weather-image
Suche nach einem WG-Platz mit Intensivpflege dauert an / „Wir sind in der Warteschleife“

Hendrik Spare fühlt sich alleingelassen

AERZEN/BERLIN. Das Warten zerrt an den Nerven von Hendrik Spare aus Aerzen, der verzweifelt nach einem Platz in einer Wohngemeinschaft mit Intensivpflege sucht. Immer noch ohne Erfolg. Zusammen mit seiner Mutter Antje Anke versucht der 23-Jährige, bei dem die Erbkrankheit Muskeldystrophie vom Typ Duchenne die Bewegungsfähigkeit zunehmend einschränkt, den Weg aus dem Haus der Familie in die Selbstständigkeit zu schaffen.

veröffentlicht am 01.11.2017 um 15:38 Uhr

Für Hendrik Spare bleibt es „sein Herzenswunsch“, in eine betreute Wohngemeinschaft nach Berlin zu ziehen. Foto: cb
Christian Branahl

Autor

Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ein Bericht über den erfolglosen Versuch, bei der „Diakovere Annastift Leben und Lernen in Hannover“ einen sicher geglaubten Platz zu erhalten, schlug zwar hohe Wellen – sogar die niedersächsische Behindertenbeauftragte forderte Nachbesserungen von der Politik –, aber eine Lösung ist nicht in Sicht. „Ich fühle mich vom Staat alleingelassen und bin enttäuscht“, sagt Hendrik Spare.

Ein Versuch im September, in Berlin eine Wohngemeinschaft zu finden? Fehlgeschlagen. Wohlgemeinte Vorschläge für Pflegeheime, die folgten? Nichts für einen jungen Mann, der am Leben teilnehmen will. Aussichtsreicher erscheint derzeit das Angebot eines weiteren WG-Projektes in Berlin, bei dem sich der Aerzener beworben hat. Dessen Geschäftsführer hat ihn sogar besucht. Prinzipiell seien die Aussichten gut, eine 24-Stunden-Betreuung zu gewährleisten. Allein: Es fehle das Personal. „Wir sind in der Warteschleife“, sagt die Mutter. „Erst, wenn der Vertrag unterschrieben ist, glauben wir daran.“

Gabriele Lösekrug-Möller – noch als Parlamentarische Staatssekretärin für das zuständige Ministerium im Amt – hatte sich ebenfalls in den Fall eingeschaltet, nachdem es hieß, dass es gegebenenfalls gesetzliche Nachbesserungen geben müsse. „Das ist fürchterlich für die Familie gelaufen“, sagt die heimische Politikerin, die dem neuen Bundestag nicht mehr angehört. Sie habe sich aber von den verantwortlichen Stellen im Ministerium für Arbeit und Soziales die rechtlichen Hintergründe auflisten lassen. „Es gibt keine gesetzgeberische Lücke“, beruft sich die Sozialdemokratin auf das zweiseitige Papier. Stattdessen komme es frühzeitig auf eine gute Beratung und entsprechende Vermittlung an, glaubt sie. Sie könne die Familie sehr gut verstehen, dass sie das Annastift bevorzuge, nachdem schon zwei ältere Brüder von Hendrik Spare dort einen Wohnheimplatz gehabt hätten. Verständnis habe sie aber auch für die diakonische Einrichtung, sagt Lösekrug-Möller, die sich dort im Oktober direkt vor Ort informiert habe. Zwar versuche das Stift, Bewohner, die erst nach ihrer Aufnahme intensivmedizinisch pflegebedürftig würden, den Aufenthalt weiter zu ermöglichen. Doch: Das sei nicht möglich bei Neuaufnahmen, wie es der Abgeordneten nach ihren Worten nachvollziehbar vermittelt worden ist. Dafür müsse die Einrichtung personell und finanziell anders ausgestattet sein.

Die Politikerin verweist darauf, dass sie darüber auch mit Petra Wontorra, Niedersachsens Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, gesprochen habe. Es sei tatsächlich so, dass kein Rechtsanspruch auf einen bestimmten Wohnheimplatz bestehe. Verschiedene Projekte zeigten aber, dass es Angebote gebe, die auf besondere Anforderungen wie bei Hendrik Spare besser eingestellt seien, sagt die Politikerin, die eigentlich schon von einem Erfolg für den jungen Aerzener ausgegangen war. „Was wir daraus lernen können?“, fragt Lösekrug-Möller: Die Beratungen müssten frühzeitig so verbessert werden, dass „es nicht zu einer Extremsituation wie bei Familie Spare kommt“.

Deren Situation bleibt aber angespannt. „Eine professionelle Beratung haben wir nicht erhalten“, sagt Antje Anke. Was nütze das Bundesteilhabegesetz, mit dem eigentlich mehr Möglichkeiten und mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen geschaffen werden sollten? „Keiner hilft richtig“, sagt die Mutter. „Viele Einrichtungen sind selbst verwirrt angesichts der Bestimmungen.“

Für Hendrik Spare bleibt weiter nur die Hoffnung auf eine Wohngemeinschaft in Berlin. Es sei „sein Herzenswunsch“ – schließlich wohne dort auch seine Freundin.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare