weather-image

Aerzener Ole Böger spendet Knochenmark für englischen Patienten

Jetzt hat auch er einen Zwilling

veröffentlicht am 09.09.2016 um 12:09 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:17 Uhr

270_0900_12893_lkae101_1009.jpg

Autor:

Sabine Brakhan
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Noch weiß der 37-Jährige wenig über den Mann mit denselben HLA-Merkmalen beziehungsweise Humanen Leukozyten-Antigenen. Nur, dass er in Großbritannien lebt und 33 Jahre alt ist. Der Aerzener hat vor einem Monat Knochenmark für den britischen Patienten gespendet und hofft nun, dass er zum Lebensretter geworden ist und irgendwann einmal seinem geheilten Zwillingsbruder gegenüber stehen kann, um ihn persönlich kennenzulernen.

Erst im vergangenen Jahr hatte sich Ole Böger ganz spontan dazu entschieden, sich typisieren und in die Deutsche Stammzellspender Datei (DSD) aufnehmen zu lassen. Er war zum DRK-Blutspenden am Hamelner Vikilu und hatte dort das Angebot wahrgenommen, gleichzeitig eine Typisierung durchzuführen zu lassen. „Ich habe mir nichts dabei gedacht und es einfach gemacht“, sagt er heute.

Während des diesjährigen Osterurlaubs in Grömitz klingelte dann am 1. April das Telefon – eine unbekannte Nummer. „Eigentlich rufe ich grundsätzlich nicht zurück, wenn ich die Nummer nicht zuordnen kann. Aber diesmal habe ich es dann doch getan. Warum, kann ich gar nicht genau sagen“, berichtet der Familienvater. Schicksal oder Fügung, am anderen Ende der Leitung war die DSD mit Sitz in Dessau-Roßlau, die ihm mitteilte, dass er für eine Knochenmarkspende in Frage kommt – und das war kein Aprilscherz. Gleichzeitig fragte die Organisation an, ob er nach wie vor dazu bereit sei. Für Ole Böger bestand kein Zweifel: Natürlich wollte er helfen. Als erstes bemühte er das Internet, um sich vorab zu informieren, was da auf ihn zukommt. Dann folgten die umfangreiche Aufklärung durch die DSD und der Besuch beim Hausarzt mit einer sehr umfangreichen Blutabnahme, wie der Aerzener berichtet. Und danach hieß es fünf Wochen warten. „Das Thema beschäftigte die ganze Familie“, erzählt seine Frau Dorothee. Schon einmal war innerhalb der Familie erfolgreich eine Stammzellentherapie durchgeführt worden. Nun sollte es also wieder die Chance auf Heilung geben. Die Statistik verrät, dass auf eintausend Spendewillige nur etwa ein tatsächlicher Spender entfällt. Die zweite Überprüfung bestätigte die genetische Übereinstimmung und Mitte Juni fand dann eine Voruntersuchung in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) statt. Bis zur Knochenmarkentnahme vergingen noch einmal lange vier Wochen, in denen das Immunsystem des Empfängers heruntergefahren werden musste. „Mir darf jetzt nichts passieren“, dieser Gedanke kam Ole Böger in den letzten Tagen vor der Knochenmarkentnahme mehrfach. Am 9. August war es dann endlich soweit: Unter Vollnarkose wurde ihm in der MHH etwa ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen entnommen. Während des dreitägigen Klinikaufenthaltes wurde er nicht nur von einer Koordinatorin der DSD begleitet, die Organisation hatte auch dafür gesorgt, dass immer ein Angehöriger in seiner Nähe sein und ihn mental unterstützen konnte.

„Im Krankenhaus habe ich das Zimmer mit drei Krebspatienten geteilt. Mein Bettnachbar wartete auf einen Spender. Da wird einem mit einem Schlag bewusst, wie wichtig das ist, was man da gerade macht“, berichtet Ole Böger. Angst vor dem Eingriff habe er nicht gehabt, nur vor der Narkose etwas Respekt, weil es seine erste war, erzählt er weiter.

Als er am Tag nach dem Eingriff das Krankenhaus verlassen konnte, verspürte er lediglich ein Gefühl wie Muskelkater im Rücken. „Nichts Schlimmes, ich konnte liegen, sitzen, laufen“, berichtet der Spender. Zwei Jahre ist er jetzt für weitere Knochenmarkspenden an andere Patienten gesperrt. Eine Vorsichtsmaßnahme, sollte sein genetischer Zwilling in England noch eine weitere Spende von ihm benötigen. Inzwischen durfte Ole Böger über die DSD mit dem englischen Patienten bereits schriftlich Kontakt aufnehmen, allerdings nur seinen Vornamen verraten und Genesungswünsche übermitteln. Die Rückantwort steht noch aus. Dieser Briefwechsel ist die Voraussetzung dafür, dass in zwei Jahren eine persönliche Kontaktaufnahme möglich wird.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt