weather-image
22°

Jugendpfleger sieht sich als Opfer einer Intrige - Delikater Fall beschäftigt Justiz

Emmerthal (ube). Der Emmerthaler Jugendpfleger Henning Bergmann beschuldigt ein SPD-Ratsmitglied, ihm übel mitgespielt und seine Gesundheit geschädigt zu haben. Es soll in einem Brief an die Verwaltung behauptet haben, der 52-Jährige habe mit seinem Dienst-Handy Sex-Hotlines angewählt, Büstenhalter von seinem Büro aus verschickt, pornografische Inhalte auf seinem Computer gespeichert und Musikdateien aus dem Internet heruntergeladen.

veröffentlicht am 31.08.2011 um 10:15 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 07:21 Uhr

Jugendpfleger
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nach Angaben von Bergmanns Rechtsanwalt Uwe Behnsen ergaben die Überprüfungen des Rechners und der Einzelnachweise, „dass die Anschuldigungen absolut haltlos waren“. Henning Bergmann will nicht mehr länger für die Gemeinde Emmerthal arbeiten. In einem Schreiben, das er am Donnerstag per E-Mail an seine Kollegen verschickt hat, gibt der Hamelner bekannt, dass er am 30. September aus dem Dienst ausscheiden wird. Er sei durch die Denunzierung des Ratsmitglieds und das Verhalten seines Arbeitgebers krank geworden und habe schließlich dem Angebot, einen Auflösungsvertrag zu unterschreiben, zugestimmt, sagt er.

Der delikate Fall beschäftigt inzwischen die Justiz. Am vergangenen Freitag stand das Ratsmitglied vor Gericht – es war von Henning Bergmann auf Schmerzensgeld verklagt worden. „Die Richterin hat die beklagte Person darauf hingewiesen, dass sie die Wahrheit sagen muss. Darauf wurde geantwortet: ,Ich sage jetzt gar nichts mehr‘“, berichtet Anwalt Behnsen aus der öffentlichen Verhandlung. Behnsen rechnet damit, dass es zu einer Verurteilung kommen wird, denn: „Wer so antwortet, hat etwas zu verbergen. Das Aussageverhalten spricht für sich.“ Am 16. September wird der Prozess am Amtsgericht fortgesetzt.

Für den Fall einer Verurteilung kündigt Anwalt Behnsen an: „Wir werden Anzeige unter anderem wegen des Verdachts der üblen Nachrede erstatten. Es handelt sich um einen Straftatbestand.“ Sollte die Person Henning Bergmann wissentlich falsch beschuldigt haben, stellt sich die Frage, welches Motiv sie hat. „Es gab und gibt überhaupt keine Indizien, die einen Anfangsverdacht hätten rechtfertigen können. Vielmehr nutzte das Ratsmitglied möglicherweise seine persönlichen Beziehungen zu Bürgermeister Grossmann, um mithilfe einer Intrige zu erreichen, dass der Jugendpfleger gefeuert wird“, sagt Anwalt Behnsen.

Bergmann hat an seine Kollegen im Rathaus geschrieben, um die Hintergründe seines Auflösungsvertrages zu erklären. Am Mittwoch, 1. September 2010, sei im Beisein von zwei Personalratsmitgliedern mitgeteilt worden, dass eine schriftliche Anschuldigung gegen ihn vorliege. Am nächsten Tag habe ihm Bürgermeister Andreas Grossmann mündlich mitgeteilt, „dass an der Sache nichts dran war“. „Meine Bitte, das angebliche Schreiben, in dem ich denunziert wurde, einsehen zu dürfen, wurde von Herrn Grossmann abgelehnt; auch dem Personalrat wurde die Einsicht verweigert.“ Auch der Name der Person, die den Brief geschrieben hatte, sollte Bergmann angeblich nicht erfahren.

Ihm sei gesagt worden, das ginge nicht, weil dieser Person Vertraulichkeit zugesichert worden sei. „Diese Haltung meiner Vorgesetzten, einen Denunzianten zu decken, der sich schwerste Anschuldigungen gegen mich ausdenkt, statt sich mir gegenüber als einem ihrer Mitarbeiter loyal zu zeigen und derartiges Denunziantentum abzulehnen und öffentlich zu ächten, hat mich zutiefst erschüttert und mein Gerechtigkeitsempfinden verletzt, sodass ich für den Rest des Jahres 2010 krank wurde“, schreibt Bergmann seinen Kollegen.

Zunächst hatte der Jugendpfleger Bürgermeister Grossmann zur Verantwortung ziehen wollen. „Damals wussten wir noch nicht, wer der Denunziant war. Inzwischen haben wir Zeugen, die dem Gericht erklären können, dass das Ratsmitglied den Brief verfasst hat“, sagt Behnsen. „Deshalb halten wir uns jetzt an diese Person.“

Bürgermeister Grossmann hat inzwischen reagiert und intern Stellung zu Bergmanns Mitteilung bezogen. In einer E-Mail an alle Rathaus-Mitarbeiter, die der Dewezet vorliegt, schreibt er: „Ich bitte darum, bei der Bewertung des Schreibens zu bedenken, dass es eine sehr einseitige Darstellung von Herrn Bergmann ist. Es ist immer einfach, einseitig Sachverhalte darzustellen und zu bewerten, wenn derjenige weiß, dass der andere, schon aus rechtlichen Gründen, hierauf nicht reagieren und richtigstellen kann. Ich werde mich durch dieses Schreiben nicht provozieren lassen, zu den Inhalten Stellung zu nehmen.“ Auch gegenüber der Dewezet wollte sich Grossmann nicht zur Sache äußern.

 

 



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?