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Wohnortnaher Unterricht für behinderte Kinder / Wie Emmerthal neues Gesetz umsetzen will

Inklusion – mehr als nur ein Lift in der Schule

Emmerthal (cb). Ob es um die Finanzierung geht oder um inhaltliche Fragen – viele Ungereimtheiten bestimmen das Thema Inklusion, das behinderten Kindern ermöglichen soll, wohnortnah unterrichtet zu werden. Dennoch besteht trotz unterschiedlicher Ansichten zur Vorgehensweise in der Emmerthaler Politik das erklärte Ziel: Die Grundschule Kirchohsen soll zum 1. August 2013 zur Schwerpunktschule „Inklusion“ hergerichtet werden. So lautet das Votum des zuständigen Fachausschusses. Zunächst soll abgewartet werden, zu welchen Ergebnissen ein Architektenbüro kommt, um dann über den Umfang der Bauarbeiten zu entscheiden.

veröffentlicht am 21.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 11:21 Uhr

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Auch wenn das Land Niedersachsen das Schulgesetz erst im März geändert hat, nach dem künftig Schüler „mit und ohne Behinderung an jedem Lernort ihren Bedürfnissen und Ansprüchen entsprechend lernen können“: Das Thema ist nicht neu. Daran erinnerte Günter Ehling als Kirchohsener Schulleiter. „Die Frage der Inklusion kommt nicht plötzlich vom Himmel gefallen“, meinte er. Schon im März vergangenen Jahres hatte sich deshalb die Politik mit der Möglichkeit befasst, die Grundschule mit einem Lift auszustatten. „Wir haben schon vor zwei Jahren die Entwicklung gesehen und den Schulträger gebeten, sich damit auseinanderzusetzen.“ Inzwischen würden sogar vier körperbehinderte Kinder unterrichtet, sagte er. Darauf verwies ebenso Susanne Gut-sche als Elternvertreterin. „Wir als Eltern sehen den Ist-Zustand, den wir für vernünftigen Unterricht bemängeln“, sagte sie.

Nun sorgt der Gesetzgeber dafür, dass die Gemeinde als Schulträger unter Entscheidungsdruck steht. Susanne Jürgens als zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus verwies darauf, dass zumindest eine Schule für eine Übergangsfrist in erreichbarer Wohnortnähe entsprechend umgewandelt werden müsse. Dabei gehe es nicht nur um Barrierefreiheit für Körperbehinderte, sondern außerdem um Kinder, die beispielsweise im Sehen oder Hören beeinträchtigt seien.

In der Politik besteht Einigkeit, dass etwas geschehen müsse. Allerdings wollte die CDU-FWE-Gruppe zunächst noch weitere Details geklärt wissen. Beispielsweise sollte dazu ein Arbeitskreis eingerichtet werden, um „das komplexe Aufgabengebiet anforderungsgerecht auszuarbeiten“, wie es in ihrem Antrag heißt. Dabei sollte auch geprüft werden, wie im Zuge der interkommunalen Zusammenarbeit mit Aerzen, Bad Pyrmont und Hameln Möglichkeiten abgestimmt werden könnten. CDU-Fraktionsvorsitzender Rudolf Welzhofer trat vorsorglich allen Spekulationen entgegen. „Wir sind für die Inklusion – und das möglichst schnell“, meinte er. Wenn ein Lift benötigt werde, könne man sogar am nächsten Tag einen besorgen. Doch das Thema sei grundsätzlich neu und umfangreich. „Vor allem für uns Freizeitpolitiker“, wie er hinzufügte. Es werde viel Geld in die Hand genommen, außerdem sei offen, was für die Grundschulen Börry und Amelgatzen notwendig werde, begründete Welzhofer.

Ruth Leunig (SPD) reichten die Vorschläge der Verwaltung aus. Sie sprach sich gegen einen weiteren Arbeitskreis aus. „Davon haben wir genug“, sagte sie. Auf Landkreisebene gebe es sogar schon einen zum Thema Inklusion. Sie gestand ein, dass das Gesetz „sehr schwammig“ sei, auch Kostenfragen nicht eindeutig geklärt seien. Nichtsdestotrotz, so Leunig: „Wir müssen anfangen.“

In der Debatte räumten Welzhofer und Leunig ein, in der Sache nicht weit auseinanderzuliegen. Über den Antrag wurde auch gar nicht abgestimmt. Welzhofer gab sich mit der Aussage zufrieden, dass die Politik an den Gesprächen beteiligt werden solle, die zwischen Gemeinde und Schule dazu geführt werden sollen.

Bürgermeister Andreas Grossmann nannte als persönliche Ansicht, dass die Barrierefreiheit derzeit „am dringendsten“ sei. Sein Appell: „Wir müssen jetzt starten.“ Dann könne man weitersehen, wies er darauf hin, dass es noch viele offene Fragen gebe – und keine genauen Informationen. „Wir sind an einem Punkt, an dem man nicht genau weiß: Was erwartet man von uns bis 2013“, sagte der Bürgermeister. Die Gemeinde habe sogar einen Brief an die Landesschulbehörde geschrieben, um zu erfahren, was die Mindestanforderungen seien. Grossmann: „Bis heute haben wir keine Antwort bekommen.“ Schulleiter Ehling zumindest deutete schon einmal an, dass es mit der Barrierefreiheit allein nicht getan sei. Beispielsweise sei die sonderpädagogische Grundversorgung nach der Schulschließung in Grohnde nach Kirchohsen verlagert worden, ohne dass dafür Räumlichkeiten geschaffen worden seien oder entsprechendes Equipment vorhanden sei. Und beim größten Teil der Schüler mit Handicap handele es sich um Kinder mit Defiziten in der emotionalen und sozialen Entwicklung. „Was ist eigentlich mit einem Schulsozialarbeiter?“, erinnerte Ehling an eine weitere wichtige Voraussetzung.

In der Grundschule Kirchohsen gibt es allein fünf Treppenhäuser, von denen laut Verwaltung drei voraussichtlich mit einem Lift ausgestattet werden müssten. Allerdings: Damit die Grundschule Kirchohsen eine Schwerpunktschule Inklusion wird, gilt es weitere Voraussetzungen zu erfüllen.

Fotos: Wal/Dana



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