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Ralf Oestmann begibt sich in den Teichen auf der Anlage in Schwöbber auf die Suche

Jäger der verlorenen Golfbälle

Schwöbber. Und zack! Da wird der Golfball in den Teich gespielt und geht langsam aber sicher unter. Auch in den Teichen des Golfclubs Hameln auf der Anlage am Schloss Schwöbber liegen so einige Bälle im Schlamm. Aufgabe von Ralf Oestmann ist es, diese Bälle wieder ans Tageslicht zu befördern. Er ist Golfballtaucher.

veröffentlicht am 16.12.2015 um 16:14 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

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Autor:

Ernst-August Wolf
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Schwöbber. Draußen regnet es an diesem Tag in Strömen. Doch Ralf Oestmann stört das überhaupt nicht. Bei einem Kaffee im Clubhaus des Golfclubs Hameln auf der Anlage am Schloss Schwöbber geht der 43-Jährige zusammen mit Sabine Förster noch einmal seinen Einsatzplan für später durch, der ihn in noch nassere Gefilde führen wird.

„Für uns ist es der erste Einsatz eines Golftauchers auf unserem Gelände“, erklärt Sabine Förster, die im Vorstand des Clubs für Pressearbeit und Marketing zuständig ist. Teiche, kleine Bachläufe und einige Biotope befinden sich auf der Anlage. Hier soll Golfballtaucher Ralf Oestmann aus Verden auf die Suche nach abgetauchten Golfbällen gehen. „Wie viele? Vermutlich sehr viele“, schätzt Förster. Denn nicht nur beim betreuten Golfen für Anfänger auf dem Lucia-von-Reden-Platz am Teich vom 18. Loch plumpst so mancher Golfball ins Wasser – und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Oestmann ist einer von deutschlandweit knapp einem halben Dutzend hauptberuflicher Golfballtaucher. Der gelernte Gärtner hat jahrelang als Greenkeeper – ähnlich einem Platzwart – bei verschiedenen norddeutschen Golfclubs gearbeitet. „Dabei habe ich gemerkt, dass ich einfach ein Auge für verlorene Golfbälle im hohen Gras habe“, erzählt er. Erst habe er sich eine Harke gebastelt, um an die Bälle herauszukommen. Doch nach einem Tauchurlaub auf Jamaika, bei dem er seinen Tauchschein gemacht habe, habe er schließlich auch damit begonnen, mit kleinen Reusen und im Tauchanzug Jagd auf verloren gegangene Golfbälle zu machen.

Golfballtaucher Ralf Oestmann sammelt Golfbälle, die in die Teiche der Golfanlage gespielt wurden. Die Körbe, in denen Oestmann die Bälle sammelt, hat er selbst gebaut. dpa

Auch beim Golfclub Hameln legt Oestmann bei strömendem Regen seinen Taucheranzug an und steigt langsam die rutschige Böschung hinab in die trübe Flut. Gerade mal zwei Meter ist das Wasser tief, doch die Sicht zum schlammigen Grund ist gleich null.

„Wenn das Gewässer zu tief ist, dann nehme ich noch einen zweiten Mann zur Absicherung mit, hier aber kann man bequem stehen“, ruft Oestmann. Vorzugsweise werden die Golfbälle eigentlich zur Sommerzeit abgefischt und nicht mitten im Dezember. Den gefundenen Golfbällen blüht durch Oestmann dann eine zweite Karrierechance. „Die werden gewaschen und – zumeist zum halben Preis – auf den Frühjahrsmessen oder über einen Internetshop angeboten.“

Oestmann ist aber nicht nur als Jäger verlorener Golfbälle im Einsatz. Ihm geht es vor allem um die ökologische Gewässerpflege auf den Golfplätzen. „Das Hauptproblem ist dabei die zunehmende Verschlammung und die Verlandung der Gewässer“, stellt er klar. Bis so ein Teich wieder einigermaßen klar werde, dauere es mitunter Jahre. Die Pflege der Zu- und Abläufe, der Rohre wie der Pumpenanlagen gehört ebenfalls zu Oestmanns Aufgaben. „Das ist Gewässer- und Landschaftspflege im weitesten Sinne“, sagt er. Einen Teil des Erlöses für die Golfbälle verwendet er darauf, die gesäuberten Gewässer wieder mit Fischen zu besetzen. „Auf manchen Anlagen gibt es Goldfische, ich setze wenn möglich Zander, Muscheln, Garnelen und andere Fische ein. Bloß keine Hechte, denn die fressen von Fröschen bis zu Enten einfach alles weg“, so der Golfballtaucher.

Das Wasser im Golfplatz-Teich in Schwöbber reicht Oestmann gerade mal bis zur Hüfte. Er wird schnell fündig und die beiden Reusen füllen sich. Egal wie lange die Bälle schon im Schlamm schlummern – auch sie werden nach der Reinigung in einer Golfballwaschanlage wieder in frischem Glanz erstrahlen und auf den nächsten Abschlag warten. Vielleicht ja sogar wieder beim Hamelner Golfclub auf der Anlage in Schwöbber.



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