche.

Zunächst müssen die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, um auf der ersten Lagerstätte mit einer Größe von rund 35 000 Quadratmetern den Mutterboden und den darunter liegenden Abraum abzutragen, damit ein Schwimmbagger zum Einsatz kommen kann. In der ersten Phase über einen Zeitraum von fünf bis sechs Jahren sollen jährlich rund 40 000 bis 50 000 Tonnen Kies jährlich abgebaut werden. Die tägliche Transportmenge werde bei maximal 1000 Tonnen liegen, was rund 40 Lkw-Fahrten entsprechen würde – laut Planungsbüro eine „relativ geringe Transportmenge“. Ein stationäres Kieswerk innerhalb der Lagerstätte Ohr ist erst für eine spätere Bauphase vorgesehen.

Der Antragsteller hält daran fest, eine Verbindung zwischen Weser und dem entstehenden Kiessee zu schaffen. Trotz intensiver Prüfungen, so das Fachbüro, habe sich herausgestellt, dass die Weser wegen zu geringer Tiefe und der Wasserführung für den Abtransport von Kies und Sand nicht in Frage komme. Derzeit geprüft werde der Bau einer Verladung auf Züge nördlich der Weser im Westen des Kiesabbaugeländes Tündern; die Abbaustätte Ohr könnte an diese Bahnverladung über ein Förderband angebunden werden. Allerdings will der Antragsteller ein Jahr nach Abbaubeginn eine erneute Machbarkeitsstudie für den Abtransport der Rohstoffe über die Weser vorlegen.

Besonders die Politik in Emmerthal hatte sich in dem Verfahren vor über zehn Jahren dafür eingesetzt, die Verkehrsbelastungen so gering wie möglich zu halten. Ralf-Ulrich Böhm von der Bürgerinitiative wertet in dem vorliegenden Änderungsantrag als positiv, dass die ursprünglichen Aussagen zum Lärmgutachten „ausdrücklich bestätigt werden“.

Dass das Unternehmen nun aktiv wird, liegt darin begründet, dass ein Planfeststellungsbeschluss nach fünf Jahren verfallen würde und später bei Bedarf komplett neu aufgerollt werden müsste. Diese Frist wird nun akut. Über welchen Zeitraum die Lagerstätte zwischen Ohr und Emmern ausgebeutet werden soll, darüber gibt es keine aktuellen Angaben. Zu einem früheren Zeitpunkt waren über 30 Jahre im Gespräch. Relativ gelassen sieht die Initiative derzeit das umstrittene Abbaugebiet Ohr II in Richtung Groß Berkel, das einem erheblichen Rohstoffvorkommen entspricht, aber als langfristig zu nutzender Vorrangstandort gilt. „Nach unseren Informationen gibt es keinen Interessenten“, sagt Böhm. „Und es besteht kein direkter Zwang, dieses Gebiet aufzugreifen.“ cb



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