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Hendrik Spare hofft auf Ausbildungsplatz / Trotz seiner Behinderung beweist Aerzener großen Optimismus

„Ich möchte meinen Platz im Arbeitsleben“

Aerzen. Hendrik Spare schwärmt immer noch von seinen Erfahrungen, die er während seiner Praktika erleben konnte. Schließlich sieht der 19-Jährige aus Aerzen die Arbeit am Computer als Hobby. Mit den Programmen Word, Excel und PowerPoint kennt er sich aus. „Ich glaube, sogar etwas mehr als gut“, sagt der junge Mann, der noch das Berufliche Gymnasium der Handelslehranstalt in Hameln besucht. Bausparverträge bearbeiten, Konten pflegen – das lag dem jungen Mann im Praktikum. „Meine Arbeitskollegen waren mit mir zufrieden“, zieht Hendrik Spare Selbstbewusstsein aus diesen Wochen im Büro, wo er am liebsten eine Ausbildung begonnen hätte. „Das hat mir mehr Spaß gemacht als die Schule“, vermisst er dort die praktische Arbeit, die ihn während der Praktika „motiviert hat“, wie er sagt. Nur: Die Suche nach einem Ausbildungsplatz gestaltet sich schwierig, weil der Aerzener gehandicapt ist. Wegen einer schweren Muskelerkrankung ist Hendrik Spare auf einen Rollstuhl angewiesen, seine Bewegungen sind stark eingeschränkt.

veröffentlicht am 02.12.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 02:21 Uhr

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Sein Ziel, eine Ausbildung als Bürokaufmann oder im Verwaltungs- und IT-Bereich zu machen, gibt er nicht auf. Wie zielstrebig der junge Mann ist, bewies er mit seinen schulischen Leistungen. Im Sommer schloss Hendrik Spare die Berufsfachschule Wirtschaft an der Handelslehranstalt Hameln mit dem erweiterten Realschulabschluss ab. „Gute Leistungen belegen meine Noten in Rechnungswesen, Deutsch, allgemeine Wirtschaftslehre und Englisch“, schreibt der 19-Jährige in seiner jüngsten Bewerbung.

Humor und Optimismus prägen seine Einstellung, obwohl die Erbkrankheit Muskeldystrophie vom Typ Duchenne die Bewegungsfähigkeit zunehmend einschränkt. Seit seinem achten Lebensjahr macht sich der Muskelschwund körperlich bemerkbar, seit acht Jahren sitzt er im Elektro-Rollstuhl. Nur eingeschränkt kann Hendrik Spare sich noch bewegen, doch steht ihm ein Integrationshelfer zur Seite – wie im Praktikum. Der Assistent der Paritätischen Dienste reichte ihm in dieser Zeit die Formulare, rückte Maus und Tastatur des Computers in erreichbare Nähe. „Der Rest bereitete mir keine Probleme“, sagt der junge Mann. Mit gestärktem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wuchs die Hoffnung, aus dieser Erfahrung heraus in den Berufsalltag zu kommen. Doch: Das Arbeitsamt bot ihm zunächst nur eine „virtuelle Ausbildung“. In Zusammenarbeit mit einem Bildungsträger hätte Hendrik Spare zu Hause sich das Wissen aneignen müssen, was Gleichaltrige in einem Betrieb erlernen können. „Ich will aber unter Menschen“, sagt der 19-Jährige, der sich nicht mehr als etwas Normalität wünscht, die ihm durch eigene Arbeit am Ende des Monats auch selbstverdientes Geld auf sein Konto bringt. „Ich möchte meinen Platz im Arbeitsleben haben.“

In diesen Bemühungen will ihn nun die Agentur für Arbeit Hameln unterstützen. Sie stellt den Aerzener in den Mittelpunkt, um bei der bundesweiten Aktionswoche anlässlich des internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am heutigen Dienstag auf Arbeitssuchende mit Handicap aufmerksam zu machen. „Ich wünsche mir, dass bei Einstellungen die Leistung im Vordergrund steht und nicht die Behinderung. Behinderte Arbeitnehmer sind oft ganz besonders leistungsmotiviert“, sagt Ursula Rose, Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Agentur für Arbeit Hameln.

Denn das erfahren die Vermittler dort immer wieder: Menschen mit Behinderungen müssen bei der Arbeitssuche immer noch gegen Vorurteile kämpfen und haben es weiterhin schwer, eine neue Beschäftigung zu finden. „Hartnäckige Vorbehalte halten viele Unternehmen von einer Einstellung ab“, teilt dazu die Hamelner Agentur mit.

Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel machte das Problem am Wochenende zum Thema. „Behinderungen sind Teil unseres Lebens“, meinte sie in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. „Und es geht darum, dass nicht Behinderte sich behindert fühlen, sondern, dass wir als Gesellschaft sie nicht behindern.“

Hendrik Spares Mutter Antje Anke verweist darauf, dass „gerade im Moment viel über Inklusion und Integration gesprochen wird“. „Aber es passiert wenig“, sagt sie über die Probleme, dass es Körperbehinderte „nach wie vor schwer haben, ins Berufsleben zu kommen“. Diese Einschätzung teilt auch Markus Rossberg, seit vielen Jahren Arbeitsvermittler für Schwerbehinderte bei der Arbeitsagentur Hameln. Dabei gebe es zahlreiche Möglichkeiten, Betriebe und Behinderte zu unterstützen (siehe Info-Kasten).

Hendrik Spare machen die Erfahrungen von Freunden mit ähnlichen Erkrankungen, die er jährlich bei seiner Kur in einer brandenburgischen Fachklinik trifft, Mut. Der Aerzener erzählt von einem 26-Jährigen, der in der Verwaltung einer Behindertenwerkstatt arbeitet. Und eine junge Frau habe trotz ihres schweren Handicaps nach langem Hin und Her eine Ausbildung in der kaufmännischen Verwaltung beginnen können. Hendrik Spare: „Das macht mir Hoffnung.“ cb



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