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Halber Fichtenbestand der Forstgenossenschaft Selxen ist zerstört / Land will helfen

Kahlschlag nach „Friederike“ – wie geht es weiter?

AERZEN. Das Orkantief „Friederike“ hat in Niedersachsens Wäldern erhebliche Schäden angerichtet. Am Schierholzberg in Aerzen, oberhalb der Waldgaststätte „Bussard-Klause“, haben die Orkanböen des Wintersturms den halben Fichtenbestand der Forstgenossenschaft Selxen nahezu vollständig zerstört.

veröffentlicht am 31.01.2018 um 11:20 Uhr
aktualisiert am 31.01.2018 um 19:30 Uhr

Auch der Waldlehrpfad am Waldrand des Schierholzberges ist vom Sturm in Mitleidenschaft gezogen worden. Foto: sbr
59.225-02

Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) prüft mögliche Hilfen für die Forstwirtschaft. „Bei den beiden Herbststürmen ,Xavier’ und ,Herwarth’ sind wir noch mit einem blauen Auge davongekommen, aber ,Friederike’ hat unsere Waldbesitzer mit voller Wucht erwischt“, so die Ministerin. In den besonders betroffenen Bereichen wurde fast kein Baum verschont und die Stämme liegen großflächig wie gescheitelt und in einer Richtung gestapelt übereinander, berichtet der Vorsitzende der Forstgenossenschaft, Heinrich Twick. Gerade aus diesem Grund gestalten sich nach seinen Angaben die Aufräumarbeiten sehr aufwendig und schwierig und werden noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus sind diese Arbeiten nicht ungefährlich und können nur von erfahrenen Forstunternehmen ausgeführt werden. Für die kommende Woche rechnet Heinrich Twick damit, dass in dem betroffenen Waldbereich ein Holzvollernter, ein sogenannter Harvester, zum Einsatz kommt. Den Beginn der Aufräumarbeiten werden aber erfahrene Waldarbeiter mit Kappsägen bereits in den kommenden Tagen machen. Der Sturm hat am Waldrand eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die heftigen Orkanböen haben rund 1500 Festmeter Fichtenstämme im Dominoeffekt zu Boden krachen lassen. Dazu kommen weitere etwa 300 Festmeter Buchen und andere Gehölze auf das Waldgebiet der Forstgenossenschaft verteilt, die dem Sturm nicht standhielten, wie der Forstvorsitzende weiter mitteilt. Zum Vergleich: Der Jahreseinschlag der kleinen Forstgenossenschaft beträgt jährlich 370 Festmeter Holz. Der Wintersturm „Friederike“ hat ein Vielfaches des Jahreseinschlages in nur wenigen Stunden gefällt.

Das wird langfristig Auswirkungen auf den zukünftigen Jahreseinschlag haben, wie der Forstvorsitzende erläutert. „Obwohl heute zur Aufarbeitung der Sturmschäden Vollernter zum Einsatz kommen, muss die gefährlich Arbeit des Abstockens, dem Abtrennen des Stammes vom Wurzelteller, immer noch durch professionelle Waldarbeiter erfolgen. Aufgrund des hinterlassenen Chaos vor allem in dem Fichtenbestand ist diese Arbeit selbst für erfahrene Waldarbeiter mit einem hohen Risiko verbunden und muss daher besonders umsichtig erfolgen“, erklärt Heinrich Twick. Erst nachdem der Stamm vom Wurzelteller getrennt und das zum Teil unter Spannung liegende Holz entlastet wurde, kann der Harvester zum Einsatz kommen. Allerdings auch nur mit Einschränkungen, denn die im Bestand in einem Abstand von 20 Metern angelegten Rückegassen, die ursprünglich einmal dazu gedacht waren, die Holzernte bestands- und bodenschonend durchführen zu können, sind in dem Durcheinander aus abgeknickten oder umgewehten Stämmen sowie aus der Erde gerissenen Wurzeltellern nur schwer zu erahnen.

Im Fichtenbestand der Forstgenossenschaft Selxen, oberhalb der „Bussardklause“ am Schierholzberg, hat der Wintersturm „Friederike“ große Schäden angerichtet. Foto: sbr
  • Im Fichtenbestand der Forstgenossenschaft Selxen, oberhalb der „Bussardklause“ am Schierholzberg, hat der Wintersturm „Friederike“ große Schäden angerichtet. Foto: sbr

Und noch eine Tatsache bedauert der Forstvorsitzende: Innerhalb des zerstörten Fichtenbestands hatten die Forstgenossen aus Selxen bereits in drei eingezäunten Bereichen junge Buchen und Douglasien gepflanzt, um den Wald zu erneuern. Auch diese Schonungen sind vermutlich beschädigt worden. Verloren ist das umgewehte Holz aber nicht, sagt Heinrich Twick. Die Fichtenstämme werden vom Harvester von den Ästen befreit, vermessen und entsprechend der Nachfrage auf Maße und Stärke aufgearbeitet und verkauft. Allerdings rechnet der Forstvorsitzende mit einem Preisverfall aufgrund der großen Menge an Sturmholz, das nun auf den Markt drängt. Der Schaden, der der Forstgenossenschaft durch den Sturm entstanden ist, ist nicht unerheblich, zumal neben dem geringeren Verkaufserlös auch die zusätzlichen Kosten für die Aufforstung negativ zu Buche schlagen. Von den 81 Hektar Wald der Forstgenossenschaft, wurden durch „Friederike“ drei Hektar zerstört. Das Land will nun Forstbetrieben, die stark von Orkanschäden betroffen sind, helfen. Daher wird derzeit über ein Bündel von Maßnahmen beraten.



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