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Grohnder entscheiden über Dorfladen-Projekt / Zwischen Begeisterung und Skepsis

„Im Augenblick stehen die Chancen 50:50“

Grohnde. Das Projekt Dorfladen in Grohnde nimmt langsam Fahrt auf. Nachdem in einer Versammlung die Voraussetzungen und Möglichkeiten dargelegt worden sind (wir berichteten), sind nun die Einwohner gefragt. Wenngleich sich einige Grohnder bereits spontan dafür entschieden haben, das Formular für die Beteiligung zu unterschreiben, gibt es auch Skeptiker.

veröffentlicht am 13.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 23:41 Uhr

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Nicht zu den Skeptikern gehört unter anderen Maren Stelzer-Metje. „Ich hoffe, dass der Dorfladen kommt“, bekennt sie freimütig. Im Gespräch erzählt sie, dass das Einkaufen im Dorf einfach dazugehöre. „Früher haben wir bei Bode eingekauft. Auch die Wocheneinkäufe. Da sind wir als Kinder immer hingegangen, um für zehn Pfennig etwas Süßes zu kaufen“, erinnert sie sich. Doch nach und nach verschwanden die kleinen Läden vom Dorf. Nun hofft die Grohnderin, dass ein Dorfladen wieder ein Mittelpunkt des Lebens im Ort wird. „Auch der Schulhof eignet sich hervorragend für viele gemeinsame Veranstaltungen“, meint Stelzer-Metje. Als Vorsitzende des DRK-Ortsvereins verweist sie auf das Grillen, das auf dem Schulhof stattfinden könne.

Dass sich Maren Stelzer- Metje so optimistisch zeigt, liegt auch daran, dass sie in die Schulschließung involviert war, gegen die sie lange angekämpft hat. „Damals, nach der Schließung, haben wir Ideen gesammelt, was wir mit der alten Grundschule machen könnten“, blickt sie zurück. Und weiter: „Nach vielen Ideen, die verworfen wurden, kamen wir auf einen Dorfladen.“

Allerdings kann sie eine leichte Skepsis nicht verhehlen. „Einige Stimmen im Dorf sagen, dass sie in dem Dorfladen einkaufen würden“, aber sie wollten kein Geld geben, um die genossenschaftlich geführte Einrichtung mit Startkapital zu unterstützen, beobachtet Maren Stelzer-Metje. „Gerade die älteren Einwohner winken gleich ab. Das finde ich schade.“ Sie selbst wird sich, wie auch ihr Mann, am Gründungskapital beteiligen und auch ehrenamtlich arbeiten. Das könne sie jedoch nicht von anderen als selbstverständlich erwarten.

Immerhin haben aber bei einer Informationsveranstaltung im November schon viele Einwohner den ersten Zeichnungsvertrag mit einer Mindesteinlage von 250 Euro gezeichnet. Stelzer-Metze: „Ich bin fest davon überzeugt, dass, wenn das Gründungskapital da ist, der Laden läuft. Und er ist nicht nur für Grohnde wichtig, sondern auch für Lüntorf.“

Birgit und Ralf Käse halten einen Dorfladen für eine „gute Sache“. „Besonders für Menschen, die nicht so mobil sind, ist ein Dorfladen toll“, können sich die beiden sofort begeistern. „Wenn dann noch ein Fahrdienst eingerichtet wird, der die Menschen, die den Laden nicht mehr erreichen können, nach Bestellung versorgt, hätte ein Dorfladen eine echte Chance“, überlegt das Paar. Dann käme es darauf an, wie der Dorfladen angenommen wird und wie die Öffnungszeiten gelegt werden können, denken Birgit und Ralf Käse weiter. Für sie käme der regelmäßige Einkauf im Dorf kaum in Frage. „Wir arbeiten außerhalb von Grohnde und kommen jederzeit an Supermärkten vorbei, wo wir unseren Einkauf erledigen können. Das ist ein Weg“, beschreiben sie ihre jetzige Lage. Allerdings: „Wenn das Angebot stimmt, würden wir vielleicht auch einkaufen, aber keinen Großeinkauf“, schwanken sie zurück. Die Frage nach der eigenen eingeschränkten Mobilität im Alter beantworten sie getrennt: „Ich denke nur von hier auf jetzt“, meint Ralf Käse freimütig. „Dann wäre es toll, wenn es die Möglichkeit, im Dorf einzukaufen, gibt“, blickt seine Frau Birgit voraus.

Hubert Hennig hingegen zeigt sich von dem Projekt Dorfladen überzeugt. „Es ist naheliegend, dass ein Dorfladen vor Ort für den täglichen Bedarf notwendig ist“, meint Hennig, der sich für das Projekt engagiert, und schiebt hinterher: „Heute gibt es in Grohnde nichts mehr. Es ist eine Chance für Leute, die nicht so mobil sind.“ Dabei denkt der Grohnder auch an Dienstleistungen und soziale Kontakte. „Es ist einfacher, wenn Dienstleistungen wie Post oder eine Reinigung vor Ort ist. Auch ein Café wäre möglich“, denkt Hennig weiter. In diesem Zusammenhang weist der Verfechter eines Dorfladens darauf hin, dass die Einwohner länger in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können und dass dadurch die Lebensqualität steigt. „Kommunikation und Information kommen dann automatisch“, ist er sich sicher.

Bei den Kosten für einen Dorfladen gibt sich Hubert Hennig ebenfalls aus Sicht der Verbraucher optimistisch: „Nach der Machbarkeitsstudie werden die Preise nicht höher als in einem üblichen Supermarkt sein und sich an die übrige Umgebung anpassen. Auch können regionale Produkte vor Ort verkauft werden“, hebt Hennig hervor und verweist darauf, dass ein Dorfladen einen Wert und eine Qualität für den Ort darstellt.

Allerdings werden nicht alle Grohnder in dem Dorfladen einkaufen, glaubt Hennig. „Wir gehen davon aus, dass von dem gesamten Kaufvolumen 20 Prozent in Grohnde verbleiben und 80 Prozent in der Umgebung gekauft werden“, schraubt er seine Erwartungen zurecht und fügt an: „Im Augenblick stehen die Chancen 50:50. Ich habe die Hoffnung, dass viele bei dem Dorfladen mitmachen werden.“ Er verweist auf eine Befragung der Grohnder Bürger nach Neujahr, um Klarheit zu erhalten.

Die Gründungsversammlung für den Dorfladen mit weiteren Infos beginnt am heutigen Montag, 13. Januar, um 19.30 Uhr im Vorraum der Sporthalle in Grohnde. ubo

Dezember 2009: Maren Stelzer-Metje kämpft für eine Zukunft der Schule (hier am Eingang) – vergeblich. Dann setzt sie sich für die Nachnutzung des Gebäudes ein und unterstützt Pläne für den Dorfladen. ubo



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