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Sorge um den Standort Amelgatzen: Eltern kritisieren Vorstoß von CDU und FWE

In Emmerthal entbrennt neue Schuldebatte

Emmerthal. In die Diskussion um die Zukunft der kleinen Grundschule in Amelgatzen kehrt keine Ruhe ein. Der jüngste Vorstoß der CDU/ FWE-Opposition, die Investitionen für das geplante Bildungshauskonzept in dem Dorf infrage zu stellen, löst erhebliche Proteste bei den Eltern aus. In großer Zahl waren sie zur Ratssitzung gekommen, in der sie eine höchst emotionale Haushaltsdebatte erlebten. Thomas O. Mahrenholtz, Vater eines Grundschulkindes in Amelgatzen, übte Kritik am Vorgehen der Politiker. Er sehe darin den Versuch, „eine Art von Todesstoß gegen eine funktionierende Grundschule zu lancieren“. Die Sitzung wurde zwischenzeitlich unterbrochen, um den Eltern Gelegenheit zu geben, sich zu Wort zu melden.

veröffentlicht am 21.01.2015 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 01:21 Uhr

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Auf politischer Ebene war die Kontroverse von teils heftigen gegenseitigen Vorwürfen geprägt. Rolf Keller (CDU) machte dabei auch die Zahlen öffentlich, die erst abends zuvor hinter verschlossenen Türen von Planern genannt worden waren. Bis zu 1,9 Millionen Euro sind nach deren Ansicht notwendig, um die Grundschule Amelgatzen und den Kindergarten Hämelschenburg unter einem Dach – räumlich und pädagogisch verzahnt – als Bildungshaus einzurichten.

Damit war die Summe auf dem Tisch, die von der Opposition eingefordert worden war. Eine andere Zahl hingegen brachte die CDU mächtig in Verlegenheit. Sie hatte nur von 27 Kindern gesprochen, die in Amelgatzen unterrichtet werden. Ein veralteter Stand, wie ihr Fraktionsvorsitzender Rudolf Welzhofer nun einräumen musste. Inzwischen sind es wieder 47 Jungen und Mädchen. SPD-Ratsherr Oliver Gockel, selbst aus Amelgatzen, warf Welzhofer einen ungewöhnlichen Umgang mit der Wahrheit vor. „Ihnen war bekannt, dass die Schülerzahl höher liegt“, kritisierte er ihn – sie könne sogar auf über 50 steigen. Durch jahrelange Zusammenarbeit zwischen Schule und Kindergarten gebe es vom pädagogischen Ansatz her schon ein „funktionierendes Bildungshaussystem“. Und da erste Zahlen aus der nichtöffentlichen Sitzung nun bereits genannt worden waren, legte Gockel mit einer Gegenrechnung nach. Eine Minimallösung könnte „bei weit unter einer Million Euro liegen“. Es sei klar gewesen, dass über die Summen erst noch beraten werden müsse. Als Beispiel nannte der SPD-Politiker, dass Kosten für einen Keller eingerechnet worden seien, der von der Schule überhaupt nicht genutzt würde.

Für Welzhofer bleiben es aber Investitionen, für die kein Geld zur Verfügung stehe. An die Eltern im Ratssaal gerichtet, verwies der Gruppensprecher von CDU und FWE auf die Haushaltsberatungen. „Sie haben deutlich zu spüren bekommen, in welcher Finanzlage sich die Gemeinde befindet“, sagte er. Erneut vermied er es, das Wort Schulschließung konkret zu verwenden. In der Grundschule Kirchohsen würden Sanierungskosten in Höhe von 2,3 Millionen Euro notwendig – als Bildungshaus mit der Johann-Comenius-Schule solle dieser Bereich gestärkt werden. Ausreichend Platz zumindest sei im Kernort für die Kinder aus Amelgatzen vorhanden.

Im Zusammenhang mit der Warnung vor höheren Steuern hatten CDU und FWE das Schulthema auch auf einem Flugblatt schlagzeilenartig dargestellt und in den vergangenen Tagen in der Gemeinde verteilt. „Wir haben natürlich Gegenwind bekommen, aber auch Zustimmung“, meinte Welzhofer. Ganz eindeutig zumindest fiel die Reaktion von Thomas Jürgens (Bündnisgrüne) aus. Er warf der Opposition vor, Ängste zu schüren und mit falschen Versprechungen die Gunst der Einwohner gewinnen zu wollen. Jürgens: „Wenn Bürger ihren Flugblattaussagen folgen, dürfen sie annehmen, dass alle Probleme gelöst sind, wenn wir auf das Bildungshaus Amelgatzen verzichten. Dies ist mit Sicherheit ein Trugschluss.“

„Auch wir haben Bauchschmerzen, viel Geld auszugeben“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Ruth Leunig. Sie erinnerte aber an die Schuldebatte vor einigen Jahren, der mit großer Mehrheit ein Beschluss gefolgt war: Statt für eine zentrale Lösung habe sich die Politik bewusst für drei Standorte entschieden. Für den Standort der Grundschule Amelgatzen gelte für sie, so Leunig: „Er ist es wert, erhalten zu werden.“

Lange geschwiegen in der fast vierstündigen Haushaltsdebatte, bestimmt durch die Schuldiskussion, hatte Bürgermeister Andreas Grossmann (SPD). Er verwies darauf, dass er sich vor zwei Jahren auf eine Obergrenze für das Bildungshaus in Höhe von 500 000 Euro festgelegt habe. „Dazu stehe ich.“ Inzwischen sei die Situation schwieriger geworden, entscheide der Landkreis als Kommunalaufsicht mit über die Investitionen der Gemeinde. Da müsse die Kommune nachweisen, dass die Ausgaben unabweisbar seien, aus rechtlicher Verpflichtung oder weil sie unvermeidbar sind. „Mir wäre es lieber gewesen, die Diskussion in Ruhe führen zu können“, sagte Grossmann nach der teils mit persönlichen Angriffen geführten Sitzung. Er erinnerte an die Debatte vor über fünf Jahren in Grohnde zur Schulschließung. Grossmann: „Wenn sie emotional behaftet ist, dann wird es schwer.“

Von Christian Branahl



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