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In Emmerthal starten sogar fünf Roder gleichzeitig / Aerzener koordiniert Kampagne im Weserbergland

Im Großeinsatz für die Rübenernte

Aerzen/Emmerthal. Dieses Aufgebot auf einem Rübenacker in der Nähe von Gut Ohsen erinnert fast an Ernteeinsätze in den USA. Gleich fünf moderne Rübenroder der Zuckerrübengemeinschaft Deister-Weser ernten in Emmerthal den 30 Hektar großen Schlag in Formation ab, benötigen ganze sechs Stunden dafür. Die Zuckerrübenernte läuft derzeit auf Hochtouren. Der Ertrag pro Hektar dürfte dabei in diesem Jahr laut Experten überdurchschnittlich sein, der Zuckergehalt sich allerdings im normalen Rahmen befinden.

veröffentlicht am 03.10.2014 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Friedrich-Wilhelm Thies
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Die Erträge werden leicht über dem Rekordniveau von 2011 liegen – damals waren es rund 82 Tonnen pro Hektar. Dr. Stefan Brinker von der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen in Lage, die die Rüben vom Gut Ohsen verarbeiten wird, meint: „Der Zuckergehalt liegt derzeit bei etwa 16,5 Prozent im Durchschnitt und weist je nach Anbauregion ungewöhnlich große Schwankungsbreiten zwischen 15 und 20 Prozent auf.“

Die Gründe für hohen Ertrag und normalen Zuckergehalt nennt Sebastian Binder, der die fünf Rübenroder, drei Lademäuse und 24 Lkw der Rodegemeinschaft Deister-Weser als Einsatzleiter koordiniert: „Es gab eine frühe Aussaat schon in den ersten Märztagen und das Wetter danach war optimal. Wir hatten genügend Niederschlag und angemessene Temperaturen.“ Nur im August habe die Sonne gefehlt, dadurch habe die Rübenfrucht nicht einen so hohen Zuckergehalt entwickeln können. Daher hofft Sebastian Binder noch auf einen schönen Oktober. Das würde nicht nur den Zuckergehalt noch erhöhen, mache aber auch die Ernte einfacher. Viel Niederschlag würde nicht nur die Zuckerbildung verhindern, es hätte gleich mehrere negative Einflüsse. „Es drohen dann höhere Erdanteile an den Rübenmieten, der Verschleiß an den Maschinen erhöht sich, der Dieselverbrauch steigt und ebenfalls die Gefahr von Strukturschäden auf den Ackerflächen“, fasst der Einsatzleiter zusammen.

Derzeit läuft alles nach Plan auf den Flächen der Erntegemeinschaft. „Dass dabei unsere fünf Rübenroder auf einem Acker gleichzeitig im Einsatz sind, ist in meiner jetzt neunjährigen Amtszeit auch noch nicht vorgekommen und sicher die Ausnahme“, stellt Sebastian Binder diese Besonderheit heraus. Normalerweise sind sie verteilt auf den Anbauflächen der Zuckerrübengemeinschaft zwischen Stadthagen, Hildesheim, Holzminden und Lemgo unterwegs.

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Derzeit wird nur tagsüber gerodet. „Weil wir die Rüben noch nicht so lange auf den Feldern lagern können, dazu ist es zu warm und der Zuckergehalt würde wieder sinken“, erklärt Binder. Höchstens drei bis vier Tage sollte die Frucht auf dem Acker derzeit verbleiben. Die von den fünf Rodern aufgeschütteten riesigen Rübenberge bei Gut Ohsen beispielsweise werden am Montag abgefahren.

Erst ab der zweiten Oktoberwoche wird rund um die Uhr geerntet. Rund 4000 Hektar Rüben sollten bis Mitte November aus der Erde gebracht worden sein. Die Abfuhr selbst läuft aber schon rund um die Uhr. Geliefert werden die Rüben dabei nicht nur nach Lage, sondern auch nach Nordstemmen und Clauen (Landkreis Peine). „Jede Fabrik hat dabei sozusagen ihre eigene Lademaus“, bemerkt Sebastian Binder. Bei der Zuckerfabrik in Lage hat die Kampagne am 22. September begonnen. „Wir verarbeiten pro Tag 7500 Tonnen Rüben und produzieren bis zu 1300 Tonnen Zucker am Tag“, erläutert Dr. Stefan Brinker von der Zuckerfabrik Lage, von deren Gesamtanbauflächen etwa 35 Prozent im Landkreis Hameln-Pyrmont liegen. Man hofft, die Kampagne Anfang Januar beenden zu können. Binder bittet alle Verkehrsteilnehmer um Verständnis, dass es bis dahin zu Behinderungen durch die Rübenabfuhr und -transporte kommen kann (siehe dazu auch Info-Kasten)

Es gibt noch viel zu tun für Einsatzleiter Binder, der ansonsten in Aerzen einen landwirtschaftlichen Hof betreibt. Alles muss reibungslos ineinanderlaufen – Roden, Verladen, Abtransportieren. Hilfsmittel dazu sind heutzutage die neuesten Kommunikationsmittel. Sebastian Lorra etwa, der ein Ernte-Ungetüm steuert, bekommt seine Anweisungen von Binder per iPhone – gleich mit Luftbild vom Acker und allen näheren Einzelheiten. „Natürlich läuft die Datenübertragung auch in umgekehrter Richtung, wird die Erntemenge weitergemeldet oder der Dieselverbrauch“, erzählt Lorra.

Etwa einen Hektar schafft seine Hightech-Maschine in einer Stunde, verbraucht dabei rund 42 Liter Diesel. Alles wird in einem Bordcomputer berechnet. Auch den Weg durch die Rübenfurchen sucht sich die Maschine selbstständig. Doch beim Wenden, Abkippen und natürlich beim Fahren auf der Straße zum neuen Einsatzgebiet ist Sebastian Lorra schon noch gefragt.

Die Fahrer-Mannschaft bekommt Sebastian Binder zum einen aus Angestellten in der Landwirtschaft, die dafür freigestellt werden. Es gibt aber auch Fahrer aus anderen Berufen, die sich etwas dazuverdienen wollen und sogar Urlaub nehmen, um in der Kampagnezeit dabei zu sein. „Man kennt sich und freut sich, wenn man sich jedes Jahr wiedersieht. Das klappt noch ganz gut“, meint Einsatzleiter Binder. „Wir sind quasi eine kleine Familie.“

Hightech für die Ernte: Sebastian Lorra bekommt die Angaben per iPhone übermittelt – sogar mit Luftbild vom Acker.



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