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50-jähriges Bestehen der Gemeinschaft in Reinerbeck / 14 von 24 Mitgliedern sind noch dabei

Kalthausanlage läuft bis heute kostendeckend

Reinerbeck (wj). Ihr 50-jähriges Bestehen feierte die „Kalthausgemeinschaft Reinerbeck von 1959“ im Clubraum der Gaststätte Heuer. Das Jubiläum begingen die Mitglieder mit einem kleinen Festakt. Dabei blickten sie auf ihre 50-jährige Geschichte zurück.

veröffentlicht am 08.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 07:21 Uhr

Wilhelm (v. li.) und Helga Jürgens, Ellen und Wilhelm Lemke woll
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Ein halbes Jahrhundert ist es jetzt her, dass sich in Reinerbeck eine Kalthausgemeinschaft bildete und seither wird alles in einer kleinen Chronik festgehalten und der Nachwelt überliefert. Es ist schon interessant, was darin als Vorgeschichte zu lesen steht: „Schon im Jahre 1958, mitten im Wirtschaftswunder, wollten die Reinerbecker hinsichtlich dem Einfrieren von Lebensmitteln mit der Zeit gehen. Schon bestehende Gefrierhäuser in Nachbarorten wurden besucht, die fachliche Diskussion kam in Gang, auch im Frauenkreis. Das hörten natürlich die Vertreter von Firmen, die Kaltanlagen herstellten und so kam es, dass am 6. Juni 1959 interessierte Reinerbecker mit einem Fachmann der Firma Linde im damaligen Gasthaus Ahrens zusammenkamen, um Nägel mit Köpfen zu machen. Noch am gleichen Tage wurde eine Beitrittserklärung zur Kalthausgemeinschaft erstellt und von zwölf Landwirten unterschrieben. Gleichzeitig wurde mit Friedel Märtens als 1. Vorsitzender, Walther Pape als Schriftführer und Heinz Brakemeier als Kassenführer der erste Vorstand gewählt.“

Soweit die Chronik. Doch ohne den damaligen Bürgermeister Friedrich Meier wäre das Vorhaben noch nicht so schnell verwirklicht worden. Der wusste nämlich ein geeignetes Gebäude – das inzwischen leer stehende alte 1898 erbaute „Spritzenhaus der Feuerlöschanstalt der Bauernschaft Reinerbeckerhorst“.

Der Bau hatte damals 747 Reichsmark gekostet, jetzt konnte ihn samt 70 Quadratmeter großem Grundstück die neu gegründete Kalthausgemeinschaft für 1000 Deutsche Mark von der Gemeinde Reinerbeck erwerben. Und Bürgermeister Friedrich Meier, gelernter Maurer, krempelte auch gleich die Ärmel auf und baute das ehemalige Spritzenhaus mit einigen Mitgliedern fachgerecht zum Kalthaus um.

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Gleichfalls ging der Tischlermeister Heinz Brakemeier an die Arbeit: Er baute, nachdem Wände und Decke entsprechend wärmegedämmt waren, in den Kaltraum mit einem Gesamtfassungsvermögen von 15,80 Kubikmetern 24 Kühlfächer in Form von Lattenverschlägen unterschiedlicher Größe ein. Wahlweise konnten Fächer von 110, 210, 320 und 420 Liter erworben werden. Der Preis pro Fach betrug je nach Größe bezüglich der Strom- und Unterhaltskosten jährlich zwischen 33 und 126 Mark, pro Liter – also 30 Pfennig.

Mit dem käuflichen Erwerb eines Kühlfaches wurde und wird man Mitglied der „Kalthausgemeinschaft Reinerbeck von 1959“, die laut Statut eine eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht ist und in 58 Paragraphen alles regelt, was in dieser Gemeinschaft zu regeln ist.

Die Beendigung der Mitgliedschaft kann durch Übertragung, Wohnungswechsel, Tod oder Ausschluss erfolgen. Aber auch Nichtmitglieder können das Kalthaus Reinerbeck mitbenutzen, sofern freier Platz zur Verfügung steht. Hierfür gibt es eine gesonderte Gebührenordnung.

Natürlich muss das Kalthaus auch gewartet werden. Erster Maschinist war Heinrich Jürgens, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 1985 aufgab. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Jürgens, der dieses wichtige Amt auch heute noch innehat. Im Jahre 1993 stellte sich der bisherige 1. Vorsitzende Friedel Märtens nach 34 Jahren nicht mehr zur Wahl. Auch dieses Amt ging auf Wilhelm Jürgens über, der es nun schon seit 16 Jahren bekleidet.

Sechs von 24 Fächern stehen heute leer

Heute, nach 50 Jahren, halten von den ursprünglich 24 Genossenschaftsmitgliedern immerhin noch 14 zur Stange, und lediglich sechs Gefrierfächer unterschiedlicher Größe sind derzeit frei. Mit Befriedigung stellte der Vorsitzende Wilhelm Jürgens fest, dass der damals festgesetzte Kaufpreis richtig kalkuliert worden war.

Die Kalthausanlage konnte bisher immer kostendeckend betrieben werden, stellte auch Kassenwartin Anneliese Jürgens fest. Bisher gab es keine größeren Reparaturen. Allerdings, sollten jetzt, nach 50 Jahren, doch einmal größere Maschinenschäden eintreten oder gar eine Ersatzbeschaffung erforderlich werden, so reichen die bisher erwirtschafteten Rücklagen dafür nicht aus.

„In dem Falle wird kurzfristig eine außerordentliche Versammlung einberufen, die darüber entscheidet, ob die Genossenschaftsmitglieder eine entsprechende Umlage zahlen wollen oder im Zeitalter der Gefrierschränke und Gefriertruhen im Haushalt für eine Auflösung der „Kalthausgemeinschaft Reinerbeck von 1959“ stimmen. Im letzteren Fall würde das rote Backsteingebäude an der Reiner Straße, vor 110 Jahren als „Spritzenhaus der Feuerlöschanstalt der Bauernschaft Reinerbeckerhorst erbaut, wieder zum Verkauf stehen“, so die derzeitige Einschätzung des 1. Vorsitzenden Wilhelm Jürgens.



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