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Nach Wachstum in den letzten Jahren: Daicel-Gruppe startet neues Kapitel für pharmazeutischen Betrieb

Japaner kaufen Emmerthaler Unternehmen Lomapharm

EMMERTHAL. Der japanische Konzern Daicel Corporation will das Emmerthaler pharmazeutische Unternehmen Lomapharm zu 100 Prozent übernehmen. Der Kaufvertrag sei am 1. August unterzeichnet worden, bestätigten auf Nachfrage die Lomapharm-Geschäftsführer Dr. Alfons Weische und Marvin Dratius.

veröffentlicht am 21.08.2018 um 16:34 Uhr

Das Foto (li.) zeigt die Abfülllinie für sterile Augentropfen und Nasensprays in dem Emmerthaler Unternehmen, das im Gewerbegebiet Langes Feld (unten) angesiedelt ist. Fotos: Lomapharm/cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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„Wir sind alle guter Dinge“, verweist Dratius auch auf die Belegschaft mit rund 155 Beschäftigten, die ebenso wie die Geschäftsführung unter dem Namen des traditionsreichen Emmerthaler Unternehmens die Arbeit fortsetzen werde. „Daicel ist ein strategischer Investor“, erklärt Weische zu dem japanischen Konzern mit rund 12 000 Mitarbeitern in 14 Ländern, das an der Tokioter Börse gelistet ist. „Das Engagement der Daicel bei Lomapharm ist langfristig gedacht.“

Der Vollzug des Verkaufs unterliegt noch den behördlichen Genehmigungen, etwa dem Fusionskontrollverfahren durch das Bundeskartellamt, und soll zum Monatsende abgeschlossen sein. Die neuen Besitzer von Lomapharm vermeldeten auf ihrer Homepage zu ihrer Emmerthaler Tochtergesellschaft das Bestreben, das Wachstum des Medizin- und Gesundheitswesens als eines ihrer Kerngeschäftsfelder weiter zu beschleunigen. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Für das 1878 gegründete Unternehmen Lomapharm, das sich auf die Herstellung von Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln sowie Medizinprodukten spezialisiert hat, beginnt damit ein neues Kapitel. Bis 2013 gehörte es zur Emmerthaler Lohmann-Gruppe, die sich als Familienunternehmen damals von ihrer Tochter getrennt hatte. Sie wollte sich auf ihre beiden großen heimischen Unternehmen Neudorff als Spezialisten für Pflanzenschutz und Dr. Paul Lohmann als Hersteller und Entwickler von Mineralsalzen konzentrieren, wie es damals hieß.

„Das Team der Lomapharm freut sich auf die Zusammenarbeit. Dr. Alfons Weische Geschäftsführer
  • „Das Team der Lomapharm freut sich auf die Zusammenarbeit. Dr. Alfons Weische Geschäftsführer
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Den Pharmabereich kaufte die in München ansässige Deutsche Unternehmensbeteiligungen AG (Dubag). Als Managing Director der Dubag zeichnete Dr. Michael Schumann verantwortlich für das Engagement bei der Lomapharm. In 2017 erfolgte eine Änderung der Gesellschafterstruktur bei der Dubag, in dessen Folge die Lomapharm in den Luxemburger Fonds Lenbach Equity Opportunities I SCSp. eingebracht wurde. Schumann trug als Mitgesellschafter des Fonds bis zum Verkauf des Emmerthaler Unternehmens an Daicel die Verantwortung für das Lomapharm-Engagement.

Das Geschäftsmodell bei Finanzinvestoren gilt eher als kurzfristig. Dubag widmet sich Unternehmen in Sondersituationen, beispielsweise, wenn die Nachfolgeregelung an der Spitze offen ist oder Teile aufgegeben werden, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Nach einer Konsolidierungsphase mit dem eigenen Know-how sucht die Beteiligungsgesellschaft schließlich später nach neuen Besitzern. „Typische Haltedauer für Finanzinvestoren liegt bei drei bis sieben Jahren“, erklärt Weische.

Die Erfahrungen des Geschäftsführers und Apothekers, der bereits 2012 von Jürgen Lohmann in das Pharmaunternehmen geholt worden war, fallen grundsätzlich positiv aus. „Sie haben uns das Geschäft entwickeln lassen“, sagt Weische. „Eine sehr erfolgreiche Zeit“, meint er über die vergangenen fünf Jahre. Die Bilanz, auf die Weische verweist: Der Umsatz sei von 16,3 Mio. Euro (2013) auf fast 24 Mio. Euro (2018) gestiegen. „In dem gleichen Zeitraum ist die Belegschaft der Lomapharm von 115 auf 155 Mitarbeiter angewachsen“, erklärt Weische. Dratius ergänzt: „Wir suchen schon wieder neue Mitarbeiter.“

Nach Einschätzung von Experten verfolgen japanische Investoren konservativere Ziele als die Chinesen, die es bei Zukäufen vor allem auf Schlüsseltechnologien abgesehen haben. Unternehmen aus Japan würden überschaubare Investments tätigen, wenn sie sich auf neue Terrains begeben würden. Das aufwendige Verfahren für Lomapharm mit mehreren Interessenten begleiteten Spezialisten. Die DZ Bank AG in Frankfurt betreute die Verkäuferseite, die Kanzlei Gleiss Lutz (Hauptsitz Stuttgart) die Daicel Corporation mit Hauptsitz in Osaka.

Vor dem Verkauf fanden laut Geschäftsführung bei der Lomapharm drei Treffen mit Führungskräften von Daicel statt. Zuletzt, Anfang Juli, sei mit Hisao Nishimura ein Vorstandsmitglied des Konzerns in Emmerthal gewesen, wobei an dem Meeting alle Abteilungsleiter der Lomapharm teilgenommen hätten. Weische: „Das Team der Lomapharm freut sich auf die Zusammenarbeit mit der Daicel.“

Die Lomapharm-Geschäftsführer gehen davon aus, unter neuer Regie den Wachstumskurs fortsetzen zu können. Sie verweisen auf spezielle von der Daicel-Gruppe entwickelten Hilfsstoffmischungen zum Einsatz in Arznei- und Nahrungsmitteln, die bislang nur im asiatischen Raum vertrieben werden. „Mit dem Erwerb der Lomapharm will man diese Produkte verstärkt nach Europa bringen“, erklärt Weische. „Da der Schwerpunkt der Lomapharm die Entwicklung und Herstellung fester Darreichungsformen (Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel) ist, passt dies perfekt zusammen.“



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