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Einwohner kämpfen für Ortsumgehung / Groß Berkel kritisiert Nordtrasse

In Reher formiert sich neuer Protest

Groß Berkel/Reher. Den verkehrsgeplagten Einwohnern von Reher und Groß Berkel drohen viele weitere Jahre, in denen sie auf eine Umgehungsstraße hoffen müssen. Die Bauprojekte sind im Bundesverkehrswegeplan 2030 weiterhin nicht in der höchsten Kategorie. In Reher soll der Protest nun wieder aufleben.

veröffentlicht am 20.04.2016 um 18:15 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:48 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Groß Berkel/Reher. Zur Nachhilfestunde in zivilem Ungehorsam entwickelte sich die Informationsveranstaltung zur Ortsumgehung Reher und Groß Berkel, zu der die SPD-Gemeinderats- und Ortsratsmitglieder ins Dorfgemeinschaftshaus Reher eingeladen hatten. Rund 40 Bürger, hauptsächlich Einwohner aus Reher, waren der Versammlungseinladung gefolgt, um sich von Uta Weiner-Kohl vom Hamelner Geschäftsbereich der Niedersächsischen Behörde für Straßenbau und Verkehr über die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans informieren zu lassen. Sowohl die Ortsumgehung Reher als auch die Nordumfahrung von Groß Berkel im Zuge der Bundesstraße 1 waren im vor vier Wochen veröffentlichten Plan im Prioritäten-Ranking erneut nur noch als weiterer Bedarf mit Planungsrecht eingestuft worden.

„Das ist eine bundeshoheitliche Entscheidung, wir als Behörde arbeiten nur zu“, machte Weiner-Kohl deutlich. Und so blieben ihre sehr theoretischen Ausführungen zum Ablauf des langwierigen Verfahrens auch hinter den Erwartungen der Einwohner zurück. Auf die Frage, über welche Zeitschiene hier gesprochen werde, gab sich die Behördenmitarbeiterin bedeckt. Grundsätzlich rechne man mit zehn bis 15 Jahren für die Planungen – ab deren Beginn. Zuerst sind die Bauvorhaben mit vordringlichem Bedarf dran. „Reher steht in der zweiten Reihe“, so Weiner-Kohl. Für den Planungsbeginn der Ortsumgehung Reher konnte sie keine Prognose abgeben. Um aus der ungünstigen Ausgangsposition herauszukommen und eventuell in den vordringlichen Bedarf hochgestuft zu werden, machte Uta Weiner-Kohl den verkehrsgeplagten Anwohnern der Bundesstraße, die Reher in zwei Teile teilt, wie Ortsbürgermeisterin Christa Jakobi (CDU) ausführte, wenig Hoffnung. „Es gibt schlechtere Regionen“, sagte Weiner-Kohl.

In der Bedarfsanalyse sei nur der städtebauliche Aspekt als hoch eingestuft worden. Umweltgesichtspunkte erhielten lediglich eine mittlere Bewertung, erklärte die stellvertretende Behördenleiterin. Bei allen anderen Punkten werden die Umgehungen Reher und Groß Berkel als Gesamtpaket B 1 inklusive Südumgehung Hameln und der Umgehungsstraßen in Coppenbrügge, Marienau und Mehle bewertet. Für Bürgermeister Bernhard Wagner bedeutet dies: weitere stichhaltige Argumente finden und plausibel in einer Stellungnahme begründen, um eventuell noch eine positive Veränderung in der aktuellen Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans herbeizuführen.

Bürgermeister

Wagner sieht Hoffnungsschimmer

Allein die schlechte Wohnqualität und den Verfall der Immobilienwerte entlang der viel befahrenen Bundesstraße zu bemängeln, wie mehrfach aus der Versammlung geschehen, reicht als Argumentation nicht aus. Die Gemeinde Aerzen arbeite an fachlichen Stellungnahmen auf zwei Ebenen, war vom Bürgermeister zu erfahren. Dabei machte er gleichzeitig deutlich, dass das Kernstück bei der Zusammenarbeit aller Bürgermeister die Südumgehung Hameln sei.

Ganz so pessimistisch, wie sich die Situation Rehers nach den Ausführungen von Weiner-Kohl darstellt, möchte Bürgermeister Wagner die Zukunft der Ortsumgehungen Reher und Groß Berkel nicht stehen lassen und sieht auch in der Eingliederung in den weiteren Bedarf mit Planungsrecht einen Hoffnungsschimmer. „Hier ist schon Bewegung drin, wie immer das dann auf der Zeitschiene auch umgesetzt wird“, so Wagner.

„Das werden wir ohnehin nicht mehr erleben“, haben drei ältere Damen im Plenum die Hoffnung auf einen verkehrsberuhigten Lebensabend in ihren Häusern an der B 1 bereits aufgegeben. Dass Resignation nicht der richtige Weg sein kann, um Bewegung in ein scheinbar festgefahrenes Verfahren zu bekommen, machte Fritz Bretzing, der Sprecher der Bürgerinitiative Marienau deutlich. Er war gemeinsam mit seinem BI-Kollegen Cord Bormann auf Einladung der SPD in Reher, um über Protestmöglichkeiten zu informieren. Mit über die Landesgrenzen hinaus aufsehenerregenden Aktionen wie beispielsweise dem „Wutparken“ haben es die Marienauer geschafft, dass nun endlich die lang ersehnte Ortsumgehung im Ostkreis gebaut wird. Solche Aktionen empfahl er auch den Einwohnern Rehers. „Dem Wutparken fällt schon mal ein Seitenspiegel zum Opfer, mehr passiert nicht. Das Ergebnis aber ist überwältigend“, berichtet er.

Zivilen Ungehorsam zu üben müssen die Reheraner indes noch lernen. Im Unterschriftensammeln haben sie jedoch schon Erfahrung und können auf Erfolge verweisen. Und während sich in Reher eine Wiederbelebung der Bürgerinitiative abzeichnet, Widerstand formiert und man parteiübergreifend an einem Strang ziehen will, gestaltet sich die Situation in Groß Berkel schwieriger. Das Interesse der Einwohner an einer Ortsumgehung ist offensichtlich deutlich geringer als in Reher, wobei die wenigen Bürger, die mit ihrer Anwesenheit bei der Bürgerversammlung Interesse signalisieren, nicht unbedingt die im Plan eingezeichnete Nordumgehung des Hummeortes favorisieren.



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